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Der Israelit · 1887-10-20 · Heft 81 (20.10.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 81 (20.10.1887)
Date
1887-10-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1453 gegen sie erbittert. Er lebte zwar in seinem Hause noch strengreligiös, meinte aber doch, man dürfe es in der Jetztzeit in solcher Angelegenheit nicht so genau nehme», die Hauptsache sei die gute Der» sorgung, und zudem habe ihr ja der Doctor versprochen, daß sic de» Haushalt ganz nach Vorschrift soll eiurichten und fuhren und auch selbst ganz religiös soll leben dürfen. Als der Toctor wieder einmal im Rubcn'schcn Haufe über diese Angelegenheit sprach, sagte er zu Rüben: „Das Mädchen hat einen unbändigen Stolz, die will immer noch höher hinauf. Das ist das Ganze. Tie paßt schlecht zu einer Erzieherin. Tie setzt Deinen Töchtern gerade eine» solchen Hochmnth in den Kops, wie sie ihn selbst hat, und kann Deine Töchter eben so unglücklich machen, wie sie selbst durch ihren Hochmuth leicht noch werden kann.- Dieses Wort schlug bei Meier Rüben ein. Er stimmte ihm bei und klammerte sich fest an dasielbe. Leine verstorbene Frau hatte ihn» kurz vor ihrem Tode mitgctheilt, was Therese ihr versprochen hatte, und er hatte ihr in die Hand versprechen müssen, Therese so lange zu behalten, als cs für die Kinder nothig und nützlich sein könne. Röthig sei sie nicht mehr, dachte er, denn die beiden ältesten blinder seien bereits aus den Schuljahren heraus und die beiden, nudern-gchen in die Schule und brauchen keinen besonderen Unterricht. Nachhilfe können ihnen Karolilie und Aaron auch leisten. Und nützlich sei sic gewiß nicht, sondern schädlich für die Kinder, das hat ja der Toctor gesagt, und der versteht cs gewiß. So legte er sich die Sache zurecht. Er hatte nun freie Hand, Therese fortzm'chickeu und kündigte ihr au demselben Tage noch. Therese nahm die Kündigung gleichmüthkg auf und war froh, aus ihrer, sich immer unerquicklicher ge staltenden Lage herauszukommen. Zn dem „Israelitbefand sich eben eine Annonce^ durch welche in eine strcngrcligiöse Familie in der Großstadt N. eine jüdische Lehrerin gesucht wurde. Therese wandte sich unter Beilegung ihrer Prüfungs- und Führungszeugnisse mit einem Meldegefuch dorthin und erhielt schon nach einigen Tagen die Aufforderung, sich persönlich vorzustcllen. Zehn Thaler zur Deckung der Reisekosten waren beigclegt. Sie reiste hin und erhielt die Stelle unter sehr günstigen Bedingungen. Acht Tage später trat sie bereits die neue Stelle au. Das Scheiden aus dein Hause ihres Lhcims, namentlich von den Kindern, wurde ihr doch sehr schwer. Es wurden reichliche Thränen vergossen. Die Kinder gcbcrdeteu sich ganz trostlos. so daß selbst Meier Rüben, der doch ans feuerfestem Stoffe bestand, sich der Thränen nicht enthalten konnte. Er hatte Therese einige Tage vorher das fünfjöhnge Gehalt ausgezahlt, dieses aber so kärglich als möglich bemessen und sich so für Alles, was er sonst für sie gethan hatte, schadlos zu halten gesucht. Therese hatte das Geld ohne alle Bemerkung an sich genommen. Jetzt, bei dem überaus thräncnrekchen Abschiede, von dem auch er sich, vielleicht zu seiner eigenen Verwunderung, ergriffen fühlte, schien ihn doch einige Reue über seine Schäbigkeit gegen das verwaiste einzige Kind seines Bruders zu überkommen; er steckte ihr deshalb beim Abschiede noch einen — Zrhnthalerschein in die Hand. Auf ihr Bitten gestattete er ihr auch, daß die bessern Sachen aus der Hinterlassenschaft ihrer Eltern in dem Zimmer, welches denselben seiner Zeit in dem Rubcn'schcn Hause cingeräumt worden war, verbleiben dürften, bis sie einmal weitere Berfügung über den Verbleib derselben treffen würde. Die von ihrem Vater kurz vor seinem Tode ihrer Lbhut so sehr empfohlene Kiste nahor sie mit an den neuen Bestimmnngsort. XU. Therese hatte alle Ursache, mit ihrem Stellentausche zufrieden zu sein. Sie war in eine sehr brave und gebildete Familie gekommen, von welcher sie bei ihrem Einttitte überaus freundlich und zuvorkommend ausgenommen worden war. Die zwei jüngsten Kinder des Hauses, liebenswürdige Mädchen im Alter von zehn und acht Jahren, wurden ihrer Erziehung und ihrem Unterrichte übergeben. Ihre glänzende» Zeugnisse, ihre nicht minder glänzenden persönlichen Eigenschaften und, was noch besonders ausschlaggebend war, ihre Herkunft von so hochgeachteten und fronnncn Eltern, deren Ramcn, besonders der ihres gelehrten Vaters, in den meisten israelitischen Gemeinden Deutschlands noch unvergessen und vom besten.Klange war, hatten ihr gleich von vornherein eine Stellung im Hause verschafft, die ihr bald dabeglückende Gefühl der vollste» Familicnzugehörigkeit gewährte. Die beiden ältesten Töchter des HauseS, zwei sehr schöne und gebildete Mädchen, im Alter von achtzehn und sechSzchn Jahren, schloffen sich ihr freudig an und standen nach kurzer Zeit schon im innigsten Frenndschaftsdunde mit ihr. Sic wurde von ihnen den gesellschaftlichen Kreisen derselben zugcführt und von diesen als ein sehr lieber Zuwachs der Gesellschaft betrachte! und behandelt. Im Hause selbst durfte sie bei keiner Gesellschaft und bei keiner Famllienfestlichkeit fehlen. Sir wußte es stets einzurichten, daß ihre gesellschaftlichen Pflichten mit ihren Pflich-

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