Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 80 (17.10.1887)
- Date
- 1887-10-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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gleichen Zweck verfolgt, fand im üblichen Saale des „Eafs Lsrne^' (Börnestraße) eine Versammlung statt. AlS Ergebniß der sehr lebhaft geführten Verhandlungen der zahlreich erschienenen Familienhäupter wurden die Satzungen sestgestellt, nach welchen der neue Verein auch bei Krankheit?- und .Sterbefällen seine Mitglieder unterstützen wird. Jeder unbescholtene Mann soll dem - Verein als Mitglied beitteten können. Als. Beitrag , werden 20 Pf. per Woche von jedem Mitglied erhoben. Zum ersten Vorsitzenden wurdeHerrJofef Süß, zum zweiten Vorsitzenden Herr Leopold' Fuld unßzum Kassirer Herr Simon Graß gewählt. Lesterr.» Ungar. Monarchie. - Wie«. Mitte vorigen Monats hielt der Abg. Dr. Kronawetter im demokratischen Verein einen Rechenschaftsbericht. Aus demselben soll nicht un«. erwähnt bleiben, daß Kronawctter, der bis jetzt als Antisemit galt, sich gegen den Antisemitismus aussprach und erklärte, er fei kein Judenfeind und lasse die Juden die ^zcffe des Großkapitals nicht entgelten. F e « i il « t o «. Die verschwundene Erbschaft. vir» ärzLhtrrng vs» S. H?suse> XI. Drei Monate später zog die Verlobte als junge Ehefrau in das Rubcn'sche Haus ein. Sie stellte sich freundlich zu Therese. In einer und derselben Stadt geboren und erzogen, waren sie sich ja einander nicht fremd, obgleich sie nie gesellschaftlich mit einander verkehrt hatten. Theme imponitte ihr; dennoch aber verbat sie sich gleich in den ersten Wochen die Mithilfe derselben in der Haushaltung. Diese erklärte sie für da« ihrer Selbstherrlichkeit unterstellte Gebiet, dessen Allcinbeherrschmig sie für sich in Anspruch nehmen müsse. Therese fugte sich und so waren die beiderseitigen Gebiete vollständig abgrgrcnzt und Grcnzstreitigkeitcu vor der Hand ausgeschlossen. Therese war Alleinherrscherin in Allem, was die Kinder betraf, während die junge Ehefrau da? Sceptcr des Küchenregimcntes in den Händen hielt. Therese wunderte sich nur, daß ihr Oheim, auL dessen gezwungener Freundlichkeit gegen sie der innere Groll oft sichtbar genug hcrvorleuchtete, sie in ihrer Stellung im Hause beließ, obgleich er ja wissen konnte, daß sic bei ihren geistigen Fähigkeiten und ihren sonstigen Eigenschaften um eine gleiche Stellung in irgend einer andern anständigen Familie nicht in Verlegenheit zu sein brauchte. Besorgniß um ihr weiteres Unterkommen konnte e? also nicht sein, was ihm solche Zurückhaltung adnöthigte; Zärtlichkeit für seine Kinder traute sie ihm auch nicht in dem Maße zu, daß er ihretwegen eine ihm so vnliebfam gewordene Person um sich dulden würde.'Sie sau» oft darüber nach, konnte aber zn keiner Erklärung kommen;, ober darüber war sie mit sich ewig, daß dem Verhalten ihres Oheims gegen sie etwas ganz Besonderes zu Grunde liegen müsse, und sie war damit auch nicht im Jrrihume; die Aufklärung sollte erst die Zukunft dringen. DaS Berhältniß zwischen Frau Rüben und Therese blieb im Laufe der Zeit doch nicht ohne Trübuiß, was sich leicht hatte vorausfehen lassen. Zwar war Therese hierbei nicht die mindeste direkte Schuld beizumcssen; aber es lag in der Natu: der Sache. Frau Rüben empfand? es schmerzlich, daß sie aus die Kinder ihres ManncS. aus erster Ehe, die doch jetzt auch die ihrigen waren, nicht den Einfluß gewinnen konnte, den sie als Mutter zu beanspruchen berechtigt war. ES lag dieses Mar auch in ihrem Wesen, da sie der Bildung ermangelte, und die Kinder' sich ihr hierin überlegen fühlten.. Sie hätte sich' indessen auch mit einem geringen Maße mütterlicher Autorität begnügt, und die Anerkennung . derselben seitens der Kinder, hätte' ihr wohlgethan; aber der Kinder Erstes und Letztes" war Therese. Nur diese galt ihnen als Autorität Bei jedem Befehle der Mutter richtete sich ihr Blick auf Therese, ob diese ihn billige. Theresehatte iüncn das oft verwiese» und ihnen auch in de» Lehrstunden die Pflichten gegen ihre jetzige Mutter auf's Eindringlichste an's Herz gelegt, hatte aber nie eine nachhaltige Wirkung dadurch zu erzielen vermocht.- Frau Rüben empfand deshalb gegen- Therese, deren Vorhandensein im Hanse sie. als eine Störung ihres häuslichen Glückes betrachtete, eine gewisse Verbitterung, obgleich sie gerecht genüg war, derselben keine direkte Schuld an dem zwischen ihr und ihren K indem , stattfindenden DrrtzÄtniffe : bcizAmesscn. Zum offenen Bruche kam es indessen nicht; Therese imponirte ihr doch zu sehr, als daß sie einen solchen herbeizusühren gewagt hätte, und. eine gelegentlich bei ihrem Manne gemachte Aeuße» ru;tg, daß Therese doch eigentlich überflüssig da Hause sei, war von diesem mißfällig ausgenommen worden; aber manche bittere Anspielung mußte Therese oft mitauhören. Sie ließ dieses stillschweigend über sich ergehen. Sie war zu gebildet, um Skandale herbeizusühren, und zu gerechten SdmeS» um die Empfindlichkeit der Frau Rüben nicht für sehr berechtigt zu halten; aber ihre Stellung würde ihr dadurch doch immer mehr verleidet.