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Der Israelit · 1887-10-17 · Heft 80 (17.10.1887) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 80 (17.10.1887)
Date
1887-10-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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SXVIll. Jahrgang. Keilage zu Kr. 80 -es Israelit. Leitend rtifrL Antisemitismus*). Kint» Cludien non Tr. Theodor H«ase, evangelischer Luxerinreudenl von Schlesien und Rrichsraihs-Abgeordnerer. I. Tic antisemitischen Wahlschlachten in Ungarn, die Brandruinen von Duna-Lzerdahcly, die Judenhcscn im nördlichen Mähren, der jüngste Judenlrawall in Krakau, die studentischen Raufereien in Graz sind ernste Wahrzeichen der Gegenwart. Sie zcigen deutlich, wohin der Antisemitismus will,wohin er mindestens führt. Roch tritt nur erst an einzelnen Orten. bald da, bald dort, daS Verderben auf, aber die Gefahr ist eine allgemeine. Ter Staat, die Gesellschafr, die besitzenden blaffen ohne Unterschied der ÄarionaUrZr ur:d Konfession, alle Staatsbürger, welchen daran liegt, dast dir öffentliche Ordnung erhalten werde und das Gemeinwesen sich in Frieden entwickele, haben ein Interesse daran, dast dem Treiben einer Parthei, welche die öffentliche Moral auf der: Kopf stellt und welche ihre Ziele ohne den , Umsturz der zu Recht bestehenden Gesetzgebung und der staatlichen Organisation nicht erreichen vermag, eine Grenze gesetzt werde. Ten Antisemitismus gewähren lasten, heißt ruhig mit zuschen, wie auf öffentlichen Plätzen und inmitten bewohnter Stadtrbeile mit Tnnamitparroncn Fangball gespielt wird. Ter Arm des Staates erstreckt sich nicht auf das Gefühlsleben feiner Bürger und cs muß jeder Ltaalsrcgierung vollständig gleichgültig sein, ob | Fernand die Juden lieben oder Hanen will. Aber i es darf ihr nicht gleichgilrig fein, daß sich ein binj Ztlurr oder eine Gesellschaft darauf verlegt, Lehren, § Anschauungen und Grundsätze zu verbreiten, welche | ihren Eouscquenzcu zur Plünderung, zum Raube. | >u Mord und Todschlag führen. Ter Polenkönig; Ltcvhan (1570) wollte diejenigen, welche den Juden I vorwarfcn, bei ihrem Gottesdienst Ehnstcublut zu I kcbrauchen, strenge bcstartt wissen und wer »ans | dieser Ursache eine Haupränklage gegen einen Jur den vorbnngcn würde,- der sollte, »weil das Ur- , rache großer Bewirrungen ist,- gehängt werden. I Hiebei leitete ihn also nicht blos das Mitleid , ÄuS einer demnach» erscheinenden Schrift har derdernhnire ^nnsier der ^^eüer. Wochenschrift" einige Auebänge-Logen Nnrnriich» zur Beringung genellr. L?ir rrproduciren die geiü- «--r ^intrirung und einige Lherlr denenNchen LchluxcapürlS. welches er mit den gequälten Juden empfand, sondern mehr noch. das StaatSintereffe. Ebenso tritt in unseren Tagen der ungarische ÜntcrrichtSminister Herr August von Trefort dem Antisemitismus nicht blor deshalb entgegen, weil er »antichristlich, also auch antikatholisch" ist, sondern, ein hellblickcnder Staatsmann, vcrurthcilt er denselben als eine Gefahr für den Staat und die Gesellschaft. »Diese Bewegung," sagt er in dem offenen Schreiben, welches er nach feiner Wahl in der inner» Stadt Pest an feine Wähler gerichtet hat, ist, »anti-social, das heißt communistifch und ist gegen das jüdische Eigenlhnm gerichtet. Wenn aber in gewissen Elementen der Appetit auf jüdisches Ergenthnm erweckt ist. wird cs denselben auch nach dem Eigenthum des katholischen Bischofs und des katholischen Grafen gelüsten." Einer solchen Bewegung sich entgcgenzustcmmen, kann aber nicht blos als die Aufgabe derjenigen betrachtet werden, welche zur Leitung der obersten StaatSäuitcr berufen sind, sondern die Gesellschaft selbst muß sich gegen diejenigen schützen, welche ihre Fundamente unterwühlcn, ihre Rechtspseiler erschüttern, ihre Existenz gefährden, der Anarchie in die Hände arbeiten. Als Mitglied der Gesellschaft nehme auch ich dieses Mandat für mich in Anspruch. Ebenso bin ich als Diener der Kirche außer Stande, mich mit dem Antisemitismus irgendwie auseinander zn setzen. Derselbe ist entweder der Religion feindlich gesinnt, oder er heuchelt einen Glauben, der ihm fremd ist, und religiöse Gefühle, deren Gegcnthcil er bcthätigt. Ich kann nicht sagen, welches von beiden mir in der Seele mehr zuwider ist. Jene aufgeblasenen Froschnaturcn, deren Gesichtskreis nicht weiter reicht, als ihre Pfütze und welche sich vermessen, den lieben Gott, weil er nicht mit ihnen im schmutzigen Tümpel baden will, von seiner Wcltrcgierung hcruntcrqnakcn zu können, sind um nichts besser und um nichts schlechter, als die leberkranken Heiligen, welche, während sie in der Kirche die schwarze Galle ihres Hasses über die StammeSgcnosscn des Stifters der isr. Religion ausschSrren. auch noch die Frechheit haben, sich mit ihrer lackirrcn Frömmigkeit au denjenigen zu reiben und sie über das Wesen dcS Ehristenrhums belehren zu wollen, für welche der Glaube das höchste Gut und die Liebe ein heiliges Feuer vom Himmel, nicht aber blos, wie für die christlich-socialen Lehr-

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