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Der Israelit · 1887-10-17 · Heft 80 (17.10.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 80 (17.10.1887)
Date
1887-10-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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es mir leid, daß ich mir meine Reiseroute so vor» gezeichnet hatte, daß ich in den beiden Neuj»hrrtagea nicht in einer größeren, mehr „jüdischen" Lladt sein konnte. Zum Wciterfahren war indeß der Eisenbahn-Fahrplan ungünstig, zudem wollte ich in Saalfeld nicht bloS „gewesen" sein, sondern rk auch, wie eS meine Gewohnheit, durch und durch gesehen haben und auf meiner Rückreise nach Berlin über Rudolstadt - Pößneck»Gera rc. noch mehrere andere Ortschaften, die zum Theil noch kleiner sind als Saalseld. An der „Oberen Saalstraße." dicht am Markt, glänzte mir zwar ein langes Schild entgegen mit der bedeutungsvollen Aufschrift ^Gebrüder Cohn, Inhaber Behren 1" und ließ mich aunehmen. daß Saalseld noch mehrere .Cohn'»"" oder „Bchrent's" mit entsprechenden Gesiniiuugr» beherbergen dürfte. Ich wurde jedoch bald eines Besseren belehrt. Denn auf meine Anfrage im Geschäft, »too hier die Synagoge sei/ gab mir ein (christlicher) Angestellter zur Antwort: „ba5 weiß ich nicht, ich glaube es gibt keine, aber gehen Sie gefälligst zu Herrn Großmann, gleich hier Untere Saalstraße, da können Sic es vielleicht erfahren. Unser Chef ist nicht mit dabei.- Don G.'s Dienstboten wurde ich nach Köditz (Torf bei Saalfeld) gewiesen, wo zwei Familien Fricdmann in einem Zimmer ihrer Wohnung ein Bcrloka! improvistrt hatten. Eine Nähmaschine mit einen! großen weißen Tischtuch bedeckt, stellte den „Omcd"" vor. Scphcr und Schofar waren natürlich nicht vorhanden und die Männcrgemeinde bestand am ersten Tage trotz aller Mühe» die man sich gegeben, schon meine Wenigkeit inbegriffen, ans nur acht Personen. Süden Familien wohnen nämlich im Ganzen in Saalseld, dazu zwei junge Leute, die bei G. in Stellung sind. Tic Kinder find alle noch klein und — Mädckcn in Ucberfluß. Don den 7 Häuptern fallen zwei von vornherein fort, denn außer Herrn B., der mit seiner jüdischen, angeblich einer frommen Familie entstammenden Frau, viel lieber „nach der Kirche" gehen soll, hielt auch ein Herr L. („Schweitzer"" Bazar) an den Rösch ha-Schanoh- Tagcn den Laden offen: Montag ist in Saalseld eben Markttag und Dienstag.kann man nicht zurücknehmen, was man Montag schon getüan, auch darf man sich ja nicht zeigen, daß man ein Jude ist. Herr G. war in Leipzig, seine Familie jedoch vollständig vertreten. Erst am zweiten Tage harten wir Minjan durch einen Barmrzwah-Knadcn, der am erstcu Tage durch „schriftliche Arbeiten"" in der Schule „zurnckgehalten"", weil sein Vater „vergessen"' hatte den Lehrer um Tispensirung zu bitten. Es war ferner «mH ein anderer junger Mann da. ich glaube aus Rudolstadt. Da? Lorbetcu besorgte einer der Hausherren F. von Köditz und ein zweiter F. auS Saalfeld, Hm Ganzen gibt eS dort drei „friedliche Leute" und Familienväter), daß eS nicht sehr kantoral oder chusonisch war, ist nicht ihre Schuld, aber sie haben ihr beste- Wollen herge» geben und darum: „gam s« letowo"! — Jom - Kippur hielt ich in Leipzig in der Filiale der Tempel» gemeinde, die wie erscheint hauptsächlich für „Meß"'» (nicht Meßim-) Leute errichtet worden, denn ich traf hier alle „Meßgcfichter"", die ich einige Tage vorher in Zeitz sowohl als auch iu Pößneck und Leipzig in den „Buden" gesehen. — Ich bin noch in manch anderer Stadt und Ortschaft, von Wittenberg und Dessau auS, gewesen; wie ich jedoch im Eingang sagte, hatte ich mir nicht von vornherein vorgenornmen, Notizen von speziell jüdischem Interesse zu sammcin. Ich bedauere dies jetzt und mache es mir für die nächste Reise zum Lorsah, denn dergleichen Nachrichten bringen unS Zerstreute einander näher. Nur noch von Naumburg a. S. habe ich etwas zu sagen. Ein mir begegnender Glaubensgenosse — vier Familien sollen da wohnen, iu Thüringen sind sie überall spärlich vorhanden — zeigte mir auf dem Markt ein HauS, auf dessen Dachgicbel an einem Fenster ein Steinkopf angebracht ist. Die Geschichte diese- Kopfeerklärte er mir dahin, daß als im Mittelalter in Naumburg eine Judenverfolgung ausgebrochcn war und sämmtliche Juden ihr Leben dabei verloren, sich einer von ihnen iu jenes Haurettete und sich im Dache verbarg. Nach etwa drei, vier Tagen glaubte er die Stadt beruhigt und sah zum Fenster hinaus, um nach einem Weg zur Flucht zu spähen. Einer der blutgierigen Verfolger erblickte ihn sofort, holte ihn herab und schnitt dem letzten lieberlebenden den Kopf ab, worauf er diesen, wohl zum Spott, an jenes Fenster hängte, gleichsam als ob der Lebende noch nach Rettung zum Fenster hinauSfpähctc! Spater wurde ein auS Stein gehauener Kopf (der aber allerdings gar nicht jüdisch aussieht) an dessen Stelle als Wahrzeichen gesetzt. Indianer, Fcuerländer und andere Wilde machen eS eben so: sie spießen die abgeschnittenen Köpfe ihrer Feinde, auf ihren Spcercn und pflanzen diese vor ihre» Zelten auf! Frankfurt a. SR* 12. Oktober. Für die Feiertage genügen in der Regel die in den Synagogen vorhandenen Plätze nicht und werden au hohe» Festtagen schon seit Jahren von Gcsellschaften Privar-Räume für gottesdienstliche Zwecke gemiethet. Zur Gründung eines Vereins, der den

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