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Der Israelit · 1887-10-20 · Heft 81 (20.10.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 81 (20.10.1887)
Date
1887-10-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1450 t:m Matze für das Eigenthum der Juden und der übrigen Kojeteiner Bürger, und es ist lediglich der unermüdlichen Thätigkeit der staatlichen Organe zu verdanken, daß größerem Unglücke und Gewaltthäligkeitcn Einhalt gcthau wurde. Am 24. April 1887 Abends entfernte sich die ledige Tochter des Philipp Krybus auS dem Elternhaufe; als diese nun die Stacht über nicht heimgckehrt war, wurde gleich Tags darauf nach derselben geforscht. Trotz der ausgcbreiteten Nachforschungen, an denen sich von Tag zu Tag immer weitere Kreise des Kojetcincr BolkcS, vornehmlich aber die unteren Elaflcn bethciligtcn, konnten deren Spuren nicht entdeckt werden. Da begann unter dem Volke die Meinung aufzutauchen, daß Mülie Krybus wahrscheinlich ermordet wurde, und alsbald begann das Volk nach dem Thäicr zu rarbcn. Unter dem Volke wurde dos Gerücht ausgcsprengtz daß Marie Krybus dem vermeintlichen jüdischen Ritus, nämlich Ehristenblut zur Herstellung des Ostcrbrodcs auszusaugen, zum Opfer gefallen sei. Dieses Gerücht trugen die Angeklagten auf solch böswillige Art in die erregte Menge, daß cs unmöglich war. die unwahren Nachrichten im Volke selbst dann zu entkräften, als der Leichnam, der Marie 'Krybus am 4. Mai 1887 in der March bei Vezmcran oufgcfundcn, am 5. Mai gerichtlich obducirt und hiebei auf das bestimmteste constatirt wurde, daß Marie Krybus als mit einem geistigen Gebrechen behaftet, fei es nun zufällig, sei es in' selbstmörderischer Absicht in die March gefallen und ertrunken sei. ohne daß dabei irgend eine dritte Person mitschuldig gewesen wäre. Ter Anklage ist weiter zu entnehmen, daß-die. Angeklagten sich durch allerlei erfundene Geschichten bemühen. die Schuld an dem Verschwinden der Marie Krybus den Juden zuzuschiebcn. So erzählte der Angeklagte Mathias Zapletal, bereits wiederholt abgcsrrast, einige Tage nachdem die Krybus verschwunden war, daß zwei Juden am. 24. April ' 1887 rin Mädchen in die Schule geschleppt und.' dort cingcspcrrt hätten. Als er an der'Schule, voriidcrg'gangen fei, habe er die Krybus weh-, klagen gehört. Diese erlogene Angabe wiederholte Zaplctal vor . den Gendarmen, bei denen er den Kojeteiner Leopold Wcißkvpf verdächtigte. Er fügte Hinz», daß er selbst ein Werkzeug gesehen habe, womit die Juden das Ehristcnblut auszupumven pflegen, Zaplctal behauptete selbst vor dem Untersuchungsrichter, daß seine Angaben wahr seien. Die Angeklagten Apollonia Kouril, AnnaKalupka, Marie Kocian und Josephme Pospischil wurden sogar darüber eivkg, daß sie durch Lese» im „Heiligen Johanneserfahr« würden, wo sich dir Krybus befinde; sie fanden auch .nach den Bewegungen des Buches" heraus, daß die Krybus bei den Juden gesucht werden muffe; die Kouril erklärte, daß die Krybus bei Leopold Weißkopf erschlage» wurde und daß die Lerche des Mädcheus sich unterhalb deS Tempels befinde. Der Angeklagte Berau erzählte, daß er die Leiche der Krybus gesehen habe. Tiefe Erzählungen erregten die Menge, vnd am ». Mai rottete sich eine Anzahl von Personen inder Judengaffe zusammen; dieselben schlugen die Fensterscheiben ein, verlangten von den Juden, daß sie die KrybuS auslkcferu mögen, und rief«: „2« Inden bauen! Hurrah, auf gegen sie!" rc. Am 7. Mai wiederholten sich pie Ercesje; es erschien eine Menge bewaffneter Männer, aus Polkoroiy und jlhricic, welche die Juden gleichfalls bedrohten und deren Fenster einschlugeu. Rumänien. Jassy, 10. Oktober. Man schreibt der .Neuen Fr. Presse: Vergangene Woche trafen hier fünf englische Richter aus London ein. um in einem schwebenden großen Erbschaftsprozene mehrere hier lebende Zeugen einzuvernchmen. Zu diesem Behufe hielt sich dieses Rkcktcr-Eollegium auch in Paris und mehreren Städten Deutschlands auf. Wie seltsam diese Thatsache an sich schon ist, so hat doch diese Geschichte des Prozesses selbst noch weit interessantere Momente amzuweisen. Es war nämlich im Jahre 1861, als der Jude Jonas Goldenberg von Jassy auswanderte. Er durchstreifte zuerst Oesterreich und Deutschland, ohne aber sein Glück in einem dieser Länder zu finden. Offenbar von unternehmender Ranrr, faßte er den Entschluß, die Reise in das ferne Birma (britisches Hinter-Jndien) anzutrcten, wo es im gelang, beim dortigen Grotzve- ' zier in Dienst zu treten. In kurzer Zeit wußte er sich durch seine Geschicklichkeit und Gewandtheit die .Gunst des Herrschers zu erwerben, der ihm hohe Aemrer anvertraute. Goldenberg erhielt den Titel eines Gouverneurs, der ihn zum Besitzer vieler Millionen machte. Sich so reich wissend, erwachte in ihm eines Tages das Gefühl der Sehnsucht nach seiner Heinrach und dem Geburtsorte Jassy. Er unternahm die Hcünreise über London, Paris, Wien und Pest, lernte aber in letzterer Stadt auf einem Balle eine junge Wittwe kennen, mit der it rm näheres Verhältnis »»knüpfte und sich schließlich vermählte. Rach zwei Monden ehelichen Lebeus verließ die junge Frau ihren Gemahl, welches Ercrgniß in Letzterem den ursprünglichen Reiseplaa änderte:

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