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Der Israelit · 1887-10-17 · Heft 80 (17.10.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 80 (17.10.1887)
Date
1887-10-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Da trat plötzlich rin neuer Acteur in die Scene, welchem auch eine Rolle Zufällen zu sollen schien. Frau Rüben hatte einen Bruder, welcher Medicin ftudirte und vor zehn Jahren nach vollendeten UnittrsitatSstudien und nach glücklich bestandenen Exa» utinn nach Amerika ausgewandert war und sich dort als Arzt niedergelassen hatte. Er soll dort eine sehr glückliche Praxis gehabt und es zu bedeutendem Vermögen gebracht haben. waS auch schon aus den ansehnlichen Geldsendungen hervorging, die er alljährlich seinen vermögenlosen Eltern von dort aus als Uuterftügung zugehen ließ. Las Leben in Amerika mochte ihm indessen, trotz seiner glücklichen Erfolge, für die Dauer nicht behagt haben, oder war eS die Liebe zur Heimaih, welche idn zurücksührte; genug: er war vor Kurzem plötzlich aus Amerika zuruckgekommcn und hatte sich in M. als praktischer Arzt niedergelassen. Er war ein hochgewachsener, schöner Mann von 34 Jahren, Lessen äußere Erscheinung einen sehr guten, fast impomrendcu Eindruck machte, welcher indessen durch seine rücksichtslosen Manieren und die Vernachlässigung der feineren, gesellschaftlichen Umgangsscrmen stark beeinträchtigt wurde. Man mußte sich an dieses barsche, eckige, aber stets gerade und offene Wesen des Mannes, welcher in allem Diesem dos Gepräge des amerikanischen Lebens noch an sich trug, erst gewöhnen, um ihn umgänglich zu sindeil. Hatte mau sich aber erst daran gewöhnt, dann fand, mau, daß er, trotz Allem, ein sehr angenehmer Gesellschafter war, der m der ihm cigenrhnmli.chcn, originellen Weise sehr interessant zu unterhalten, zu' erzählen und zu schildern wußte. Er war ein sehr tüchtiger Arzt und gelaugte bald ui M. und der ganzen Umgegend zu einer sehr bedeutenden Praxis. Er war noch unverheirathet und kam oft zu seinem Schwager Rüben. Als er dort Therese zum erstemnale erblickte, war er ganz verblüfft von der außerordentlichen Schönheit derselben. Da er sie als Kind schon gekannt hatte, so war rin Anknüpfungspunkt zur Unterhaltung leicht gefunden. -Seine Besuche bei seinem Schwager wurden immer häufiger, und immer wählte er zu diesen eine Zeit, in welcher er Therese im Wohnzimmer vermnthete oder ihr baldiges Erscheinen daselbst sich voraussehcü ließ. Ost suchte er sie auch im Garten auf, wenn er sie dort wußte. Es war bald den Bewohnern der Stadt M. kein Geheimniß mehr, daß es weder die brüderlichen, noch die schwagerlichen Gefühle waren, welche die Schritte, des ^amerikanischen Doktors", wie er allgemein genannt wurde, so oft nach dem Rubeu'scheu Hanse lenfte. Therese hatte Gefallen au sriucr Uuterhauung. Seine originelle und dabri sehr klare Entwickelung wissenschaftlicher Themate, so wie seine ebenso originelle» Erzählungen und Schilderungen aus Leben und Natur waren ihr sehr iutereffaut, und sie war daher sehr gern in seiner Gesellschaft. (§r mertte das und deutete eS zu seinen Gunsten, glaubte daher nicht audcrS, als das Herz Theresens sei in Liebe zu ihm entbrannt. Seine Unterhaltung war geistreich und interessant; das fesselte Therese und bot ihr zugleich eine sehr willkommene Ableitung aus der trüben Stimmung, welche ihre gegenwärtige Lage so oft in ihr hervorrief. Wetter ging ihr Interesse nicht. Dr. Marxheim, so hieß der Arzt, schien ein sehr braver Mensch zu sein; aber Jude war er nur noch dem Namen nach. Er machte daraus auch gar kein Hehl, Das war für Therese, die streng religiös war, ein hinreichend« Beweggrund, ihm gegenüber dir Zugbrücke ihre- Herzens iu die Höhe zu ziehen und ihm so de» Zutritt zu demselben unmöglich zu machen. Hätte die Liebe ihn nicht mit Älndhett geschlagen, so hätte die bei aller Freundlichkeit gegen ihn doch sehr reservirte Haltung Theresens ihm schon längst hierüber Aufschluß geben müssen. So aber blieb er in der ihm angenehmen Täuschung befangen. Seine Besuche wurde» immer häutig«. Machte die ganze Familie einmal einen Spaziergang und er wußte davon und war frei, so fehlte « sich« nicht und ging an Theresens Seite. Da « ernste Absichten hatte, so wollte er auch nicht lange damit zurückhalte» und gab sie in seiner offenen, originellen Weise zu erkennen. Es war in den Rach» Mittagsstunden eines schönen MattageS, als die Familie Nubcn einen Spaziergang ins Freie machte. Der Erdboden nebst Gesträuch und Bäumen prangten im jungen, frischen FrühlingSgrün und schon wagten, selbst hier im Gebirge, au den Bäume« sich hier und da, wenn auch noch schüchtern -unb furchtsam, vereinzelte Llüthen hervor. Ein wärme- Südlüftchen fächelte sanft und wohlthnend die Wangen an, und in tiefen Athemzügen zogen die sich im Freren ergehenden Menschen ben Jßng_ entbehrten Frühlingsodem rin. Die geflügelte» Sang« fangen und zwitscherten in Wald und Strauch, auf Wiesen und Feldern, hoch oben in den Lüsten und tief unten aus jedem Gebüsche hervor Ähren lauten Frühlingsjubel anS. Alles fühlte sich vergnügt und gehoben, von neuem Leben und Frohsinn erfüllt. Die Kinder umhupften Therese fröhlich und ließen lihre Blicke überall umherschweifen, bannt auch nicht das Geringste d« von d« Natur anS« gestreuten FrühlingSherrlichketten ihrer Bettachtung entgehe. Rur Mer« Rüben ging kühl und steif

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