Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-12-15 · Heft 97 (15.12.1887) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 97 (15.12.1887)
Date
1887-12-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449791--27681-2517202
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1732 Unkraut bei kanaanirischea HeidemLum» vrelfälng Sieder Meister. Ta ntotätt <?ott au» dem Cramm. ja au» dem <?ei'ch!echre Mose», wiederum «inen Mann in denen Eristr, den leyrrn jener Männer, welche als sichrer bezeichner werden. Seniuel und fein« Wirksamkeit war eine io gewaltige, daß da» einheimische Heidrmhum verschwand, und das auswärtige der nächsten Nachbarrn, der Ämalekirer, der Philister und dergleichen nicht mehr in dersührerijcher, sondern nur noch in seindseligrr Weise sich geltend machen durste und dabei auf das Haupt geschlagen ward — ein herrliches Zeugnist, was ein einziger Mann vermag, wenn er in der .«traft ur:d Weisheit E'orrrs die Welt anfaxr. tfr erreichte r» auf zweifachem Lege; er war beides, der lerre »Richter- und der erste .Prophet' nach dem Vorbilde Moses (5. B. M. 18, 15, 18) er zog nicht nur unermüdlich im Lande umher, an drei Mittelpunkten desselben, zu Bethel, Eilgal und Mizpa, richtend und schlichtend, strafend und ordnend nach dem Grsrt< E'orrcs, sondern er predigte dem ganzen Bolle euch die Herrlichkeit de» einen wahren Corres und er richtete Schulen ein, in welchen die herzüsnömrnden Jünglinge in der Lnenbarung (Morres an 7^reel und. in der l?richichre desselben unterrichtet und selbst wieder zu Lehrern und Predigern hcrangebildek wurden, den sogenannten .Plophrtenschulen.' Turch Mose war Israel zum Polkr Esnr» berufen und mit allein, das dazu erforderlich war, ausgerüstet worden, durch Samur! erhielt es seine geistige Turchdringung und Umwandlung, und durch Tavid, den von Samuel erkorenen zweite» König, den Heide» und Sänger Eottrs. ward es aur die Höhe des Volkes Corres gestellt als der Erl-irrer drr vordkrastanschen Völker, und als «in Licht in drr Nacht ihres HeidenthumS; eS erfüllte sich das Wort Mose's: Wohl dir Israel, wer ist dir gleich k O Volk, das du durch der» Hrrrn selig wirst, der deiner Hilfe Schild und das Schwert dtinrs Sieges ist: deinen Grinden wird es fehlen, aber du wirst aus ihrer Hohr rinhertreren l (5 2t. 33. 23). Tie Erziehung Israels war aur dem besten Wege und die schönste Zukunft war zu hoffen. Und doch gerade von dieser Höhe aus begann das Volk zu sinken, die eine Hä'str derselben rascher, die andere langsamer, die eine nur immer tiefer, die andere immer wieder eine Zritlang sich erhkbend, rulept aber beide Hälften bi» zum Verlust des heil. Landes, bis zur Zerstreuung unter die Völker, lind die Ursache dieses Sinkens und Versinken» war gar keine andere, denn dir Aneignung des fremden Zvrlrns. drr Lultur drr ttachdarvölkrr — anfangs neben drr Offenbarung des Linen wahren Gottes und allmählich Katt üersrldra. dir Preisgabe seines LrKgedurlsrrchtrs für das Linsengericht dieser heidnische« Luttur.- Wir werde» noch einen zweiten Artikel folgen lassen. Zeituugsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Thüringen, 7. Dezember. In jüngster Zeit macht die antisemitische Hetzerei von Leipzig ans besondere Anstrengungen auf dem platten Lande in Thüringen. So werden gegenwärtig in den Dörfern um Gera massenhaft Flugblätter venhcilt, in welchen besonders die Fronen gegen die israelitischen Mitbürger in der genieinsten Weife aingcrerzt werden. Ter Kehrreim in allen diesen Flugblättern lautet: Kaust nicht bei Juden. Daraus läßt sich aus den Ursprung dieser traurigen Machwerke schließen, die jetzt gerade um die Weihnachtszeit in Menge ins Publikum geworfen werden. Daß diese Hetzereien, die dem elendesten Konkurrenz-Neid entsprungen sind, von Erfolg begleitet sind, können wir nach unseren Wahrnehmungen nicht sagen. Unser Volk prüft die Waarc: wo cs am Vesten seine Bedürfnisse befriedigen kann, da kauft cs, ohne nach dem Glanbensbekenntniß zu fragen. Vielfach fragt man, woher die antisemitische Hetzerei ihre Geldmittel bezieht? (Sr. Ztg.) Ocsterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 6. Dezember. Im Bezirke Landstraße fand gestern Abends eine von ungefähr 200 Schuhmachern besuchte Versammlung statt, in deren Verlause der Antisemüismus wiederholt eine scharfe Lcrurtheilung erfuhr. Als Einberufer fungirte der Schuhmachermcisrcr-Verein „Fortschritt", der mit dem gestrigen Abend eine Serie von Wanderversammlungcn eröffnet, welche in sämmtlrchen Bezirken Wiens abgehaltcn werden sollen und in erster Linie dazu bestimmt sind, den Umtrieben der sogenannten „Unabhängigen" anläßlich der bevorstehenden Wahl in den Genonenfchafts-Ausschuß wirksam zu begegnen. In der gestern beim Dreher abgetzaltenen Versammlung sprach sich schon der erste Redner, Schnhmachermcistcr Latzina, in sehr abfälliger Weise über die Führer der „Wilden" aus, die entgegen allen Prinzipien der Vernunft den Antisemitismus predigen und ihre Hetzereien in verächtlichster Weise betreiben. Hier die Brutalität, dort die Intelligenz — meinte Redner mit Bezug auf den bevorstehenden Wahlkampf. „Wir wollen mit Jenen nichts zu thun haben, die immer nur nach den Jude» schnappen, nur in die Lust ein Loch hineinzubeißen, uns liegen die gewerblichen Angelegenheiten näher, wir kümmern uns nicht um Eonscfsion und nicht um Ration!" -Vorsteher-Stellvertreter Rachtncbcl sagte in seiner Philippika gegen die Opposition Folgendes: „Seit fünfzehn Jahren besuche ich regelmäßig die politischen Versammlungen, und meine Erfahrungen werden inrmcr trauriger. Vor zehn Jahren drängten sich nicht solche Leute an uns heran, wie sie jetzt allenthalben auttauÄen, da konnte der AntisemiriSmus nicht Boden fassen. Tie Ursachen dieser Bewegung sind anderswo zu suchen: man wollte den Handwerker, die Kleingewerbetreibenden hindern, klar zu sehen und klar zu denken, und streute unter die Menge das Schlagwort aus: „Nieder mit den Juden, sic revräsentircn das Großkapital, nur sie allein sind reich!" Man suchte die Menge zu tan-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.