Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-10-24 · Heft 82 (24.10.1887) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 82 (24.10.1887)
Date
1887-10-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449776--27375-2517278
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1473 wcrdk. Nach bcm Eintreffen der kaiserlichen Bestäligung wird der Ncugewählte feierlich in sein Amt eingesetzt, werden. Tie Oberleitung der hiesigen Je. schibah bleibt jedoch noch weiter in den Händen des Ebacham Abdullah, der, trotz der neunzig Jahre, die er schon auf seinen Cchultcm trägt, noch heute seinem heiligen Berufe als Nosch-Jcschibah mit vollem Eifer obliegt und die Pflichten desselben aufs Gewissenhafteste erfüllt. Tie „Alliauc Jsraelite" hat nun abermals gezeigt, wie sehr ihr die Zukunft der hiesigen jüdischen Jugend am Herzen liegt, denn sic ließ soeben den Lohn des hiesigen Uhrmachers Hcskiel Mnssa nach Paris kommen, um ihn dort auf ihre Kosten unterrichten und zum Lehrer hcranbildcn zu lassen und ihn dann nach Vollendung seiner Studien an einer ihrer zahlreichen Schulen im Oriente verwenden zu können. Aus der hiesigen Schule der „Alliance" ist kürzlich der Lehrer Ehudada ausgetreten, um nach seinem Vaterlande, Persien zurückznkchrcn und in Teheran als Bildner der dortigen jüdischen Jugend zu wirken. .Herr Ehudada wurde gleichfalls auf Kosten der „Alliance" nach Parks gebracht und dort zum Lehrer hcrangebildet. AlS er vor einigen Monaten hichcrkam, brachte er ans seiner Hcimath eine Frau mit. Wenige Wochen darauf..traf..jedoch sein Schwiegervater hier ein, nahm seine Tochter wieder mir sich heim und ließ so Herrn Ehudada unbeweibt hier zurück. In unserer Gemeinde machte dieses Ereignis natürlich großes Aufsehen und munkelte man damals Verschiedenes über-Herrn Ehudada und feine Frau. Manche behaupteten sogar, derselbe wäre gar nicht verbeirarhet gewesen, sondern blos verlobt, und aus diesem Anlasse habe der Vater seine Tochter mit nach Hause genommen. Selbstverständlich schenkte Ihr Korrespondent diesem Gerede keine Aufmerksamkeit und erwähnt er dieser Geschichte hier blos, well sic durch einige Tage hindurch den Gesprächsstoff in unserem Judenvicrtcl bildete. Die cS heißt, wird unser Gcncral-Gouvcrncnr, Mnstapha A;iym Pascha, der diesen hohen Posten Mt seit einigen Monaten bekleidet, denselben nächucns wieder verlassen, um einer: andern in Europa oumtrcten. Wir würden jedoch die Abreise dieses tüchtigen, ehrlichen und auch streng gerechten Bcemren ungemein bedauern, da derselbe während wrncs kurzen Anfcnthaltcs in unserer Mine, sich drc Sympathien und die Herzen Aller erobert hat. . . Ans den Zeitungen werden Sie gewiß erfahren ravcn^ daß sich die zwei jüdischen Barrquicrs, Alt und Lceselder. bei der Hohen Pforte um die Eon- Mpon zum Bau einer Bahn Koustantinopel-Aiigora- Tiarbekir-Mossul-Bagdab beworben und dieselbe * auch erhalten haben. Zndeß wird, wie wir vernehmen, aus diesem schönen Bahnprojecte nichts werden, denn erstens fehlt es der Türkei au Geld, mn einer Bahn von einer solchen Länge eine entsprechende Subvention gewähren zu können und zweitens sind die Provinzen, durch welche diese Bahn laufen soll, zu wenig bevölkert und industriöS, als daß dieselbe auf die erforderliche Anzahl von Passsgirrcn und die nöthige.Quantität von Frachten rechnen könnte. Unsere Hoffnung, baldigst per Eilzug nach Europa fahren zu können, wird voraussichtlich noch lange unerfüllt bleiben. Wenn der pn twu in den nächsten Jahren kommen sollte, werden wir gerne zu Fuß nach Zion und Jerusalem wandern. FerMeto«. Ein Stück jüdischer Geschichte aus -Leipzig. Leipzig war zu allen, insbesondere aber in früheren Zeiten eine Stadt, — wo — wie keine . zweite im Königreiche Sachsen, — das jüdische Element heimisch werden konnte, wenn auch nur vorübergehend und zwar zu den berühmten drei Leipziger Messe». Ta war denn auch das Judenthum ans allen Ländern Europa's vertreten und der Welt ein Beweis gegeben eines »nächtigen Aufblühens der noch vielfach hart bedrückten Glaubens- . drüdcr.' Wie nach und nach in allen Landen günstigere Gesetze geschaffen wurden, so gedieh auch - nach und nach die Arbeitskraft der eifrigen Dätcr, und blühende Nahrungszwcige waren aufgekcimt; der Lebensabend der grcifcn Bäter, die Zukunft der Kinder waren gesichert. — Aus meiner frühesten Kindheit entsinne ich' mich noch der Leipziger Messen, und blicke ich nur 15 Jahre zurück, so sicht mir jenes gewaltige Treiben einer fieberhaft thäugcu Menschheit enieuert im Geiste da. Was damals so oft meine kindliche Aufmerksamkeit zu wmen begehrte, lernte ich erst später verstehen; die Zenverhältnisse haben die Leipziger Messen nicht nur geschwächt, sondern fast gänzlich klein gemacht und das Getreide der Gaukler und ein schwacher Kleinhandel bilden die Messe. — Die Znströmung aus aller Herren Länder in den früheren Jahren der Leipziger Messen hatte es auch veranlaßt, daß in Leipzig eine jüdische Speisewinhschaft gegründet werden mußte. Die Jude»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.