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Der Israelit · 1887-10-17 · Heft 80 (17.10.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 80 (17.10.1887)
Date
1887-10-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1440 Meister ein weiter Mantel ist, in welchem man gut Eomödic spielen kann. Mir ist es, seil ich ein öffentliches Amt bekleide, also seit nahe dreißig Jahren — meine Freunde sind mir deß Zeugen — nicht blos Bcdürfniß, sondern zwingende Psticht und heiliger Beruf, Len Religioushaß und den Racenhaß, wo er mir immer begegnen »rag. zu bekämpfe», und es bedarf sonach keiner Rechtfertigung, wenn ich auch heule vor einer Gcistesverirrung warne, welche, gleichviel ob sie sich als Racenhaß oder Religionshaß äußert, die christliche Kirche verunreinigt, alle edleren Gefühle zerfetzt, die Gemüther beunruhigt, die Herzen vergiftet, den Frieden zerstört und die Verfolger ebenso unglücklich macht, al? die Verfolgten. Reben der moralischen Beipflichtung glaube ich auch die formale Berechtigung zu besitzen, über den Antisemitismus mich öffentlich auSzusprcchen. Ich hatte von Jugend auf reichlich Gelegenheit, die Juden auf allen Kulturstufen, ans welchen sie nyskommen, zu beobachten, schlechte und gute, bornirtc Ehassidim und geistvolle Gelehrte, trotzige Lclaven und Helden jäh' die Freiheit, gemeine Wucherer und Wohlthäter der Menschheit. Ich weiß ihre Fehler und ich kenne ihre Tugenden. Ich kenne ihr musterhaftes Familienleben, den. aufopferungsvollen Sinn der Eltern gegen ihre Kinder und die dankbare Pietät der Kinder gegen ihre Eltern, lliib nirgends in der Welt habe ich eine gleiche Opferfteudigkeil für humanitäre Zwecke und für die Interessen der allgemeinen Volksbildung gefunden. Ich rede auch in dieser Beziehung nicht blos vom Hörensagen. Als in Biclitz zu Ende der Fünfziger Jahre die Errichtung einer Realschule sich als Bcdürfniß herausgcstclll hatte und der Aufwand für eine solche von der evangelischen Gcmeide allein nicht bewältigt werden konnte, da fanden sich die Juden mit Freuden bereit, einen aliquoten Thcil der Kosten zu übernehmen; die evangelischen Gemeinden von Bielitz und Biala und die israelitische Eultusgcmeinde in Vielitz vereinigten sich zu einer llicalscbulgemcinde und die Schule trat in'« Leben. Im Jahre imü7 wurde die evangelische Lehrerbildungsanstalt in Bieliy in einem Gebäude eröffnet, welches der Stadt zur Zierde, aber auch zur Ehre gereicht, denn es ist zu einem großen Theile aus freiwillig dargedrachten Liebesgaben errichtet, unter deren Spenden die Inden keine geringe Anzahl bildeten. Wenige Jahre darnach (IStfö) ergab sich ebenfalls in Bielie die Rothwendigkcit, ein Alumnenm für arme Lehramtscandidaten zu erbauen. Was hauen die Rothschild, Königswartcr, TodcSco. Wi.ner, Springer, Goldschmidt, Ephrufsi für ein Interesse, eine Verpfleg«- und Vcrköstigungsanstalt für arme Lchramlscandidatcn m einer kleineu Provinzsladt errichten zu helfend Aber es war ein humanitäres Unternehmen und hierin lag für sie Veranlassung und Rechtfertigung genug für ihre namhaften Opfer ...... Ter Antisemitismus bemüht sich, erue.Judenfrage" zu schaffen und ich hatte ursprünglich die Absicht, auch diesen Gegenstand ausführlicher zu erörtern. Ties ist aber im Grunde gar nicht nothwcndig. Ja einem Rechrsftaale kann es keine Juden« frage geben, am allerwenigsten in dem Sinne, als ob dar Ausmaß der bürgerlichen Rechte, welche den jüdischen Staatsbürgern znkommen. «st noch fcstzufetzeu wäre. Sie haben als Staatsbürger, unter Berufung auf die Grundsätze unserer Reichsgesetzgebung vielmehr ein Recht zu fordern, daß solche Beschränkungen, welche beispielsweise rücksichtlich der Zulassung der Juden zu den öffentlichen Aemteru zwar durch das Gesetz ausgeschlossen, aber durch das Vorurrdei! sancrionirr und thatsächkich m lkebuna sind, endlich fallen gelassen werde». Mögen doch den Bürgern der Gegenwart die Forderungen der Zeit endlich zum Bewußtsein kommen .und'mögen auch diese Blätter dazu beitragen, die Ueberzengung zu verallgemeinern, daß ein gesundes und erleuchtetes Geschlecht nicht dulde» darf, daß die Bacillen de« Antisemitismus an feinem Herzen und an feiner Ehre nagen. (Fortsetzung f.) Zeitungsnachrichten und <^orrcspoudeuzea Rumänien. l)r. C. Bukarest, 7. Oktober. Von einer längeren Abwesenheit zurückgekchrt, kann ich erst heute meine regelmäßigen Berichte wieder ausnehnren. und ich will hicrnlir einiges vorläufig Gesammelte mittheilen. In Pomarla, Distrikt Torohoj, ist ein Bauer Namens Bisuk gestorben. In Folgt von kursircndcn, darauf bezüglichen Gerüchten, wurde der L^'chnam von dem TistriktSarzt Dr. Kerobad (Eh 'r' t'nrcrsuchr uud die Todesursache als natürlich erklärt. Zufällig aber ist der Pächter des Gutes der (nawralisirte) Jude Motje (MordcLaft Fischer und zu seinem Unglück ist der berüchtigte antisemitische „Senator Eduard Gberghel im Torohcjer Bezirke allmächtig. Ter Zusammerchaug dieser nicht ganz naheliegenden uwstäudr ist bald hergcstcllt, wenn ich Ihnen sagen werde, daß dem Gherghcl der Tod des Bisuk ganz gelegt» kam; denu indem er schwere Malträrirungeu durch de»

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