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Der Israelit · 1887-10-24 · Heft 82 (24.10.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 82 (24.10.1887)
Date
1887-10-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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durch Gelegenheit wahrzunehmen, daß ihr Gegenüber nicht zu den Alliagsmrnsche» gehörte. Zu den» gegenseitigen Achtnugsgefühle, daS sich dadurch zwischen ihnen schon nach den ersten Tagen herauSdildetc, machte sich im Laufe kurzer Zeit im Herzen Theresen'S noch etwas rege, was zwar Achtung zur Boraussetzung hat, aber doch in eine andere Rubrik gehört. Therese selbst bemerkte es Anfangs kaum und . ließ eS ganz unbeachtet, was dem unbekannten Etwas im Wachsthume sehr förderlich war; denn, wie man sagt, soll es im Stillen und Dunkeln am Besten gedeihen. Als es aber herangewachsen war und sich im Herzen festgenistet hatte, da wurde Therese bei einigem Nachdenken zu ihrem Schrecken gewahr, daß sie nicht mehr die alleinige Besitzerin ihres Herzens sei, sondern, daß ein gewisser Jemand sich, ohne erst zu fragen. in demselben ansässig gemacht habe und sich auch nicht wieder aus demselben vertreiben ließ. Eine ganz ähnliche Entdeckung hatte auch ein Anderer in sich gemacht, und dieser war Wolf. Es schien eiu Jeder von den Beiden dazu verurtheilt, in seinem Herzen das Ebenbild des Andern hcrumtragcn zu müssen. So sehr die beiden jungen-Leuten sich auch bemühten, sich gegenseitig ihre innere Lage zu verheimlichen, wollte ihnen dieses doch nicht gelingen. Ihre Augen hatten ohne Wissen und Willen, wie das in solchen Lagen schon oft vorgekommen sein soll, die Rolle des Derrälhcrs übernommen, und so wußte dann auch bald tin.Jcdcr von ihnen, was im Innern des Ändern vorgeht. WaS Wunder also, daß eS von dieser .gegenseitigen Wahrnehmung bis zu einem offenen, 'gegenseitigen Geständnisse keines Jahrzehntes dedurfte, und so hatte Therese, nach erst zwei Monate langem Aufenthalte in R., Wolf auf seine Frage, ob ne seine Frau werden wolle, zwar sehr verschämt und leise, aber doch für Wolf hörbar und verständlich genug, mit „3a* geantwortet. Ta sie beide ehrliche und offene Naturen und aller Gehrirnnißthucrei feind waren, so fanden sie eS auch nicht für nöthig, aus diesem sich gegenseitig gegebenen Versprechen lange ein Gcheimniß zu machen, sondern feierten schon einige Wochen nachher ihre öffentliche Verlobung. Wolf bezog von Herrn Nathansohn ein so ansehnliches Gehalt, daß er mit dcmstlben eine Familie zu erhalten recht wohl im ^wnde war, und hatte auch eine Kündigung seitens seines Prinzipals so leicht nicht zu befürchten. Herr Ncthansohu hatte die Meldung Wolf's von seiner bevorstehenden Verlobung mit Therese sehr freundlich entgegengenommen. Er hatte ihm bei dieser Gelegenheit zugleich eine Gehaltserhöhung zugesichert, die ihm vom Tage seiner Berheirathung au als Entschädigung für den Mittagstisch werde» solle, da er diesen dann doch wohl lieber bei seiner Frau würde nehmen wollen. Er erbat sich dabei von ihm, daß Therese seine beiden jüngsten Töchter, die sie jetzt ia Unterricht und Erziehung habe, nach ihrer Berheirathung zu sich in Halbpension nehme, da er dieselben gern bis zu ihrer völligen Ausbildüng unter ihrer Leitung wissen möchte; dieses wurde ihm mit Freuden zugesagt. Therese verlebte jetzt Tage voll innerer Wonne, nur getrübt durch den, jetzt noch öfter, als früher bei ihr einkehrenden Gedanken an ihre lieben Eltern, die sie als Zeugen und Theilnehmer ihres Glückes jetzt doch gar zn gern noch um sich gehabt hätte. Es kostete sie das manche Throne. So ist damenschliche Leben! Freude und Schmerz liege» meistens dicht bei einander; und das menschliche Auge hat für beide nur ein und dasselbe Naß! xra. Therese war bereits drei Monate Braut. DaS waren Stunden, Tage, Wochen und Monate, erfüllt von all' dem Sonnenschein des inner« Glückes, der Wonne und der Seligkeit. In einigen Monaten sollte die Verheirarhung stattfinden. Schon hatten beide Theile manche ihrer AusstattungSwüusche sich gegenseitig mitgetheilt und mit freudiger Hast die Vorbereitung zur Befriedigung derselben begonnen. Da rief ein unvorhergesehenes und ungeahntes Ereigniß diesem freudigen Schaffen und Treiben plötzlich ein grausames Halt zu. Man befand sich im Jahre 1870. Am politischen Himmel hatte sich einiges Gewölk zusammengezogcn. Bange Kricgsbefürchtungen durchschwirrten die Luft. Napoleon der Dritte fühlte seinen Thron wanken und glaubte demselben durch glänzende Erfolge nach Außen eine Stütze geben zu können, während seine Gemahlin Eugenik, eine fanatische Spanierin, zum Kriege gegen daS ihr verhaßte Preußen hetzte. Der Vorwand wurde auf die allgemein bekannte Weife gefunden und die Kriegserklärung folgte. Die Mobilmachung hatte auch die Einberufung Wolf's zur Folge. DaS war für die beiden Verlobten ein harter Schlag. Therese begleitete ihren Bräutigam bis an den Bahnhof. Tie Abschiedsscene war eine tkeffchmerzliäie. Ein Jeder von ihnen mußte es sich sagen, daß dieses Scheiden vielleicht ein Scheiden auf ewig; namentlich war Therese von diesem Gedanken tief ergriffen; dennoch riß sie sich zuerst loS. „Ich bin überzeugt, mein inuigft Geliebter l* sagte sie unter Schluch-

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