Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 83 (27.10.1887)
- Date
- 1887-10-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1482 kommt jener Pöbelhaufe, der gefahrbringend den Bau der Ordnung so oft zu zerstören droht? ES find Jene, die ohne religiöse Erziehung, ohne sittlichen Halt ausgewachsen, die nie das »Tu sollst¬ und das »Du sollst nicht!- gehört, und die nicht ahnen, was Ernst und Pstichrbewußtscin bedeuten. Jeder Mensch muß cs einmal gelernt haben, einem höheren Befehl sich unterzuordnen, muß im unweigerlichen Gehorsam seine innere straft gestählt haben, muß wissen, daß ein ewiger Gott über uns waltet, der nicht zu verneinen ist. und daß eS ewige Wahrheiten gibt, die nicht hinweggelächelt werden können. Die.10 Gebote sind die granitnen Säulen, auf denen die sittliche Weltordnung allein beruht. Hat der Mensch erst diesen Ernst gewonnen, dann ist eS auch verzeihlich, wenn er einmal eine Thorheil begeht; es kommt oieZeir der Flegel fahre. Nach der Gesetzgebung am Sinai und dem Einzuge in das gelobte Land beginnen, wenn man so sagen darf, die Flcgeljahre in der Geschichte Israels: es ist die Zeit der Richter. Raub, Verwüstung und Unrecht werden allenthalben geübt, die Zeit des Fäustrechtes beginnt, da Jeder that, wie es ihm däuchte. Wie gern lesen die Kinder ihren Robinson, ihre Lederslrumpferzählungen und sonstigen Räubergeschichten. Fürwahr, eine herrlichere Kriegsgeschichte, als das Buch der Richter sie bietet, könnte nicht geschrieben werden, und der Jugendschriftsteller, der diese Geschichte mir ihrem bunten Treiben, mir ihrer Simsongestalr, aber auch mir der unter der Palme zu Rama sitzenden Tebora verfassen würde, er könnte des lauten Beifalls der Großen nicht minder wie der Kleinen gewärtig fein. Nach diesen Jahren folgt die Zeit des M a n u esalters und mit diesem das bürgerliche und politische Leben. Nach den Richtern und Samuel erscheinen Saul, David und Salomo. Tie Verbündeten dieser Könige und ihrer Nachfolger sind die Priester und der Temvcl. die Wacht der Wahrheit bildet das Prophcrenlhum. Traurig, wenn die christliche Schriftgclehrsamkeit aus den Worten dieser Gottesmänner nur ein paar armselige Teurungen auf das Ehriftenrhum beraussinden. konnte, besser wäre es, wenn man die Kinder beseelte mit dem Feuergeisre jener Gestalten und ihre Worte sie lesen ließe. Ta ist ein Nathan, der Tavid seinen Frevel vorlegt, ein Iesaias, der dem Könige uiederschmenernde Tonnerworre zuschlcudett, ein Jeremias, der für die gebeugte Wahrheit sich in den Kerker werfen last, der den Zusammenbruch des Staates sonder Furcht prophezeit und auf den Trümmern Zions seine Klagelieder fingt. Eharakrersrärkc. Muth und Festigkeit soll die Zugend aus dieser Periode der israelitischen Geschichte kernen, und sie wird einen Schatz in baS Leben mitnehmea. Und der Rest der Geschichte bis zur Zertrümmerung des zweiten Staates, sollte er so überflüssig erscheinen, um in den Schulen übergangen zn werden? Der Redner verneinte die Frage, beantwortete sie aber in chriftologifchem Sinne damit» daß ans der angeblichen »Fänlnißdas Ehriftenrhum erblüht fei. Nun, wir wollen jenes »Greisenthumin der Geschichte unserer Väter anders deuten. Gewiß ist auch dieser Theil überaus wichtig für die religiöse Erziehung, aber, abgesehen vom historischen Werrhe, nur dcßhalb, damit die Jugend es erkenne, daß das Heiligthum fallen mußte, damit Israel weiter lebte, damit sie es lerne, daß ans den Trümmern siegreich der Gedanke sich erhob, damit sie jenes herrliche Wort verstehe: »Die Gesetzestafeln sind zerbrochen, aber die Buchstaben schweben in der Lust", die Form mag vernichtet sein, aber der Geist lebt wcster, die Schlacht ist verloren, aber die Fahne, unsere heilige Thora ist gerettet. Aus den Tempelrrrineu ist neues Leben erblüht, und an den Gräbern der Gefallenen hat die wahre Freiheit ihre Auferstehung gefeiert. So mag die alte Geschichte Israels symbolisch gedeutet erscheinen und auch wir können dann freudig mit dem Redner schließen: Eltern, machet Eure Kinder mit jenen wunderbaren Erzählungen bekannt, die einen Görhe entzückt und einen Herder begeistert, die Iahnanscnde überdauert und die Welt sich erobert haben, und das alte Testament wird sie als eia treuer Führer stets durch das Leben geleiten. Tr. Adolf Blumeuthal. Berlin. Ueber eine amüsante Wette zwischen Friedrich dem Großen und Pöllnitz weiß der »Bärin seiner jüngsten Nummer folgendes za erzählen: Ter König unterhielt sich einmal mit seinem Liebling Pöllnitz über die Rcdonre und meinte, daß er jeden seiner Bekannten» sei auch die Verkleidung noch so unkenntlich gewählt, erkennen würden Pöllnitz schüttelte ungläubig den Kopf, der König setzte eine bedeutende Summe als Wette aus, die sein Liebling, der ohne Vermögen war, zu gewinnen hoffte. Er entdeckte den Vorgang einem sehr reichen Juden, der ihm nicht nur alle seine Juwelen zum Anzuge lieh, sondern ihn auch als Dolmetscher in die Redoure begleitete. Ter außerordentlich reiche Anzug des Persers erregte großes Aufsehen. Auch dem König, der ebenfalls maskirt war, fiel dre ungewöhnliche Pracht der Maske auf; er näherte sich und fragte, wer die Maske sei. In gebrochenem Französisch erzählte der Perser mit verstellter Summe,