Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-10-17 · Heft 80 (17.10.1887) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 80 (17.10.1887)
Date
1887-10-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449774--27330-2517230
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1438 mit gravitätischem Schritte neben seiner Frau her und schien vou. der ganze» ihn umgebenden Frühlingkpracht nur da» Fine zu sehen, was er seiner Frau mittheilte, daß nämlich die Wiesen sehr vielversprechend aussehen, eS daher vermuthlich diel Heu geben und die Diehpreise dadurch iu die Höhe Sehen werden. Seine Frau nickte zustimmend. Da hlob sich plötzlich» von einem Seitenwege kommend» Dr. Marxheim der Gesellschaft an. Gr war schnell au Theresen- Seite. Frau Rüben hatte die Kinder zu sich herangewinkt und znrückgehalten, so daß der Dr. und Therese der Gesellschaft um einige Schritte vorauSgingen. ES schien zwischen dem Dr. und seiner Schwester eine vorherige Verabredung stattgesunden zu haben. Tr. Marxhcim brachte da» Gespräch in seiner originellen Weise bald auf seine Herzensangelegenheit. Er fing an von Einigen gelungenen Kuren zu sprechen, die er in jüngster Zeit ausgeführt habe. Dann sagte er: „Wissen Sie, Fräulei»! eine Kur möchte ich gern hier, machen, und dazu können Sie mir behilflich fein.* „Ich?" fragte Therese verwundert. „Ich verstehe nicht, was Eie damit sagen wollen.* „Ich möchte ein schönes Mädchen von der Ehelosigkeit kuriren!* „Seit wann ist die Ehelosigkeit eine Krankheit?" fragte Therese lachend. „Seit wann? Don jeher ist sie das." „DaS ist mir neu!" entgcgnete Jene wieder. „Steht doch in der Dibelr!" rief der Doktor: „ES ist nicht gut, daß der Mensch allein sei?" Also, wenn eS nicht gut ist, mutz es doch wohl schlimm sein, und wenn es schlimm ist, darf man eS Krankheit neunen.* „Eie interpretiren wie ein Arzt", sagte Therese lachend. „Die Aerzte sind oft geneigt, Krankheiten zu erfinde». wen» eS gerade kekne gibt. Merkwürdig ist mir nur, daß Eie Ihre» Beweis, der übrigens nichts beweist, auS der Bibel hole», der sie doch sonst nicht viel Gütigkeit zusprechen." „In der That,* sagte er, „ich halte nicht viel von diesem Buche; aber dieser Ausspruch gefällt mir, well er ganz wahr und richtig ist.* Therese schwieg still. „Run, Sie schweige». Wie meinen Sie?" hob er endlich wieder an. „WaS denn?" fragte Therese zurück. »Ln Bettest der Krankheit," antwortete er. „Aber ich sehe, ich muß deutlicher sprechen. Sie scheinen mich nicht zu verstehen, oder bester gesagt, mich nicht verstehen zu wollen. Ich habe den sehnlichsten Wunsch, diese Kur mit Ihnen vornehmen zu dürfen." „Ich mutz danken. Ich fühle mich. Gott sei Dank! kerngesund, Herr Doctor! und bin daher nicht im Mindesten geneigt, mich einer ärztlichen Behandlung zu unterwerfen." „Soll ich mir daS iu gutes Deutsch übersetzen, Fräulein?" „Bedarf es denn einer solchen, Herr Toctor?" „Sie haben Recht, e8 bedarf einer solchen nicht. Sie haben deutlich gesprochen. Der Sin» Ihrer Worte ist: Sie weise» meine Bewerbung ab." Therese antwortete nicht. DaS Gesicht dcS Dr. Marxheim verzog sich schmerzlich. Er ging noch eine Weile stillschweigend neben ihr her, dann sagte er mit gedrückter Stimme: „Warum weisen Sie mich zurück, Fräulein Rüben? Ich liebe Sie aufrichtig. Gefalle ich Ihnen nicht?" „Sehr gut sogar.!" antworte sie. „Und doch? Warum?V „Unsere religiöse» Anschauungen gehen zu weit auseinander. (Fortsetzung folgt.) .Der ALraelit* erscheint wöchentlich Zweimal» Montag-und Donnerstag-, jrdrSmal in mindrllen» - Sogen. BreiS de» Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich lt RrichS-Mark, für'S fiuSIanb 18 ReichS-Mark. Man abvnnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Suchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — parch de» Lachhandel |« drrtetzra bei <. /. -Irln ackrr. Leipzig. Poßplah 16. — Jnsrrate rs Pfennige dir drrigrspaltene Petitzrile »brr der» -kaum. — Orsterreichische Banknoten laut vour«. — Direkte Frankozusendung unter Etrrifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich!4 ReichS-Mark oder 8 (L äftrrr., für’* Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition fraur» rinjusrnde». Inhalt (Haoprblatt): Ltitender Artikel: Rur die Wahrheit har dauernden Erfolg. — LeitungSnachrichre» und Eor» respondenjen: Deutschland: Würzburg. Berlin. Frankfurt a. M. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Lien. — FanLetan: Die verschwundene Erbschaft. — Inhalt bet Beilage: Leitender Artikel: Antisemitismus. — ZeiwngSnachrichren und Corrrspondenzrn: Rumänien: Bukarest. —. Rußland: Kiew. — Türkei: Konstantiaopa. — Inhalt bet Egttit-BeUage: Spenden-Lerzeichnijse. * Lerautwonliche Rrdactisn: Dr. Lehmann in Mainz. — Expedition deS .JSraelit" gr. Bleiche Id. Druck und Leüag von OScar Lehman» in Mtüng. (Hierzu zwei Beilage».)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.