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Der Israelit · 1887-10-27 · Heft 83 (27.10.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 83 (27.10.1887)
Date
1887-10-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1480 Wir brauchen wohl kaum hervorznbeben, wie schwer verständlich die Worte des weisen Rabbi Iizchak sind. Was soll der Psalmvers hier bedeuten, mit welchem er anfängt? Im 45. Psalm wird die Herrlichkeit des Königs geschildert: seine Schönheit, seine Amuuth, seine Hcldenkrast, sein siegreiches Pcrfahren, seine Milde, seine Gerechtigkeit, sein Kampf gegen die Frevler; dem edlcn^ heldenmüthigen, gerechten Hcrscher, soll auch das häusliche Glück, nicht fehlen, und der Sänger redet die Jungfrau an, welche der König erkoren hat, und empfiehlt ihr, in dem erhabenen Geliebten nunmehr ihre ganze Welt zu erschauen, ihm in seine Heimath zu folgen und das eigene Volk und das Vaterhaus zu vergessen. — Wenn wir darin auch eine' Analogie mit Abraham finden können, der auf Gottes Geheiß seine Heimarh verläßt, um seinem Gotte zu folgen, wohin Gr ihn ruft, so ist doch das nun folgende Gleichnis ganz unverständlich. Welchen Zusammenhang hat cS mit dem angeführten Psalmverse? Ist dort etwa von einer Stadt die Rede, welche sich scheinbar in einem gesetzlosen Zustande befindet, weil sie des Führers entbehrt und deshalb bedroht ist, von den Flammen der Anarchie verzehrt zu werden? Ferner ist zu fragen, woher Rabbi Iizchak weist, dast Abraham über die Weltenlenkung vorher nachgedacht, so dast cs der Allweise für gut fand, sich ihm zu offenbaren? Ist das irgendwo angedeutet, steht davon etwas in unsrer Paraschah oder in dem angeführten Psalmverse? Ist cs dagegen lediglich Tradition, dast Abraham, unbefriedigt vom Götzendienste, über die Wcltlenkung nackgcdachl bade, was soll dann der zur Erklärung herbcigezogcne Psalmvers? Wir werden im Folgenden Nachweisen, wie tief unsre Weisen in den Sinn des heiligen Schrislworts eingcdrungen sind, indem wir darstellen werden, dast aus der Vergleichung des ersten Verses im Abschnitte Lech ilcSa mir dem von Rabbi Iizchak herbcigczogencu Psalmverse die ganze Vorgeschichte unsres Vaters Abraham sich ergibt. «.Und es sprach der Ewige zu Abram: Gehe hinweg ans deinem Lande und aus deinem Geburtsorte und aus dem Hause deines Vaters in das Land» welches Ich dir zeigen werde." Tie Neiheusolgc des VeclasscnS scheint hier eine ganz verkehrte zu sein. Angcuomnlcn, Jemand wohin im Hause seiner Eltern in Berlin, und er soll nach Amerika auswandern, so verläßt er zuerst sein Vaterbaus, dann seinen Geburtsort und zuletzt sein Heimarblaud. Demgemäß haue Gon zu Adradam sagen sollen: Gehe hinweg aus deinem Vatcrhause, aus deinem Geburtsorte und aus deinem Lande. Warum kehrt nun die heilige Schrift das Verhältnist um? Wir wissen jedoch, daß vr der heiligen Schrift jede Redewendung ihren triftigen Grund hat^ Dieser Grund wird unS klar, wenn wir den in Rede stehenden Psalmvers genau betrachten. Tort heistr es: Vergiß dein Volk und deines Paters Haus. Beim Vergessen ist das umgekehrte Verhältnist wie beim Verlassen. Wer eine lange Reihe von Jahren in fremdem Lande wohnt, verliert zunächst das Interesse für fein Heimarhland, später erst wird ihm der Geburtsort gleichgiltig Und zu allerletzt die eigene Familie. Teßhalb ruft der Sänger der Prinzessin zu, die dem Gatten in die Ferne folgen soll: Vergiß zunächst dein Volk, denn das Volk deines Gemahls soll nunmehr deinem Herzen am nächsten stehen; dann aber auch vergiß deines Vaters Haus, den» du sollst von nun an dein Glück, deine Freude, deine ganze Welt nur in dem erhabenen Gatten suchen, der dich zu seiner Gefährtin erkoren. — So wird durch diesen Psalmvers Licht verbreitet über das Hinwegziehen, welches Gott unsrem Vater Abraham befiehlt. Es handelt sich hier nicht nur um ein örtliches Verlagen, sondern um ein vollständiges Sichlo-rrennen zunächst von dem Heimarhlande, daun von dem Geburtsort und zuletzt von dem Vatcrhause; denn auch das Vaterhaus Abraham's war dem Götzendienste verfalle«, wie es heißt: (Iosua E. 24, V. 2.): Und es sprach Iosua ZN allem Volke: So har gesprochen der Ewige, der Gou Israels: Jenseits des SrromcS wohnten eure Väter von jeher, Therach, der Varer Abraham's und der Vater Nachor'S, und dienten andern Göttern. Mir dieser Wahrnehmung ist uns die Vorgeschichte Abraham'S angedcuter; er sonderte sich von seinen götzendienerischen Verwandten, suchte den einzigen Gott» und Gort ließ sich von ihm finden. — (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudenze». Deutschland. Berlin, 23. Oktober. Ter bekannte fteisinnige Geistliche Tr. Kalthoff hielt am letzwer» gangcncn Mvnrag in Buggenhagens Salon vor einem zahlreich erschienenen und aus Bekenner» verschiedener Eouscssioncn zusammengesetzte» Publikum einen populär-pädagogischen Vorttag über ^die Verwendung des alten Testaments für die religiöse Jugenderziehung." Ta der Vorttag des

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