Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 81 (20.10.1887)
- Date
- 1887-10-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1452 übernommen und sic auch sogleich baar bezahlt haben. Ter Kaimakam habe nur so gezeigt, da« er auch bei Humanitätsfragcn auf seinem engherzigen religiösen Standpunkte stehe und daher für gänzlich überflüssig halte, einem abgebrannten Stadttheile, in dem nur Moslims und Christen wohnen, eine Unterstützung zu gewähren. Er. habe somit , den deutlichsten Beweis geliefert, daß er noch tief unter seinen obengenannten Amtsdrndcrn stehe, denn diese haben nicht einen Augenblick gezögert, als kürzlich das hiesige Indenviertel Haskoi von einem Brand- Unglücke beimgesucht wurde, den armen Bcwohncnr daselbst ihre Unterstützung im reichsten Maße zukommen zu kaffen. ' Ta die Tagesblättcr hier einer strengen Censur unterstehen, (erscheinen doch immer um Mitternacht Beamte des Preßdurc-aus in den Redaktionen, um sich einen Abklatsch von dem nächsten Frühblatte vorlegcn zu laffcn, damit dasselbe ja nichts Beleidigendes gegen den Thron oder gegen eine Eoufeffion enthalte), so war man-.nicht wenig erstaunt über die kleine Moralpredigt, die der „Tank" unserem Rösch Beth-Tin hielt, und allgemein begann man schon denselben einer großen (Engherzigkeit zu zeihen. Indessen gibt es euch in unserer Gemeinde Biele, welche dem Prinzipe huldigen: crn» Vrer „höret euere Brüder an" und die nun vor Allem die Antwort drsKarmakam auf dieses gegen ihn geschlenderte Emrcfilct abwartcn wollten. Tie (Geduld derselben sollte anch nicht lange ans die Probe f.cstellt werden. Schon am nächsten Morgen kündigte nämlich der „Tarik" an, daß der .'ianuGfam seinen.(tapn-ttehaja (Kanzlcichcf, Sccretär) zu ihm geschickt und ihm habe mitthcilen laffcn, das; er für nicht weniger als 15,000 Piaster (aooo Mark» von den genannten Loosen übernommen und sie, theils für sich behalten, thcilS wieder an reiche Gcmcindeinitglicdcr vcrthcilt habe. Der Lrapu->rcbaja zeigte zugleich dem Rcdactcnr die daraus bezügliche Quittung vor. Unter solchen Umständen, erklärte mm der „Tank", bedauere er cs aufrichtig, dem Kaimakam na^.e getreten zu sein und nebme er daher die gegen denselben gcschleudcne Beschuldigung beschämt wieder zurück. Hoffentlich wird der „Tank" in Zukunft, bevor er wieder ein Hetzartikelchcn gegen die Juden schreibt, vorher auch sorgfältig Nachfrage halten, ob die Beschuldigungen, die er nun gegen dieselben produciren will, auch auf Wahrheit beruhen und nicht von bösen Zungen erfunden sind. Unser Rosch Bcth-Ti» steht heute wieder geachtet, nicht nur bei unseren Gcmcmdcmitglicdern, sondern auch bei allen Eonsessionen und Parteien hier da, mit einziger Ausnahme unserer Antisemiten, die gleichfalls dem (SxasMagt huldigen: Nützt nichts, der Jude muß geprügelt werden! . Fenillet»». Are verschwundene ßröschast. Lr« wn 8. . Gortfetzung.) „Das ist Alles?- erwiderte Dr. Marxheim. „Ich schwöre Ihnen bei Allem, waS heilig ist. Sie sollen ganz freie Hand haben, dm Haushalt so koscher cinznrichtm und so fromm zu leben, wie Sie nur wolle», ich werde Ihnen nie das Ärmste Hinderniß in de» Weg legen. Genügt Ihnen ba*r* „Nein!- antwortete sie. „Zwischen Maua und itrau muß die vollkommenste llcbcreinstimmung in ihren rctigiöf« Ausichtm und ihrem religiösen Thun und Laffcn herrschen, wenn die Ehe eine wahrhaft glückliche sein soll. Wenn die Ehe sein soll, was sic zu sein bestimmt ist, muß sie i». Innersten des Menschen ihren Grund und ihren Halt haben, sie darf darum des vollen Einklanges mit dem des Meirichen, der Religion, nicht entbehren, sonst ist sie nur ein Nebeneinander« hergchen, aber kern inniger Herzens- und Seelenbund.- -.- - „Sie würde» also verlangen, daß auch ich als strcngftomwrr Jude leben soll?- „Wenn cS ans Ucberzcugung und mit Ernst geschehen könmc und geschieht, ja; wenn als bloßes Eompromiß mit Kgcuscitigem Zkachgebcn, nein, denn das ist ohne Wcrch.- „Sie fordern mehr, als ich versprechen kann, das ist streng und hart von Ihnen, Fräulein!* „Tanken 3k mir das, Herr Doctor! Ich bewahre Sie und rach dadurch vor einer unglücklichen Ehe.- Tr. Marrhei» ging noch eine kleine Strecke schwcigmd au üsser Seüe einher, dann cnipsahl er sich unter dem Lsrgcdm, daß er noch einige Patienten zu besuch« habe. Er sah sehr niedergeschlagen aus. Die Absage schmerzte ihn tief; den» er liebte Therese leidenschaftlich. Er schickte am andern Tage seine Schwester, die Frau Rüben, noch einmal za ihr, damit sie seinen Antrag erneuere und ihr Zurede; der Erfolg war aber kein besserer. Ihn Oheim hatte sich in dieser Angelegeuheit ihr geZmüber ganz rhcilnahmlos verhalten, war a&r dsch über ihr Zurückweism einer so günstig« und «rffäudigen Heirarhsgelegenheit sehr