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Der Israelit · 1887-10-24 · Heft 82 (24.10.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 82 (24.10.1887)
Date
1887-10-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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darzulerhm, sie aber, wert sie Geldgeschäfte machten, des Wuchers beschuldigte und sie auf die Folter spannte, um sie zu zwingen , den erzielten Gewinn wieder herauszugcben; wie man sie zum Tragen einer besonderen Kleidung und besonders weithin sichtbarer Abzeichen zwang, und wie man sie der Erclusivität zieh und sie öffentlich verhöhnte, weil sie besondere Abzeichen trugen; wie man sie öffentlich anNagte» daß sie Ehrisienkinder geschlachtet, Brunnen vergiftet und die Pest absichtlich vcrbreitet hätten, und wie man ihnen durch die grausame» Qualen der Folterkammer das Geständnis abzwang, daß sie solches Alles wirklich gethan hätten; wie man ihnen mit dem Scheiterhaufen drohte, wenn sie sich nicht taufen lassen würden und wie man sich nach der Taufe nichtsdestoweniger verbrannte, weil sie den christlichen Glauben nicht ans Ncbcrzcugung bekannt hätten; wie man sic rief, um sie zu vertreiben, ihnen eine Heirnath währte, um sic heunathloS in die weite Welt hinanszujagen, sie unter den Schutz der Gesetze stellte, um sic trotz der Gesetze als Vogelfrei zu behandeln. „Und das Alles', wie Elliot nach der Besprechung dieser Gräuel sagt: „um den Erlöser der Menschheit zu rächen, oder um dieses halsstarrigen Menschen zu zwingen, einen Herrn anzucrkcnncn, dessen Diener so heilsame Wirkungen seiner Lehre zeigten". Zeitungsnachrichten und (.Korrespondenzen. Rumänien. vr. C. Bukarest, 19. Oft. Kürzlich circulirte hier daS Gerücht, daß die Fremden (oder die „Fremden") einer jährlichen Abgabe von 500 Franken unterworfen werden sollen, zu den nicht geringen Etcuern, die sie schon zahlen. Bekanntlich hat Frankreich eine solche Taxe, ohne Zweifel in willkürlicher Verletzung des Völkerrechts, den Ausländern aufzulcgcn die Neigung, als ein Acquidalent dafür, daß sie in Frankreich keine Militärdienste leisten. Rumänien, welches seit dem Berliner Kongreß, 1878. sich von der „älteren Schwester" (Frankreich) definitiv losgcsagt zu haben schien und m Anbetracht seines dem 'Deutschen Kaiserhause verwandten Königs, sowie. des speziell seit 1878 in Europa erlangten Uebergewichts Deutschlands, nch nun die europäische Tünche in letzterem Reiche bvlt. d. h. sämmtliche Gesetze, administrative u. s. w. Maßnahmen von Preußen kopirr, — dasselbe Rumänien wandte die freundliche Seite seines Iamrs- StNchtes sofort nach Frankreich hin, als es davon hörte, daß es — frische 500 Frcs. jährlich pro Kopf von einer bestimmten Bevölkerungszahl zu holen gibt. Lo eine solche Taxe einen rechtlichen Untergrund har oder nicht, ob cs wirkliche Ausländer oder bloße „Fremde" sein sollen, die in Rumänien zu Militärdiensten thatsächlich herangezogen, jedenfalls aber dazu gesetzlich verpflichtet find, was th::ts? 500 Frcs. sind sehr verlockend, wen» mau sie nehmen soll. Das Gerücht hat sich seitdem weder bestätigt noch ist es dementirt worden. Ich konstarire jedoch 'zweierlei. Einerseits findet die gouoernementaleZeitung„Unirea" (Die Einigung) eine solche Taxe, unter Hinweis auf Frankreich. nur recht und billig. Ob dies ein „Fühler" sein soll, weiß ich nicht. Andererseits hat der Kriegsministcr unter Rr. 16.577 ei» Eirkular erlassen. wonach man alle ausländischen „Schntzgc- »offen" und llntcrthancn in die Nekrutirungslisten einschrcibcn soll. Ob er diese wirklich einrcgkmentircn will, oder ob er sie nachher gegen die — offiziell oder „unter der Hand" — „üblichen" 500 Frcs. unbehelligt lassen will, das.werde ich nachher noch ersahrca. — Herr Hai im Bidjorano, Director und Lehrer für Hebräisch an der spamolisch-israelitischen Schule in Bukarest, ist urplötzlich verhaftet und ins Polizcigcfängniß der Präfektur abgcführt worden. Infolge der Fürbitte des angesehenen, in israelitischen Angelegenheiten sehr lhärigen, scphardischeu Glaubensgenossen, Herr» Moscn (Moses) Ascher, die derselbe bei der ottomanischcn Gesandtschaft cinlcgte, wurde Herr Bidjorano kurz darauf frcigclaffcn. Herr Aschör ist seit 1X81 einer der 67 naturalifirtcn rumänischen Israeliten, während der Betroffene türkischer Untcnhan ist. Mangels Bekanntgabe des Berhafrnrrgsgrundcs glaube ich mir Recht vermntheu zu könne», daß cs wegen des Verdachtes sei, als ob er die israelitischen z«rits secrets Shimänicn*. die nach Meinung der Regierer „entre nons“ d. h. im Lande bleiben sollten, an die auswärtigen Zeitungen schreibe. Darin wären die Herren ans falscher Fährte; sie mögen sich getrost nur an mich wenden. Tenn Herr Bidjorano, der, wenn ich niich recht erinnere, Mitglied einer spanischen Akademie ist, pudlizirt nur rein littcrarische' Beiträge uud Gedichte irr spanischer'. Zeitungen. Von den Gedichten werde ich Ihnen, gelegentlich vielleicht einige mir bekannte in deutscher Ucbersctzung mittheilen, da dieselben in spanischer Sprache und an Spanien gerichtet, zum Aerger der Antisemiten, der Wett zeigen, daß „der Jude" trotz blutiger Verfolgung und Ausweisung noch nach 400 Jahren, sich nach dem Vaterland sehnt und trauert. — Ich habe

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