Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 97 (15.12.1887)
- Date
- 1887-12-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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scheu und fachte einen Brand an, der immer weiter um fich greift. Wir dürfen 'uns nicht mittelsten lassen von jenen Schlagwortcn, sonst gehen wir so sicher zu Grunde, wie Jene, welche von einigen Judenfressern fich ihr Heil versprechen. Wir Gewerbetreibenden haben einen harten Kampf gegen das Großkapital zu führen, das aber zumeist in den Händen der Elericalen sich befindet, die lebhaftes Interesse daran haben, uns im Finstern herumtappen zu lassen uud uns als ihr Werkzeug zu benützen. Run, wir werden auf gewerblichem Boden weiterkämpfen, mit den Herren Antisemiten paclircn wir nimmer!" (Beifall.) bin Wähler interpellirte den Genossenschafts-Vorstand Hagcnmüllcr wegen seines Austrittes aus dem Wiener Gcwerbe-GenosscnschaftStage. Hagcnmüller erwiderte hierauf unter lebhafter Zustimmung: ,Hch habe offiziell erklärt: Ich sitze mit einem Schneider (dem Mechaniker in Hernals) nicht in Einem Lokal und halte mich auch danach. Ich fa)fl* ifint nlä t/fi tfirn rttif CZirnhr *7—-- •*/*** ———*-f *vm* —**i **** nete, meine Hand verweigert , weil ich es unter meiner Ehre gehalten habe, mit ihm zu verkehren. Einen Menschen, der gegen mich in allen möglichen Blättern die frechsten Verdächtigungen veröffentlicht, der mich als Marionette benützen will, den kann ich nicht achten. (Beifall.) Jeder anständige Mensch wird dies billigen. (Erneuerter Beifall.) Mein Name ist viel zu gut, meine Herren, als daß ich ihn von einem Schneider mißbrauchen lasse. (Zustimmung.) Ich lasse mich nicht so hin- und hcrfchicben, wie andere Vorsteher. Zwei Auttäge, die ich vor einem Jahre hinsichtlich der Sttafhausarbeit und der Lieferungen für die Armee gestellt, wurden heute noch nicht auf die Tagesordnung gesetzt, einfach. weil ich sie gestellt habe. Wenn aber Herr Schneider was durchsetzen will, so hat er cs bald erreicht mit Hilfe seiner Vorsteher. (Hört! Hört!) Solange der Mann mit seinem tollen Antisemitismus im Genosscnschaftstage sitzt, solange ist von der Wirksamkeit desselben nichts zu erwarten." (Beifall.) Der Redner stellte sich hierauf der Versammlung als Eandidat für die Vorstehcrstclle vor und erklärte hiebei, daß er es für seine Wicht erachte, jenen verächtlichen Bestrebungen der Opposition emgegenzutteten, welche des Schreibens und des Lesens unkundige Männer für den Ausschuß kandidirt. Die Versammlung stimmte den Ausführungen zu und stellte als Kandidaten die Herren Roisl, Kuich, Knittel und Datter auf. Syrien. Beirut, im November. Ein Prozeß, der soeben vor dem internationalen Gerichtshöfe in Alexandn'cn, Egypten, seinen Abschluß gefunden, aber ein hiesiges renommirtes jüdische» Bankhaubetrifft, dürfte auch in Europa mit Interesse gelesen werden, da dieses Bankhaus auch mit Berlin Paris und Frankfurt in Verbindung steht. Vor ungefähr zwei Jahren präseutirte ein griechischer Kaufmann der Filiale der Lttomanbank in Alexandrien einen vom hiesigen Bankhause „Sursok Fröres" girirten Wechsel auf den Betrag von 29,000 Livre- Sterling lautend, zur Saldirung, der auch sogleich von dieser Bankanstalt, nachdem man sich von der Echtheit des Schriftstückes überzeugt hatte, bonorirt wurde. Als man dem Haufe „Surfok Fröres* hier diesen Wechsel zur Einlösung präsentirte, wiees ihn entschieden zurück, obwohl es die Unterschrift auf demselben als echt erklärte, da sich in den Bücher» dieses Bün^auscs keine Aufzeichnung über die erfolgte Ausstellung dieses Wechsels vorfand. Es machte dies damals nicht geringes Aufsehen im Oriente, daß das Haus „Surfo! Fröres", uvtsbovs das erste Bankhaus in Syrien, ein von ihm girirteS Accept nicht cinlöfcn wollte. Tie Filiale der Ottomanbank in Alexandrien hielt sich nunau den griechischen Kaufmann, der ihr den Wechsel präscntirt hatte, und forderte von ihm die Rückgabe von 29,000 Livres Sterling. Dieser berief sich wieder auf einen Geldwechsler in Koustanttnopel von dem er den Wechsel gekauft hatte, während Letzterer wieder behauptete, den Wechsel aus Marseille zngeschickt erhalten zu haben. Kurzum, cs entstand ein langwieriger Prozeß, der alle Instanzen durchzumachcn hatte und der bis jetzt andauerte. Schließlich entschloß sich der internationale Gcrichtshof in Alexandrien, drei berühnite Photographen dieser Stadt als Sachverständige heranzuziehen, damit sie ihr Gutachten über die Echtheit des erwähnten Schriftstückes abgeben sollten. Dieselben erklärten, daß die Unterschrift aus dem Wechsel ganz echt fest auf dem Papier früher ein ganz anderer Text gestanden, den man dann durch einen chemischen Prozeß bis auf die Namcnsscrtigung weggelöscht hatte. Daraufhin erklärte das Gericht, das Bankhaus „Snrsok Fr«rcs" seines Obligo entbunden und die Ltwmanbank muß daher schauen, wie sie wieder zu ihren 29.000 Pfund Sterling kommt. An der Spitze unserer Gemeinde steht jetzt Herr Raphael Lcvi, Inhaber eines Bankhauses, und als seine Bciräthc fungiren die Herren Menasche Siton und Jakob Bidschn. Herr Raphael Levi ist aus Italien hierher eingewandert. Wir haben jetzt hier nebst der Hauptsynagoge, welche in der „Harct El-Jchud (Judcngasse)" steht, noch sieben kleinere Synagogen, die sich ganz allein der-