Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 80 (17.10.1887)
- Date
- 1887-10-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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E. Xe. Berlin, 7. Cftokr. Auf einer Erholungsreise in mehreren Ländern und Ländchen Deutschlands besmdlich gewesen, hatte ich es mir leider nicht speciell vorgenommen, Notizen über die Juden der einzelnen Orte zu sammeln, die ich besucht. ES haben sich mir jedoch einige von selbst geboten und da eS mir a!S Leser deS .ISraelit" bekannt ist. daß eS fein Bestreben ist, in seinem Nachrichtendienst die Iudenheit der ganzen Welt bis in die weitesten Gegenden zu umspannen, so will auch ich daS Wenige mittheilen, was mir aufgestoßen. In Erfurt fand ich eine sehr schöne, große. Synagoge, am Kanhäuser-Ufer" gelegen, wo nicht weit das feine Villenviertel beginnt. Trotz der 90 israelitschen Familien aber, die in Erfurt leben sollen, begann an dem Freitag Abend, in welchem ich die Synagoge zuerst betrat, der Gottes-, dienst mit nur 7 Personen, in welchen schon Preger und Kantor begriffen sind. Erst dicht am Ende zählte ich zusammen 17 Beter, darunter Knaben über 13 Jahre.. Die Synagoge hat eine Orgel — d»e Redaktion wird mir die Uebertretung wohl Nachsehen: ich hielt eine Orgelsynagoge für noch bester als gar keine*) —und der Ehor besteh; aus Herren und Damen, ob. auch Christen darunter weiß ich nicht. Eine jüdische Restauration ist nicht vorhanden, doch ist der Svnagogendiener auf Speisegäste eingerichtet. Als Kuriosum berichte ich die mir gemachte Mittheiluug, daß einem gleichzeitig mit mir in Erfurt gewesenen, wohl in Posen geborenen Glaubensgenoffen, der von Berlin kam, um sich in Erfurt seßhaft zu machen, von der. brtreffeuden Behörde der „Gewerbeschein" versagt wurde, angeblich weil „schon genug" (Juden nämlich) in Erfurt wären. Der betreffende Dezernent - soll selber ein getaufter Jude sein, ltelatmn refero, eine Garantie für diese Mittheilnng will ich nicht übernehmen. — In Gotha, wo ich am Montag war und des Wochentages wegen die Synagoge nur von außen sehen konnte, macht dieselbe. einen r-mehmeu Eindruck. ES ist ein regelmäßiger Oüadratbau in grauem Sandstein, kleiner als der in Erfurt.und die Vorderfaeade läßt nur durch' einige architektonische Schnitzereien eine Synagoge vermuthen. An der rechten Leitenwand von der Straße auS ist eine Steintafel eingelassen, auf der das Errichtungsjahr (ich glaube mich zu erinnern 187b—1877) angegeben ist, unter Bezugnahme auf den regierenden Herzog. Das Wort Synagoge •) Änm. btt Red.: CS ist bester gar nicht in die Ly- «szsAk zu g.chrs. e!S solch' eine Rrformsvnsgvge -u besuchen; übrigens gibt eS in Erfurt auch eine orthodoxe Hemeindt. aber und waS sonst dem entsprechend, ist daraus nicht zu lesen, auch kein andere» ..jüdisch' Wort," d. h. kein hebräisch . Buchstabe oder Spruch, z. D.: „Beth Jakob, l'chu, we-nelchu be-dar Adonai" u. s. v., wie man an anderen Synagogen liest. Ob dies der Furcht zuzuschreiben ist, offen aufzutrete», kann ich nicht wiffen, doch ist die Synagoge in der vornehmsten Straße Gotha'S gelegen, nämlich in der Friedrichstrabe (oder Allee), dicht beim Lustschloß Friedrichsthal, gegenüber der großartigen herzoglichen Orangerie und ganz nahe vom jetzigen Wohnpalais des Herzogs. Ich weiß nur nicht für wen die Synagoge hergestellt ist, denn in der Stadt — und es ist bei jedem Aufenthalt mein Vorsatz „überall* gewesen zu sein und „Alles* gesehen zu haben — habe ich nur 2—3 jüdische Namen gelesen, während vian z. D. in Erfurt, namentlich am. „Anger'' (Handelsstraße) viele jüdische Namen lesen kann. — Genau nach dem Nüster von Gotha, aber sicher um die ganze Hälfte Heiner, ist die . Synagoge in Meiningen. Vielleicht als ein Zeichen der in dieser Stadt herrschenden Toleranz und Eintracht, steht sie zwischen der katholischen Kirche und dem Bethavs einer evangelische» Gemeinschaft! Sie ist nur etwa. 50 Schritte von der einen und dem anderen entfernt. Sie machte aus mich den Eindruck, als ob sie nicht ganz fertig wäre, ist aber im Uebrigen „ganz nett,* wenngleich in einer Hintergaffe, ein bischen abseits, gelegen. Während mir aber in Gotha, bei einer größeren Synagoge das Fehlen jüdischer Namen und' Physiognomien auffiel, habe ich in Meiningen, bei einer kleineren, verhältnißmäßig deren viele, insbesondere an den am Markt und dem Postamt umliegenden Straßen gelesen und gesehen und es waren darunter echt jüdische, nicht modcrnisirte, Bornamen.— In Ko bürg trifft man Juden am „Steinweg" (Handelsstraße) bis zum „Martt," aber von einer ' Synagoge keine Spur. Wie mir gesagt wurde, so^sie am äußersten Ende — also nicht einmal Sucher Stadtscite — deS Torfe» Ketschendorf sich befinden! TieS scheint mir für Unduldsamkeit einerseits zu sprechen, andererseits kann es auch Gleichgültigkeit seitens der Juden selbst sein» die au die Errichtung einer Synagoge in der Stadt nicht denken und sich mit dem Versammlungsort, in dem sie sich in früheren Zeiten vielleicht verberge« mußten, noch jetzt begnügen, weil mau ein Paarmal im Jahre oder bei gewissen Gelegenheiten etwas, was einer Synagoge ähnlich ist, sozusagen nöthig hat. — Nach weiteren Fahrten uud Wanderungen erreichte mich der Erew Roschha-Schcno in Sank' selb. Schon gleich nach den ersten Schritten that