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Der Israelit · 1887-10-27 · Heft 83 (27.10.1887) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 83 (27.10.1887)
Date
1887-10-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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1488 Beiträgen verpflichtet baten, beträgt 116 mit zum Tbeil recht ansehnlichen Summen. Jnsgesammt betrug die Einnahme in den drei Jahren Michaelis 1884/87 1764,64 Mark, die Ausgaben 1496,75 Mark, es verbleib demnach ein Bestand von 267,89 Mark, aber nur dem Scheine nach, da wir uns gcnöthigt sahen, um nur die dringendsten (Gesuche, die an uns hcrantratcn, zu bewilligen, den Pfandbrief über 300 Mark, welchen wir aus dem Ueberschuß derSoiröe erworben hatten, wiederum zu verkaufen. Es ist also in Wirklichkeit ein Deficit von ca. 100 Mark vorhanden, das fich bis zunr Ende des Jahres entsprechend den monatlichen Ausgaben für Schulgelder steigern wird, weil unsere nächsten Mitgliedcrdciträge frühestens erst nach Neujahr fällig werden.. Jedoch haben wir keinen Grund, trübe in die Zukunft zu schauen, gegenüber den schönen Resultaten, die wir bereits erzielt haben. Während dieses Zeitraum» hat der Verein für neunzehn Schulkinder das Schulgeld bezahlt, für 17 Knaben und 2 Mädchen. Von denselben besuchten da» Gymnasium 5, die höhere Bürgerschule 12, die Mädchen-Mittelschule 2. Ter Verein hat cs nur als seine Ausgabe erachtet, befähigten Bindern, welche durch Mittellosigkeit der Eltern die Elementarschule nicht verlassen können, die Möglichkeit zu bieten, sich für den praktischen Beruf eine höhere Bildung in einer der städtischen höheren Bürgerschulen anzuckgncn. Für den Besuch der Gymnasien, welche ja Vorbildungsstäueu für die gelehrten Berufe sein sollen, haben wir uns bei der grossen Heberfüllung derselben nicht erwärmen können. Nur in 5 Fällen, in denen uns besonders gut bcanlagte Binder warm empfohlen wurden, haben wir ausnahmsweise unsere Unterstützung zum Besuch eines Gymnasiums gewährt. Wir hatten die Freude, dass zweien Bindern nach kurzem Besuch desselben vom hochlöblichcn Magistrat selbst die Frcischule gewährt wurde. Bielefeld, 19. Oktober. Gestern vollendete der Rentner Marcus Jordan hicrselbst sein 108. Lebensjahr. Der alte Herr ist noch geistig «nd körperlich frisch. Ocsterr.« Ungar. Monarchie. Pesth. Ter hervorragende Maler Leopold Horowiy, unser ausgezeichneter Landsmann, weilt seit zehn Tagen in unserem Kreise, um das Porträt Johann Arairy's. welches er für die ungarische Akademie malt, zu vollenden. Das Bild, welches unseren grossen Dichter in der Zeit der Sechziger Jahre darstellt, ist zwar noch nicht fertig, vcrrärh aber schon jetzt die Hand des Meisters. Abgesehen von der hohen künstlerisch« Technik, welche die Werke Horowitz' charakterifirt, gibt das Bild die Gestalt Johann Arany's so getreu wieder, daß es Jeden, der den Dichter in voller Manneskraft in den Sechziger Jahren kannte, zur Bewunderung hürreisst. Horowitz ist Jude. Budapest. Das „Budapest» Tagblatt* schreibt: Tie Oricntausslügler sind gestern heimgekehrt; sie haben neben den verschieden« Rciseeiodrülke» auch eine gemüthliche Jcrittaleminn mitgebracht, oder richtiger die Reise derselben nach Ungar« bewirkt. Man war eben bei der Besichtigung der südliche» Mauerrcste des Tempels, als ein orientalisch gekleidetes junges Mädchen an den Schreiber dieser Zeilen herantrat und an ihn in schwerverständlichem Französisch die Frage stellte, ob er zu den ungarischen Ausftügrcrn gehöre? Aus die bejahende Antwort begann die Orientalin sofort in fließendem Ungarisch zu sprechen mid erzählte in kurzen Worten, sic sei die Tochter eines Mannes in Ungarn» rvclchcr vor vielen Jahren nach Jerusalem ausgewaudert sei, dort die Tochter eines Rabbi Elkan geheirathet und vor sechs Monaten das Zeitliche gesegnet habe. Ihr Vater, ein Jude, wie schon aus Obigem ersichtlich. Hane seinen Familiennamen niemals gebraucht, sondern sich einfach Jakob Hakcvi nennen lassen; sie selbst heisse Rachel. Ihre Mutter starb, als sie rhr or 19 Jahren das Leben gab. Der Later, welcher fortan ihr seine ganze Sorgfalt widmete, lehrte sie die ungarische Sprache, und wenn sie allem. miteinander waren, sprachen sie immer Ungarisch. Von ihrem Vater habe sie gehört, dass im Jahre 1848 in Ungar» ein großer Frei» hcitskampf ausgcfochten wurde. Jakob Halevr (mit wirklichem Namen: Singer) floh nach Abschluß des Kampfes, an welchem er zuletzt in der Schlacht bei Titel thcrlgenouunen haue, mit vielen Ander» nach der Türkei und wurde vo» dort nach Jerusalem verschlagen; mit ferner Familie, welche damals in einer Sradr jenseits der Donau gewohnt, mag er in Zwist gelebt habe», da es ihm unlieb war, wenn die Tochter das Gespräch auf die i» der fernen Heimarh etwa noch lebenden Verwandten brachte. Nun, La der Vater tobt sei, ziehe es sie unwiderstehlich nach Ungarn, an welchem Lande der Vater mir inniger Liebe gehangen und desse» er selbst in seiner Sterbestunde noch mit Inbrunst gedacht habe. Bisher hätte sie die Reise nicht gewagt, da aber nun so viele Ungarn anwesend seiend wolle sie mit denselben „hclmkchrcn.* Ihre Vermögens-Verhältnisse seien gute und es würde sie freuen, wenn sie ihre Derwandtcu finde» könnte.

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