Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 80 (17.10.1887)
- Date
- 1887-10-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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israelitische» Pächter unterschob, hatte er die schönste itzclegenhcit seinen „Patriotismus" ins rechte Licht :u sexen und zugleich mit dem Lärm — ein „Geschäft" zu machen durch Erpressung bei dem Juden Mischer. So kam es denn auch, daß obwohl der cnau«lirende Staatsanwalt in Gegenwart von mi Leuten dem Lrtsvorstchcr erklärte, daß der Bisul beerdigt werden könne, da der Arzt Zeichen eines unnatürlichen Todes nicht gefunden, — daß &crr Gbcrghcl hinterher mit seinem Helfershelfer, dem Präfekten von Dorohoj, bortazzr, den Primär (Lorstchcr) snspendirte, die Beerdigung indidinc und erst nach drei Tagen eine neue ärztliche iTicuetc brachte. Diesmal „konstatirtc" der Dcr-!76utc des Eortazzi, ein Dr. MihaileScu, drei Rippendrüchc als Todesursache, und natürlich muß denn gerade Mischer der Urheber sein. Die Assaire befindet sich vorläufig in Untersuchung, cs gibt aber sicher ein schönes Bild rumänischer Zustände, wenn ein Privatmann ein offizielles Gutachten und den Befehl eines Staatsanwaltes umstoßen kann, um cllerdinas mit Hilfe einer anderen Amtsperson feine Erpressung durchzuführen. — Ter „Lupla" zufolge seien seit dem I. April bis t. August n. st. allein s u s Jassy 200 Israeliten ansgcwandcrt und diejenigen, die sich schon in Amerika befinden, träfen Äustültcn, daß ihnen andere ans Rumänien folgen sollen. Taß man auch von all'cn anderen Städten 'er: und fort wandert, ist auch mir bekannt. Und bei solchen Thatsachen hat „Tclcgraful" noch die Trenligkeit zu behaupten, daß die Juden das Land täglich überschwemmen" und deren. Austreibung vj. fordern. Tas antisemitische Ncgierungsdlalt wird ':Ä in dem Zeitwort gcirn haben: die Juden komn:rn nicht, sondern sie gehen; man braucht sie nicht cn: zu neiden, das Ihn» schon die bis jetzt seit!»79 gcschaffcnru „ökonomischen" Gesetze, die ihnen -rdcs Stückchen Brod vom Munde Wegnahmen. — Reglement für die Unterstützung „nationaler" 'Lriülicher) Industrie enthält ein paar für uns benrrkerisn'ctthe Paragraphen: „Artikel l. Tie schon ergründeten oder zu gründenden Jndustricunternchrnungcn „können" sich folgender Bortheile erfreuen: M. I. Sie werden in volles Ei ge nt hum oder m neunzigjährigen Besitz je nachdem der Fa- ^ritcigenthümer „Rumäne", oder Fremder ist, i— 5 Hcct. Land auf jedem Staats-Komnmnal- oder Krondomänencigenthum erhalten." ""n.\Abs. 4. Wenigstens fünf Jahre lang '"^scn die Fabrikarbeiter zu Zweidritttheil humanen" sein.Nach diesen zwei allem mag das rumänische Barcrland gan; -u.':g fein, daß eS zu Jndustricgründungen dort nicht weit kommen wird. Denn „rumänische" Unternchmungs-„Gcistce müssen erst selber erfunden werden und fremde werden sich wohl mit einem bloßen „Besitz" nicht begnügen, da er ihnen bei den herrschenden Rechtszuständen jederzeit streitig gemacht und durch Bexationen aller Art verbittert werden kann: von der in Rumänien mit Unverstand nnd Grausamkeit gehandhabten Zoll- und Steuerschraube gar nicht zu gedenken. Was aber die Arbeiter anbctrifft, die just in den ersten fünf Jahren „Rumänen" sein müssen, so stelle ich ein großes Fragezeichen dazu, ob cs den Unternehmern gelingen wird, die bedingten Zweidrittel unter Christen, wollte sagen „Rumänen" aufzutreibcn. Ohne Erfüllung dieser Bedingung aber wird der gesetzmäßige „Lortheil" nicht gewährt, welcher, wie ich die Landcsvcrhältniffe kenne, mit einer cvcnt. nöthigen „Konzessionserthcilung" identisch ist, die dann natürlich versagt wird. Und haben sich die zwei- (warum nicht bescheiden ein-?) Drittel gefunden, so kann man sich Voraussagen. daß ein so fauler Mensch wie der Rumäne in seinem ganzen Begriff nur noch unter den italienischen Lazzaroni oder den spanischen Ladro's zu suchen ist, die wenigstens anstellig sind, während der Rumäne auch dies nicht ist. Aus diesen Gründen eben kann in Rumänien eine Fabrik, wenn gegründet, gar nicht fortcxistiren, wie wir cs in den letzten 20 Jahren, wo es au Versuchen nicht fehlte, erfahren haben. Daß aber die fremden Unternehmer in Rumänien Industrie gründen und die Rumänen „anlernen" sollen, um dann auch gehen zu müssen, wie man es den Israeliten in Bezug auf denHan del macht, dazu wird sich hoffentlich kein Fremder verstehen. — Rußland. 5ricw. Ter Metropolitan Platon dahier, einer der besten Freunde der Juden in Rußland, feierte am 20. Scpt. den 60. Jahrestag seines pricsterlichen Amtes. Am zweiten Rcujahrstage wurde in allen Synagogen besondere Gebete für dös Wohlergehen dieses Priesters verrichtet. T ü r 1 e i. Konstautinopcl, 22. September. In Bezug auf Ihre vor einigen Tagen veröffentlichte Madrider Eorrespondcnz kann ich Ihnen nun heute melden, daß der erwähnte literarische Abgesandte des Sultans schon nach Spanien abgcrcist ist. Es ist dies der als Poet und Geschichtsforscher zugleich berühmte Scheik Mchcmet Ehigiti Effcndi, dem als Gehilfe der gcfcicnc Kenner der waghrabiuischen Literatur Ali Essend: aus Tunis an dir Sette ge-