Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 83 (27.10.1887)
- Date
- 1887-10-27
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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um im Kreise derselben bleiben zu können. »Ich war gerne bereit — so heißt eS in dem nnS heute zngekommenen Schreiben weiter — dem jungen Mädchen meine Dienste anzubicten und ihr zu versprechen, daheim nach ihren Angehörigen suchen zu wollen. Trotz meiner Bereitwilligkeit, ihr zu dienen, wartete ich am Tage unserer Abreise vergeblich ans das Mädchen. Umso erstaunter war ich, als mich die junge Orientalin heute in Budapest aufsuchtc. Sie hatte sich bei unserer Abreise verspätet und war, da sie nun ihre Nciscluft nicht mehr bezähmen konnte, allein — blos von einer alten Magd begleitet — nach Europa gereist. Meine Adrcffe hatte ich ihr bekannt gegeben und so kam es, daß sie mich sofort nach ihrer heute erfolgten Ankunft aufsuchte. Selbstverständlich bin ich nun mehr als je gcuekgt, mein gegebenes Versprechen zu erfüllen. Ta ich jedoch ans privatem Wege schwerlich zum Ziele gelangen dürfte, bitte ich die verehrliche Ncdaklion, die Geschichte veröffentlichen zu wollen; vielleicht genügen die angeführten Daten, um die Aufmerksamkeit der etwaigen Verwandte» des Mädchens zu wecken. Ich werde nicht verabsäume», von Zeit zu Zeit anzufragcn, ob sich Niemand gemeldet. Bis dahin bleibt das Mädchen sauunt ihrer alten Magd in meinem Elternhausc. Für die gärige Veröffentlichung bestens dankend re. rc.* Wir sind hiemit dem au uns gestellten Verlangen nachgckommen und werden auch unsererseits erfreut sein, wenn diese Zeile» zu dem gewünschten Ziele führen sollten. Ofeu, 16. Oktober. Tie Ofner israelitische Gemeinde beging heule in feierlicher Weise das Fest der Grundsteinlegung bei ihrem neu zu erbauenden Tempel in der Sigmundgaffe. Zu diesem Bchufe versammelten sich die geladenen Fcstgäste iur alten, provisorischen Bethause (neben der Baustelle), welches hell erleuchtet war. Gcmcindcpräscs Mar Bauer eröffnete die Feierlichkeit mit einer kurzen Begrüßungsansprache, dann verlas Sekretär Leo Frank den ungarischen Text der Urkunde, welche von der Thätigkeit des Tcmpelbau-EomiteS berichtet und die in den Grundstein versenkt wurde. Rach den üblichen Hammcrschlägcn hielt Ober-Rabbiner Tr. Raphael Goldbcrg die Festrede, welche mit einem Gebet schloß, womit das schönste Fest zu Ende war. v. II. 8. Rußland. Petersburg, 8. Oktober. Auf Grund einer Verfügung dcS Ministers des Innern wird in Odessa durch die Handels-Delegation eine Liste aller auswärtigen jüdischen KommiS, die in den Handels» Häusern Odessas angestcllt sind, zusammengestellt. Ihre Ausweisung soll unverzüglich erfolgen. Einige Prinzipale kaufen für die lange Jahre bei ihnen bedien» steten Kommis Patente für die erste Gilde, um denselben auf diesem Wege das weitere Verbleiben zu ermöglichen. — Die Ldessaer Universitäts-Behörde hat auf die Petition eines nicht aufgenommenen jüdischen Eandidaten geantwortet, daß Juden nur in dem Maße als »Hospitanten* zugelaffen werden können, daß auf je einen jüdischen Hospitanten zehn christliche kouuneu. — In Moskau wurden jüdische Pharmazeuten von der Universität gänzlich ausgeschlossen. Die Abgcwiescnen habe» an den Kultusminister appellirt. In Odessa sind 100 jüdische Familien, welche aus dem Gouvernement Kiew ausgewicscn worden sind, angekommen, und weitere 100 Familien, welche seit 1882 in jener Provinz leben, haben den Ausweisungsbefehl erhalten. Es sind meist östcrrcichissche Staatsangehörige. Tie Lage derselben ist eine um so traurigere, als die kalte Jahreszeit beginnt. Merkwürdigerweise scheinen die Ausweisungen ouS Rußland meist um diese Zeit zu erfolgen. Ferrilleto«. Wozart und die Zridcntaufen.*) Daß der berühmte Eomponist des »Don Juan* und der »Zauberflöte* auf die Gesetzgebung in Bezug auf die Judentaufcn, wenn auch unbewußt, einen Einfluß geübt, das zu erfahren wird gewiß manchen unserer geehrten Leser und Leserinnen interessircn. Ta unter der Kaiserin Maria Theresia öfter- Fälle vorkamcn, daß jüdische Kinder zwangsweise getauft wurden und cs gar oft geheißen hat, die Kinder hätten selbst die Taufe gewünscht, so gab in einem gegebenen Falle die Hofkanzlci (jetzt Ministerium des Innern) ihr Votum am IS. Januar 1765 dahin ab, daß die -mm ckiscrelionis (Jahre ver Vernunft) mit der Vollendung des siebenten Jahres beginnen sollen. Sie begründete ihr Votum unter Anderem damit: »wie mau dann erst in den abgcwichenen Jahren, gewisse, von Salzburg gebürtige Kinder unter dem siebenten Jahre ihres Alterin der Welt hcrumgcführt, welche in der Musik so erfahren gewesen, daß sie selbst componirt haben. •) HuS .Iudrnlrurfru in von <5. £?olf.