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Der Israelit · 1887-10-27 · Heft 83 (27.10.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 83 (27.10.1887)
Date
1887-10-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1464 den Mädchen Handarbeiten n. dgl. zv lehren und sämmtliche Kinder, welche die Freischule besuchen, noch nebenbei in Religionsfächern zu unterrichten, zu welch' letzterem löblichen Zwecke bereits ein Institut (Talmud-Thora-Schule), um dessen Gedeihen sich auch viele Deutsche (namentlich Herr Leopold Löwenstein auS Frankfurt a. M.) verdient gemacht hatten, vor einigen Jahren gegründet wurde. Es wäre sohin die Aufgabe des neugedildeten „Eea* stendCouncil’s: l) Einen Arbeiterunterstützungsverein in'S Leben zu rufen. 2) Abendkassen zum Unterricht von Jünglingen und Mädchen zu eröffnen, 3) eine Schule für die reifere, nicht die Freischule besuchende Zugend zu gründen und 4) die bestehende Talmud-Thoraschule nach englischer Weise zu reguliren und nach jeder Richtung bin zu erweitern und zu stützen. Nachdem all' dies mit Hilfe des für das Zudenthum und die Wohlfahrt unserer Glaubensgenossen begeisterten. Herrn Montagu hergestellt fein wird, kann erst die Frage herantreten, ob ein Prediger nöthia erscheinen dürfte. Mr. Montag« verlas auch in der tzsitzung einen Brief debekannten Philantropen Mr. Frederi c Mocatto, welcher seine Mitwirkung nach jeder Richtung hin freundlichst zusagte. Rußland. Tiflis, 8. Lct. Wie man der „Münchener Allg. Ztg." schreibt, erhielten sämmtliche Juden in Tiflis, die in Rußland wcht heimathberechtigt sind, den Befehl, die Stadt innerhalb zwei Monaten zu verlassen. Die Zahl der auf diese Art Ausgewiesencn ist eine ziemlich beträchtliche. gestilleiott. Are verschwundene ßrvschaft. Cine Erzählung von S?. Hause. XIV. Wolf harte zwar zwei Finger der rechten Hand verloren, sich aber bereits im Schreiben mit der verstümmelten Hand so geübt, daß ihm das Fehlen der beiden Finger durchaus nicht hinderlich war. Außerdem hatte er es durch fortgesetzte fleißige Hebung dahin gebracht, daß seine linke Hand dieselbe Gebrauchsfähigkeit erlangte und eben so gut zu jeder Perrichtung zu gebrauchen war, wie die rechte. Er war daher zur Uebernahme einer geschäftlichen Berufsthätigkeit noch eben so geeignet. wie früher. Bei Herrn Rathansohn konnte er aber jetzt nicht wieder emtreten. da die von chm muegehabte Stelle bereits besetzt war. Herr Nathansohn hatte unmöglich die Stelle so lange auflassen können, und da sein Schwager, der Bruder seiner Frau, in daS Geschäft eingetreten war und den. durch den Abgang Wolf's fteigcwordenen Posten übernommen batte, so war an eine baldige Wieder» erledigung desselben nicht zu denken. DaS war für Wolf eine sehr unangenehme Lage. Es war ihm zwar eine Pension von monatlich sechszeh» Thakern zuerkannt worden; das war aber für die Erhaltung einer Familie zu wenig, als daß er daraufhin die Gründung einer solchen hätte wagen dürfen. Da seine Geschäftstöchngkeit und seine Rechtschaffenheit allgemein bekannt waren, so wurden chm zwar recht einträgliche Stellen in sehr reellen und angeskhenen Geschäften angetragcn, die er auch sehr gern angenommen haben würde, wenn nicht alle an die unerläßliche Bedingung geknüpft gewesen wären, am Samstage und ün emem Theile der jüdischen Festtage im Geschäfte thätig sein zu müssen. Ta er sich hierzu unter keinen Umständen verstehen wollte, so. waren seine Aussschteu auf baldige loh» nende Beschäftigung in der That sehr beschränk. Das machte ihm sowohl, als Therese» viel'Sorge. Ta verbreitete sich plötzlich das Gerücht, daß der erste Kasnrer in dem Bankgeschäfte der Gebrüder Blumcnthal, einem der größten Bankhäuser der Stadt, mit Hinterlassung eines bedeutenden Kaffen» defektes flüchtig geworden sei. Der schon am nächste« Tage in den Zeitungen veröffentlichte Steckbrief gab dem Gerüchte Bestätigung. Die Gebrüder Blumcnthal waren sehr religiös und hielten ihr Bureau am Samstage geschlossen. Wolf, von Herrn Rarhansohn aufmerksam gemacht, versäumte^uicht, sich den Herren vorzustellen und sich um die Stelle, die mit zweitausend Thalcrn dorirt war. za melden. Ta die Herren Blumcnthal mit Herrn Narhanfohn in Geschäftsverbindung standen, so war Wolf ihnen nicht unbekannt. Er wurde daher auch sehr freundlich ausgenommen und dahin bedeutet, daß erst nachdem die, durch die betrügerischen Kunstgriffe des flüchtigen Kassirers im Kaffenwcfea de» Geschäftes eingerissene Unordnung beseitigt. waS nicht vor vierzehn Tagen der Fall sein könnte, die Stelle wiederbesetzt würde. Er solle, da er ihnen vortheilhaft bekannt sei. vor alle» andern etwaigen Bewerbern bevorzugt werden; jedoch sei die feste De» stimmung getreuen, die Stelle Keinem za verleihen» der nicht mindestens eine Eautioa von zehntausend Thalcrn leisten könne, welche Summe aber nicht bei ihnen, sondern in der Reichsbank zu Hinterleger! i s 1 ^|***r.*iff<#v**fl*'*"Vf*»*»:***'»

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