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Der Israelit · 1887-10-20 · Heft 81 (20.10.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 81 (20.10.1887)
Date
1887-10-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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wird das schlammwasser der Vcrläumdung und Verdächtigung über die besten Männer hingegossen, um sie, ohne daß sie Zeit hätten, sich der gegen sie anftürmenden Anschuldigungen zu erwehren, zu compronrittiren, im öffenUichen Vertrauen zu erschüttern, dem allgemeinen Spott anheimzugeberu. ... IIL Wir begegnen in der Geschichte dem verläumdcrischen Vorwurf des Kindcrmordcs zu wiederholten Malen. Im Orient suchten sich säumige Schuldner ihrer lästigen Gläubiger bisweilen dadurch zu entledigen, daß sie die Beschuldigung des Kindermordrs gegen dieselben erhoben. Und um die Ausbreitung der christlichen Religion zu verhindern und die heidnischen Römer zu bitterem Haß und blutiger Verfolgung gegen die Anhänger des Evangeliums zu entflammen, wurde aus dem Genuß des Leibes und BluteS beim Abcndrnahle der diabolische Vorwurf abgeleitet, daß die Ehristcn bei ihren Gottesdiensten Kinder schlachteten, deren Blut tränken, deren Fleisch äßen und noch andere grauenvolle Verbrechen begingen, wie man aus den Reden des Heiden OctaviuS bei dem lateinischen Schriftsteller Mioulius Felix des Näheren ersehen kann. Gibt es in der deutschen Sprache ein Wort, um die Verworfenheit des Charakters gcbürend zu bezeichnen, welche dazu gehörte, um Personen oder Parteien, weil man ihre religiösen Ansichten nicht theilte oder ihren Einfluß aus socialen Gründen für eiucu bedenklichen hielt, dadurch zu Objecten de? allgemeinen Hasses zu stempeln, daß man ihnen die entsetzlichsten Verbrechen andichtete? Das gilt aber nicht dloS von dein Vorwurf des Kinderschlachtens, derben E h r i ft e n, sondern von dem gleichen Vorwurf, welcher von christlichen Fanatikern gegen die Juden aufgebracht wurde, ebensosehr und viel uiehr noch, weil die Urheber dieser Anklage Menschen wären, welche sich ihrer Religion als der Religion der Liede rühmten, weil ihnen bekannt sei« mußte, wie viel Blut und Thräncn diese Ausgeburt des Haffes den jungen christlichen Gemeinden gekostet harte, und weil sie das Verbrechen der schmachvollsten Verleumdung begingen, um das Verbrechen der Beraubung und Ausplünderung der Juden, dessen sie sich schuldig machen wollten, vor der Welt zu beschönige». Ist nicht der herz- und gewissenlose Orientale, welcher seiner Schuld, die er nicht bezahle» kann oder nicht bezahlen will, dadurch quitt zu werden hofft, daß er seinen Gläubiger des Kindesmordes deinzichtigt, nicht noch ein unschuldvoller Engel im Vergleiche mit dem Ehriste», welcher nach dem Gelbe des Juden strebt und dadurch in den Besitz desselben kommen will, daß er die ganze Judenschaft beschuldigt, sich bei ihren Gottesdiensten, des Blutes christlicher Kinder zn bedienen i Storni'mäa, muß man eS dann oder nicht einen Schmutz- und Schandfleck auf dem Geschichtsbilde unseres Jahrhunderts nennen, daß, nachdem das Blutritual nicht uur von den Jude» geläuguer und von Proselyten aus dem Judenthum unter den feierlichsten Eiden als eine völlig ans der Luft gegriffene, den Juden von ihren Feinden angedichictc Beschuldigung bezeichnet, sondern von den hervorragendsten christlichen Fachgelehrten, von den ersten philosophischen und theologischen Facultäten nach der genauesten Durchforschung der gesammten religiösen Schriften der Inden als eine' solche erwiesen worden ist, dieselben Verdächtigungen in unseren Tagen nicht nur erneuert werden und in weilen Kreisen Anklang finden, sondern daß auch ein Man», der zu den Gelehrten gezählt sein will und seinem Berufe nach Nnioersirätsprofessor ist. sich so tief erniedrigen konnte, um eine notorische Lüge mit dem Mantel feiner wiffenschastlichea. Autorität zu decke»? Freilich fand Herr. Rohling in Bezug auf seine Behauptung, in einer gedruckten Ausgabe des Sohar gelesen zu haben, „daß das Vergießen des Blutes einer nichrjüdifchen Jungfrau für die Inden eine überaus heilige Handlung fei,- wobei er erklärte, daß er auf die Wahrheit dessen bereit sei, vor Gericht einen Eid zu leisten, in dem gelehrte» Bezirksrabbiner und Rcichsrathsabgeordneteu Tr. Bloch einen nicht nnr ebenbürtige», sondern ihm au Muth und Kraft überlegenen Gegner. Bloch erklärte, daß Rohling für seine verlättiudcrische Anklage nicht den Schatten eines Beweises bcibringcn könne, beschuldigte den Prager Uuiversitätsprofcssor des angcbotencn Meineids und dr ängte denselben zur gerichtlichen Klage. Tie Klage kam, aber Rohling zog dieselbe unter völlig nichtigen Vorwänden zurück, als eben von Bloch und feinem Berrrctcr Tr. Josef Äopp der Nachweis geführt werden sollte, „daß Rohling die Tinge, deren Wahrheit er beweisen wollte, durch bewußrc Fälschung zustande gebracht habe.- So blieb der Vorwurf de» angebotenen Meineids auf dem Manne haften, welcher in seinen Schriften behauptet hatte, „daß der Jude von ReligionSwegcn befugt sei, alle Richrjude» aus jede Weise auszubentcn, sic physisch und moralisch zu vernichten. Leben, Ehre und Eigenthnm derselben zu verderben, offen und mit Gewalt, wie heinrlich und meuchlings," — der stÄ bereit erklärt hatte, zu beschwören, daß „die Rek» gion den Juden verpflichte, Kinder, welche um Nichtjüdinncn erzeugt sind, umzubringeu" und dum feierlichen Eid als Wahrheit beftärigcu wollte, „das

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