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Der Israelit · 1887-12-15 · Heft 97 (15.12.1887) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 97 (15.12.1887)
Date
1887-12-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXV11L ZahrgiMA. Erste Beilage M Nr. 97 des Israelit. I i Leitender Artikel. Literarischer Bericht. Die Zerstreuung des Volkes Israel von Wilhelm Presse!. Zweites Heft. Tie Stufen dieser Zerstreuung. Heilbronn, Verlag von Gebrüder Henninger 1887. Das erste Heft dieses Werkes eines protestantischen Geistlichen wurde in allen jüdischen Kreisen mit großer Freude begrüßt. Wiewohl wir Juden den Standpunkt des Verfassers in seiner strengkirchlichen Anschauung und Auffassung nicht anzuerkcnnen vermögen, so sind wir ihm doch ^überaus dankbar für das große Wohlwollen, welches er dem jüdischen Volke entgcgenbringt. Wir haben hiervon aus dem ersten Hefte einige Proben mitgcthcilt und werden im Folgenden auch aus dem vorliegenden zweiten Hefte den geehrten Lesern Einiges vorführen. Ter Verfasser schreibt (Seite 4 und ferner): .Israel sollte daS erste aller Eottesdölker sein und alz solcher wiederum der AusgangSpunkr des grsammten EotteSrricheS aus Erden. Hiesür muß» Israel aber selbst erzogen werden. So bedurfte es eines Vohnsitze», dessen Lage beidem eursvrach, sowohl ihrer eigenen (Erziehung, gleichwie ihrer Bestimmung sür die andern Böller, und hiesür war auf der weiten Erde keine Eegend gieichrrweise emkprrchr«d, wir dir Gegend von Kanaan; denn dirieS Land war ebensosehr die herrlichste Völkerwiege als die Schwelle dom Orient zum Decident. Bon ollen Seilen elngtschlossea. im Vesten vom Mittelländischen Meer, im Norden und Nordoüen von Eedirgen. vom Libanon, Anrilidanon und Hanran, im Südosrra und Süden von Vüsten, von der Syrischen und der Arabischen, Lot es die nölhige Abgeschiedenheit von der heidnischen Veit brausten, den nörhigen Schirm gegen ihre Angriffe wir gegen ihre Versuchungen. Zugleich oder war Kanaan an Neruicrzeugnmen so reich ausgestancr, daß es keiner Einfuhr fremder Erzeugnisse bedurfte und darum weder auf dem verführerischen Dege dcS Handels mit der fremden Veit, noch dem gewaltsamen Vege des Rechtens und Kriegen» sich mir ihr rinzulasie», veranlastr war: das Volk war im Stande, ganz und gar von dem eigenen Ackerbau und der eigenen Viehzucht sich zu ernähren, seine ganze t?ei'exgrdung war daraus gegründet: Kanaan war von den Alpenftrnrn und Eedrrnwäldern deL Libanon bis hinab zu dem Veinderg und Verdenabbängen der Eebirgrs Juda, und von den Tnften von Eilead und Bafan bis hinüber zu den Ansunhru des MittrlmrereS eia herrliches taub, eia Earrrn EotteS. welches der Jordan und seine Zuflüsse wäsirnen und der Thau des Himmels selbst in Len hristestea und trockensten Zeiten erquickten. Tabei lag Kanaan also in der Mine der alten Velt. daß es die Schwelle dildrr« von Asien nach Afrika, ja weiterhin nach Europa, die Schwelle von dem Ausgangspunkt der alten Bölkergeschichre nach dem Msittelpunft der künftigen, fo Last »S heute noch als den innersten und vornehmsten Kern der .Orientalischen Frage' sich fühlbar macht. Israel wäre daher nach der Vollendung seiner eigenen Erziehung im Stande gewesen, von dieser Schwelle auS nach allen Richtungen der Velt dar Reich EotteS auszubrriten und also seine weltgeschichtliche Mission za erfüllen. Ein Volk, welches diese Bestimmung hatte und hierfür dergestalt in die Mine der Welt gestellt war, mußte entweder dcrS erste aller Völker werden, wenn eS jener Bestimmung entsprach, oder aber daS letzte. wenn eS ibr zuwiderlebre, entweder der Leitstern der Dölkerwelt, oder aber — ihr Cpieldall. ES ist dar Zweite geworden; seine Widerspenstigkeit und Untreue hat EotteS HeilSrath für Jahrtausende hinaus vereitelt — und in daS Ergrnthril vrrkehn, — aber doch nur für Jahrtausende h'nauS und nicht für immer; Eott hat Sein Volk nicht ganz verstoßen. Tas Volk, in dessen Umgebung Israel auS 70 Serie» des Hauses Ialob zu einem Volke von immerhin zwei Millionen Menschen hcrangevachsen war, das Volk der Aegypter. war daS erste und wunderbarste Kulturvolk der allen Sekt, der Lehrmeister niifit nur der Phönizier und der Eriecheu und durch diese beiden noch veiler der Römer und der ander» Küstenvöiker des Äirreiän'oiichrn MrereS. sondern der Lehrmeister schon de» Volkes, das in seiner Umgebung berangewachsen war; Israel hatte von den Aegopern Lesen und Schreiben'), Baue» und Pstanzen, Messen und Heilen gelernt, obwohl Israel zum Sklaven AegnptenS erniedrigt worden war, und dies« vierhundettjährige Lehrzeit war für die Erziehung Israel» voa Gott gleicherweise beabsichtigt, wie der vierzigjährige Unterricht Mose» zu den Füßen ägnptischer Priester sür seinen Beruf der Erzieher deS Volkes Eotre» zu werden. Aber der ägyptische Lehrmeister war ein heidnisches Volk und Hane Israel mit in sein Heidenthum binabgezogen. So bedurften beide der Erzieher und da< zum Volke Eonr» zu erziehende Volk, vor allem der göttliche» Lfsenbarung; sie bedurften» daß der heidnische Dunstkreis vor ihren Auges sich rerchrrlte. und die Herrlichkeit deS eine« wahre» EotteS, in deren Anichauung ihre Erzväter gewandert harren, auch vor ihnen sich wieder enthüllte; und sie bedurften zu» andern, daß sie diesem gewohnten heidnischen Dunstkreise wieder entrückt und in daS Land ihrer Erzväter zurückgeführt wurden. Freilich dieses Land der Värer, das Land Kanaan, war mittlerweile ebenfalls ein heidnisches Land geworden; di« Nachkommen jener Amorirer, deren Fürsten AbrahamS Freund« und Bundesgenosies gewesen waren, waren ebenfalls in da» Heidenthum versunken, oder indem Israel in den Besitz Kanaan» eingesetzt wurde, bekam es auch den Auftrag EotteS, die versunkene» Kanaaniter auszurvtten. um von jeder Ansteckung ihre» Heidenthums sich frei zu erhalten und da» auserwählre Volk EotteS darzustellen. Israel erfüll» diesen Auftrag nur mangelhaft, und die Folge war, daß stan des ägvprischcn HridenlhumS da» der Kanaaniter neben der Anbetung de» einen wahren EotteS vielfältig verblieb. Ja. so lange der groß« Erzieher Mose urch nach dem Tode desselben sein würdiger Nachfolger Josua in Israel walteten. Hane da» /videnrhum weder der 3rgt>j»«r noch der Kanaaniter im Volke aufzukommen vermocht; aber al» auch Josua gestorben war. alS statt der einen gewaltigen ErzieherShand nur da und dort die Hand eine» sogenannte» Richters zur Ausführung jener göttlichen Aufträge» sich erhob, ward da» *) Anmerkung der Redaktion: Dem ist nicht so, Israel konnte von den Aegsprern nicht lerne«, wa» diesen selbst verholen war. Dir Hirroglspdcnschrift der Aegypter war kaum eine Schrift zu nennen im Vergleiche mit der Schrift der Hebräer, welch« schon damals eben jo vollkommen war wie heut«.

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