Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 83 (27.10.1887)
- Date
- 1887-10-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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daß er ein Kaufmann aus Jspahan fei und neben stinkll Handelsgeschäften seinen höchsten Wunsch erfüllt sehen möchte, den König van Preußen zu Gesicht zu bekommen; allein es sei ihm bi» jetzt unmöglich gewesen, und er werde Berlin wohl verlassen müssen, ohne den König gesehen zu haben. Friedrich bestritt diese Meinung und erklärte, daß der König ja leicht zu sehen und zu sprechen fei. Tie Maske widersprach und erklärte es für eine Unmöglichkeit. Ta verließ den König die Geduld, er nahm die Maske ab und sagte: »Sinn, zum Teufel, ich bin ja der Königs" „Und ich bin Pollnitz, Majestät!" . „Da hat Er freilich die Wette gewonnen," bemerkte Friedrich lachend. Aus Westprcusscn, 17. Oktober. Vor einigen Tagen stand der Rabbiner Tr. Rordheimer vor dem Schöffengerichte in Schwee unter der Anklage, einen 12jährigen Knaben mißhandelt zu haben. Der Sachverhalr ist folgender: Bei der Wiederimpfung der Pocken in einer Klasse der Schule zu Schwetz verursachte eine Anzahl Knaben und Mädchen großen Lärm auf den Flur, so daß Tr. N., welcher in einer Schulklasse jüdischen Religionsunterricht ertheilte, wiederholt sich veranlaßt sah, die Lärmenden zur Ruhe zu mahnen. Dieselben trieben indeß ihren Muthwillen immer toller und klinkten schließlich sogar die Klassenthür auf. Tr. N. faßte hierbei einen 12jährigen Knaben ab und zählte ihm einige Schläge mit dem Rohrstock auf. Der Vater des betr. 5t naben sah diese Züchtigung für eine unerlaubte an und beantragte die Bestrafung des Tr. N. Das Schöffengericht sprach dagegen dem Tr. R. in seiner Eigenschaft als Religionslehrer das Züchtigung-recht in solchen Fällen zu und wie» den Kläger unter Tragung sämmtlicher Kosten mit der Klage ab. Italien. Rom, 16. Lctober. Wie die Tagesblätter soeben melden, hat die Regierung beschlossen, die Aufsicht über sämmtliche Bahnen des Königreiches einer erst zu creirenden General-Direetion anzuvertrauen und soll an die Spitze diese» besonders in Kriegszeiten wichtigen Amte», Cavaliere Artom, ein Reffe des 1878 in London verstorbenen gleichnamigen Rabbiners der dortigen fcphardischen Gemeinde, gestellt werden. Die deutschen Antisemiten, in Italien gibt es gottlob keine solche unduldsame Menschen» werden gewiß jetzt seufzen, daß baldigst auch die italienischen Bahnen verjudet sein werden. Paris, 26. October. Geradezu großartig war die Festlichkeit, welche Madame Furtado Heine kürzlich in ihrem DiSpensair veranstaltete. Etwa zwcitarlsend Kinder im Festkleide präfentirten der edle» Menschenfteundin den mit Brillanten reichverzierte» Orden der Ehrenlegion, den ihr der Präsident der Republik in gerechter Würdigung ihrer Verdienste verliehen hatte. Sehr viele hohe Würdenträger der RepMik wohnten der ergreifenden Feierlichkeit bei. Frau Furtado Heine weinte bei der Ueberreichung der Ordensinsignien. Eng lau d. London, 19. Lctober. Am verflossenen Sonntag den 16. d. wurde eine sehr wichtige Sitzung in der deutschen Synagoge (Spital Square) uuter Vorsitz des Parlamentsmitgliedes Mr. Samuel Montagu abgchalten, welche den Zweck hatte, sämultliche hier bestehende kleine Synagogenvereine, namentlich die zahlreichen polnischen nrcn in der Weise zu vereinigen, daß ein gemeinsames Comitö aus den Vorständen der betreff. Vereine gebildet werde, welches die Interessen der jüdischen Bevölkerung des östlichen Sradirheiles, wo sich bekanntlich die meisten cingewanderten Polen aufhalten, berathen und vertreten soll. Tie Jicr wohnenden fremden polnischen Glaubensgenossen befinden sich in den ärmlichsten Verhältnissen und werden oftmals genölhigt, Maaren zu Spottpreisen zu veräußern und für sehr niedrigen Lohn zu arbeiten, wodurch die gesammte arbeitende Klasse dieses Stadtviertels naturgemäß beeinträchtigt wird, was auch zu manchen feindseligen Zeitungsartikeln Anlaß gab. Mr. Montagu, welcher die Einwohnerschaft dieses Bezirke» im Parlament vertritt, nimmt sich mit aller Wärme der Aufgabe zur Verbesserung der physischen und intellektuellen Lage unserer arnien Glaubensbrüder an und glaubt, daß der geeignetste Schritt sei, vor allen Dingen Einigkeit zu schaffen, denn nur durch gemeinsame- Wirken kann eine Besserung erzielt werden. Allerdings ist dieser erste Vorschlag, der richtige, allein ein anderer, welcher 'dahin ging, einen Prediger zu engagiren, scheint nicht der rechte Leitfaden zur Realisirung zu sein, da e» sich vorerst ja nicht darum handelt, die verarmten Fremdlinge zu erbauen, sondern denselben hilfreiche Hand zur Erlangung eines Lebensunterhaltes zu bieten, die Jünglinge in der englischen Sprache, in Elementar- und technischen Fächern zu unterrichten, sowie ibnea Gelegenheit zu bieten, ihr Thorastudium fortzusetzeu.