Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 82 (24.10.1887)
- Date
- 1887-10-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1468 Ihnen letzthin von dem »Gesetz zur Ermuthkgnng einer Industrie im Lande"' einige die Israeliten betreffenden Paragraphen geschrieben. Ich habe jedoch in der Eile den wichtigsten Paragraphen übersehen. §. 3 nämlich lautet dahin, daß »die« jenigcn, die aus dem Lande Fabriken errichten wollen, die von der Verfassung geforderten Bedingungen zur Erlangung ländlichen Besitzes haben müsseu",.d. h. sic müssen die bürgerlichen und politischen Rechte heben, dürfen also nicht »Fremde" sein! Da nun aber in Rumänien alles -erhalten muß, um die Juden als eine »nationale", »sociale" und »oekonomische Gefahr" hinzustellen, iso muß eZ auch die noch spärlich vorhandene Industrie. Tie »Indvpcndcnce Nonmäiüe" zählt eine Reche von Fabriken auf, welche Israeliten in letzterer Zeit, aber noch lange vor dem Gesetz sowie in Folge des autonomen Zolltarifs gegen Oesterreich (1885) allein oder mit christlichen Thcilhabern errichtet haben und weist auf die Gefahr hin, welche daraus entstehen kann, daß Juden die Inhaber sind. Ihr zufolge würden übrigens »blos die Juden" von dem antisemitischen Indnstriegesctz den »Nutzen" ziehen. Tie Gefahr besteht nun darin, daß während das Gesetz den christlich-rumänischen Unternehmern gcwiffc Vorthcile und Prämien bei Errichtung von Fabriken in Aussicht stellt, haben die gehaßten Juden auS eigener Kraft und mit eigenem .Kapital Fabriken geschaffen! Wenn Sie die schreckliche Gefahr, die darin liegt, nicht begreifen, so kann ich sic Ihnen noch näher erläutern. Zn Rumänien sucht Jedermann sich ehrlich vom Staatsbudget zu mästen. Wenn es nun Leute gibt, — 1111b das muffen gerade Juden» fein — die auf den großen gemcinsauien Säckel verzichten, dann gcräth ja, die öffentliche und Staatsmoralin Gefahr, über den Haufen geworfen zu werden, indem, wenn andere ihnen auf dem Wege der Unabhängigkeit und Selbständigkeit folgen, mau dahin gelangen könntc, den jetzigen Inhabern der öffentlichen Staatseinnahmen mehr auf die Finger zu sehen und auch zu klopfen. Eine andere Gefahr wüßte ich nicht darin, daß inländische Israeliten im rumänischen Inlande Fabriken mit eigenen Kosten und eigener Gefahr errichten! — In demselben Zuge macht dieselbe Zeitung aber noch folgendes werthvolle Geständnis: »Es ist übrigens natürlich, daß die Israeliten Industrien schaffen; denn vom Wucher (der in Rumänien gar nicht so gefährlich) abgebalten, aus den Dörfern vertrieben, sieht sich der ISraelit gezwungen entweder das Land zu verlasse» oder seine Kapitalien und seine Thätigkcit in einer andere» Richtung zu verwenden und weil er fast de« ganzen Handel schon knnehat, hat er angesange» sich mit der Industrie abzugebcnUnd das ist den Rumänen zn ihrem Vortheil — nicht recht! — Wie die »Doacea DreptLya" (Stimme der Gerechtigkeit — israelitische Zeitschrift) mfoimtit wird, soll der Rabbiner von Berlad, Herr 21- Taubes, »nach Paris gerufen worden sei» in einer Mission, welche die rumänischen Israeliten angehe". Don wem er gerufen worden und um was es sich handelt, ist des Näheren nicht angegeben; er soll jedoch aus dem Wege nach Paris schon in Bukarest emgetroffcn fein (der Weg von Berlad über Itzkany (Bukowina) ist näher als über Bukarest-Orfchowa-Ungarn). Die Sache klingt sehr mysteriös und ich wüßte wahrlich nicht, welche andere Veranlaffung vorliegen könnte, als die letzten Girfulorc des Kultusministers über die Aufnahme von »fremden" in den öffentlichen Schufen und die Schließung israelitischer Privatschulen. Vielleicht erfahre ich bald etwas Näheres darüber. Rußland. In Tiflis (Kaukasicn) wurde eine neue Synagoge eingewciht. Sämmtliche Staatsbehörden dethciligtcn sich an der Einweihungsfeierlichkeit, der Gouverneur cröffncte die Synagoge. Auch dem darauf folgenden Festeffen wohnte» die Behörden bei. Palästina. Die Stadt Bethlehem wird nunmehr mit Gas beleuchtet, und von hier aus ist eine neue Straße nach dcui Grabe Rahels angelegt worden. FeuMeto». Die verschwundene Erbschaft. Sine Erzählung ton L. Haitse. (Fortsetzung.) Dieser junge Manu war an jedem Mütage der Tifchgcnoffc Theresens. Sie säße» sich stets einander gegenüber. Am Mittagstische der Familie Nathansohn wurde stets eine lebhafte und oft recht intercffante Unterhaltung geführt. Es konnte nickt fehlen, daß sowohl Herr Wolf als auch Therese mit m dieselbe verflochten wurde«, und beide hatten, da-