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Der Israelit · 1887-10-20 · Heft 81 (20.10.1887) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 81 (20.10.1887)
Date
1887-10-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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% XXVllL Jahrgang. Settage zu Nr. 81 -es Israelit. Leitesder^A rtilcL Antisemitismus. rinne Studien von Jr. Theodor Hasse, evangelischer Luperiatradrat von Schlesien und Reichsralhs Äbgroidneler. (Foelsehung.) H. Antisemitische Kampfmittel. - Unipersalmittel sind immer verdächtig, und wenn dieselben - on Quacksalbern angepriesen und für thcucrcs Geld an den Mann gebracht werden, so verwundert man sich nicht sowohl über die unmöglichen Euren, welche durch ihre Anwendung bewirkt werden sollen, als vielmehr darüber, daß es gestattet ist, leichtgläubige Menschen öffentlich zn bcthören und zu ubervortheilen. Diese Verwunderung müßte aber in die höchste Entrüstung übergehen, wenn die als Univcrsalmittel verkauften Arzneien giftige Stoffe enthielten und dieselben trotz ihrer verheerenden Wirkungen vor den Augen aller Welt unbehindert feilgcboten werden dürften. Nun wird der Antisemitismus von seinen Aposteln nicht nur als llniversalmittcl gegen alle politischen, finanziellen und moralischen Schäden der Gesellschaft ausgeboten, sondern es wird der letzteren statt heilender Arzenei öffentlich Leib und Seele zerstörendes Gift gereicht. Oder ist es nicht Gift, wenn man die Jugend corrnmpirt, indem man sie zur Bethätigung niedriger Leidenschaften anleilet? Ist es nicht Gift, wenn man die Aroien reizt, mit Mißgunst, Neid und Habsucht auf die Güter der Wohlhabenden zu blicken und fremden Gutes zu begehren-' Ist es nicht Gin, wenn man die Wohlhabenden dadurch abschreckt, wohlthätig zu sein, daß man jede ihrer Wohlthaten als berechneten Ausfluß versöhnlicher Eitelkeit verhöhnt und als Bestechung brandmarkt? Ist es uicht Gift, wenn man sich bemüht, dos paradoxe Wort des pessimistischen Philosophen, daß die Eulwr zur Vetthierung führe, wahr zu machen, indem ruan den Racen- und Elassenhaß an die Stelle der allgemeinen Menschenliebe setzt? Ist es nicht Gift, wenn man die Herzen verroht, indem man die -arten Empfindungen der Dankbarkeit und Pietät absrumpft, dagegen Schadenfreude und grausames Wohlgefallen au den Leiden der Mitmenschen zu wecken sucht? .... Berlegenheitspolitik, Charakterschwäche und das bei ängstlichen Gemüthern begreifliche Widerstrebe» sich, mit einer Partei in Conflict zu bringen, bei welcher grobe Uugezogenheit die Lücken deS Verstandes, kecke Phrasenhafligkeit den Mangel an positivem Wissen und brutale Rücksichtslofi keit die entsetzliche Armuth an Herzensbildung verdecken soll, haben .es verschuldet, daß der Antisemitismus daS öffentliche Anstandsgefühl noch immer verletzen, die Bevölkerung :. noch immer ungestraft beunruhigen ' darf. Aber politische Parteien nehmen es in der Noth mit ihren Bundesgenossen zuweilen ebensowenig genau, als herabgekommene Cavaliere, welche mit Leuten warme Händedrücke wechseln und sie als „mein lieber Freund* vorstcllen, mit welchen zu verkehren sie in ihren guten Tagen wahrscheinlich selbst, ihren Lakaien untersagt haben würden. Und warum soll man einem Fähnlein, welches sich der schwachen und vor jeder größeren Action um die Existenz bangenden Hauptarmee freiwillig zur Verfügung stellt, geradezu, vor den Kopf stoßen, weil es die Passion hat, mit Wallcnstein'S Reitern, zu gelegener Zeit und Weile seine Privatgeschäfte „bei reichen Pächtern* zu besorgen? Warum soll man in Wien, Berlin und anderwärts die freiwillig dargebotencn Stimmen der Antisemiten nicht mituchmen, weil diese Herren nun einmal „die Schrulle haben, immer über die Juden zu schimpfen?* Andere Stimmen kosten ja viel mehr, als das bischen Eonnivenz, womit sich die Antisemiten genüge« lassen. Während also die Einen dem Antisemitismus um seiner „nützlichen Freundschaft* willen Duldung gewähren, gehen die Anderen demselben aus Scheu vor seinen Kampfmitteln möglichst aus dem Wege. Denn dieselben Waffen, deren sich die Antisemiten im Kampfe gegen die Juden bedienen, wenden sie imlner sofort auch gegen diejenigen an, welche sich weigern, ihnen Gefolgschaft zu leisten, oder gar eS wagen, ihnen entgegenzutteten und sich der verfolgten Juden anzunehmen. Im angeblichen Kampfe für die Sittlichkeit und gegen die Eorruptiou wird gelogen, daß die Wände, welche von den gesprochenen Lügen widerhallen, und das Papier, auf welchem sie gedruckt zu lesen sind, schamroth werden möchten. Historisch docnmentirte oder der Gegenwatt angehöttge Thatfachen werden entstellt und mit staunenSwetther Vittuosität in ihr Gegentheil verkehrt. Den Handlungen der Gegner werden die unehrenhaftesten Motive unterschoben und in unerschöpflichen Fluthea

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