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Der Israelit · 1887-10-27 · Heft 83 (27.10.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 83 (27.10.1887)
Date
1887-10-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1485 sei. Wenn, er dieses zu thun im Stande, so könne ihm die Stelle jetzt gleich zugesichert werden, er aber erst in ungefähr vierzehn Lage eintreteu. Auf die Erwiderung Wolf's, daß er ohne Vermögen und daher zu feinem Bedauern nicht im Stande sei, diesem Ansprüche zu genügen, antworteten die Herren, da er, wie sie wissen, viele Freunde und Könner in den besten Familien der Stadt habe, so dürste die Ermöglichung desselben ihm doch nicht so ganz unerreichbar sein. Wolf war sehr niedergeschlagen. da er wohl fühlte, daß er in sich weder Len Willen, noch den Much werde finden können, die Drittel zu seiner Lebensstellung auf dem Wege der Barmherzigkeit zu suchen. Herrn Nathansohn, der ihn zu dieser Bewerbung veranlaßt hatte, erüatlete er Bericht über den Erfolg; derselbe erbot sich alsbald, zweitausend Thaler leihweise auf eine lange Reihe von Zähren zum Zwecke der Cautionsftellung hergebcn zu wollen und hielt es nicht gerade für unmöglich, noch einige Familien zn finden, die das Gleiche zu thun bereit feien. Wolf und Therese gingen schweren Herzens in dieser Angelegenheit mehrere Tage mit einander zu Rache, ohne zu einem Entschlüsse kommen zu können, da das Bcschrciten des angerathenen Weges beiden glcichsehr widerstrebte. In einer Vormittagsstunde, während welcher die Zöglinge Thcresen's noch in der Schule waren, ergingen sie sich, über diese Angelegenheit sich unterhaltend, zusammen in einer der städtischen Promenaden, als eben »Rcb Mendel" aus M. des Weges einherkam. Als er Thcresen's ansichtig wurde, sprang er mit einem lauten Freudengeschrei auf sie zu nnd reichte ihr die Hand. »Gott im Himmel» wie freue ich mich, Dich zu sehen, Therese! Eben wollte ich Dich besuchen," ries er. »Ich heiße Dich noch immer Du. Du erlaubst es doch? Ich Hab' Dich als Kind auf deu Armen gettagen und Dich immer so lieb gehabt; ich kann gar nicht anders zu Dir sagen!" »Gewiß, gewiß, lieber Reb Mendel!" antwortete Therese lachend. »Ich würde es auch gar nicht zugeben, daß Sie anders als Du zu mir sagen. Hier stelle ich Ihnen meinen Bräutigam vor." »Ah, mafel tow *)!" sagte er mit vielen Kratzfüßen und Bücklingen. »Freue mich, Sie kennen zu lernen." Und zu Therese gewendet: »Gut gewählt, Therese! bei meinem Leben, gut gewählt! Hab's auch schon gehört!" Jetzt mußte er sich zu ihnen auf eine Bank setzen und von M. erzählen, was seit Thereseu's Entfernung Neuedort vorgefallea ist; er that dieses auch auf'S Treulichste. »WaS führt Sie hierher, Reb Mendel!" fragte Therese. »Ich bin für Jemand hier in einer HelrathSangelegenheit. Du weißt, ich mache in diesem Artikel auch zuweilen etwas. Ist von Deinem Vermöge» noch keine Spur entdeckt?" »Noch keine Spur!" antwortete Therese. »Jetzt könnten wir eS grade brauchen." »Es wird schon kommen, wenn'- Zeit ist, glaub'S nur! Das kann man immer brauchen; warum gerade jetzt?" Therese, die immer viel auf Mendel gehalten hatte, erzählte ihm ihre gegenwärtige Lage. »Du warst noch nicht auf dem Grabe DekneS seligcn Vaters, Therese! seitdem Du hier bist, nicht wahr?" fragte Mendel. »Nein," sagte Therese. »Während der Kriegszeit ainaen immer so viel Militärzüge, da wollte ich die Reise nicht machen, und nun will ich warte», bis wieder Alles im alten Geleise ist." »Mache diese Reise jetzt, Therese! Du bist zwar Braut, da thut man das nicht; aber in Deiner Lage darf man wohl eine Ausnahme machen. Folge mir einmal! Dein Vater, im Gan-Edeu ist er, war ein großer Zadik, wenn Du an seinem Grabe zu Gott betest, dann kann und wird Gott Dir auf irgend eine Weise offenbar machen, wo das Geld steckt." »Wenn man wüßte!" sagte Therese unter Thränen. »Wenn man wüßte! Wie heißt, wenn mau wüßte? Man weiß, daß es so ist. Mau hat Beispiele davon. Was früher geschehen ist, kann jetzt auch noch geschehen. Und warum soll ein Gebet an einem so heiligen Orte, am Grabe eines so frommen ManneS, unerhört bleiben, wenn ein Josaum *) um ihr rechtmäßiges Erbe bittet? Lebt doch der alte Gott noch. Er ist und bleibt ja ewig!" Therese sah ihren Bräutigam an, dem mau die Rührung vom Gesichte ableseu konnte. Er nickte ihr Beifall zu. »Wenn Du meinst," sagte sie, »wolle« wir morgen nach M. fahren." »Ich bin dafiir," antwortete er. ,Zch will lieber am Grabe eines Frourmen Gott um etwabitten, als daß ich Lebende um etwas bitten soll." »Nun, gut denn, es bleibt dabei, Reb Mendel!" sagte Therese. »Morgen mtt dem Neuuuhrenzuge treffen vir, so Gott will! iu M. ein. Ich ttrifi 1) Wünsche Glück.

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