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Der Israelit · 1887-12-15 · Heft 97 (15.12.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 97 (15.12.1887)
Date
1887-12-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1727 daß nach den über«nstrmmendea Erzählungen dermaliger Zeitgenossen R. A. E. sich keineswegs danach sehnte, seine RabbinaLsstelle zu Märkisch-Friedland gegen die höhere zu Posen zu vertauschen und sich erst nach längerem Sträube» da:» bereit finden ließ. Dies entspricht auch ganz seinem bescheidenen Wesen, da er damals sich äußerte, er sei durchaus nicht würdig, alS Rabbiner nach Posen zu kommen, wo der Schulklopfer ein größerer Lemdan sei, als er. Es sieht daher kaum danach aus, als hätte er nöthig gehabt, durch scheinbare Nachgiebigkeit sich die Rabbinatsstclle gewissermaßen zu erschleichen. Doch dies nur beiläufig. Man könnte nun dem über diese große Schandrhat entrüsteten Tugend- Helden erwidern: re re «er nnroo not* nrzy rtr~j, allein es bedarf nicht einmal des Arsenals des Talmud zur Rechtfertigung, sondern einfach der Bemerkung , daß der tugendhafte Referent cs unterlassen hat, vor Loslaffung seiner Philippika sich über die Verhältnisse genauer zu unterrichten. Er hätte, da der Artikel ja ans Posen balin ist, sich bei hiesigen alten Leuten erkundigen sollen, und hatte erfahren können, daß in der That nur 6 Bschrrrim hier waren, die auf Kosten der Gemeinde unterhalten wurden und den eigenthümlichen Namen o**:ra rr-rcr führten, wahrscheinlich, weil sie bestimmte Freitische für einzelne Wochen rvror erhielten. Selbstredend hatte demnach R. A. E. keine Veranlassung, sich in Betreff der Annahme von Backurim, die von der Gemeinde nichts erhielten und nichts beanspruchten, irgend welche Beschränkung aufzncrlcgcn, eben so wenig, wie die Gemeinde, ein Recht Hane, sich unter Berufung auf die Klausel darum zu kümmern. Es ist nämlich bekannt, daß unter den zahlreichen Schülern, die von auswäns Hierher strömten, manche Söhne wohlhabender Familien waren, die sich selbst beköstigten. Biele Andere fanden bei ihren Angehörigen bereitwillige Aufnahme, und wenn auch Private sich der rvso unterzogen, einem bedürftigen *Y!r,2 seinen Unterhalt zu gewähren, so war cs wohl weder Sache der Gemeinde, noch des Rabbiners, dies zu inhibircn. Ein solches Verbot der Unrerstüpung bedürftiger Fremden soll einst in Sodom bestanden haben, ist aber hier niemals in Geltung gewesen. Hiernach fällt, gewiß zur Befriedigung des durch die vcrlcprc Moralität entrüsteten Posener Referenten, die Beschuldigung in Niäus zusammen, da, wie ausdrücklich wiederholt wird, R. A. E. rhotsächlich nur sechs Bachnrim zu Hörern hatte, die von der Gemeinde subventionin wurden, so.daß er seine Besugniß nicht überschritt. Bemerk! muß hierbei noch werden, daß, wie erzählt wird, der Gcmeindcvorstand, oder, genauer gesprochen, die anfänglichen Gegner des R. A. E., denen es von vornherein ja nicht um die Mehr- oder Minderzahl der Bachnrim zu thun war, sondern nur um die Fcrnhaltung eines Rabbiners des alten Schlages» — nachdem sie Gelegenheit gehabt hatten, den Eharaktcr des R. A. E., dessen herzgewinnendes Wesen und überhaupt dessen edle Eigenschaften kennen zu lernen, sich mit der Berufung desselben ganz zufrieden erklärt haben, und würde demnach eine beschränkte Klause!, selbst wenn sie in dem Sinne vorhanden gewesen wäre, den die ^Wochenschrift^ angicbt, gar nicht mehr beachtet und stillschweigend annullirt worden sein. Es ist daher in späteren Akten auch nirgends die Rede von Nichtbeachtung einer Klausel, und es hatte auch Niemand irgend welchen Anlaß, sich darüber auszusprechen. Erst der „Zsr. Wochenschr." war es Vorbehalten, auch an der Sonne erneu Flecken zu — suchen und dem todten Löwen einen Tritt zu versetzen. Ern zweites großes Wort spricht der Gelehrte der „Jsr. Wochenschrift" getanen aus. Es ist nicht bekannt, dozirt er von seinem Kothurn herab» daß aus der Schule des R. A. E. ein bedeutender Talmndist hervorgcgangen sei. Woher er die Berechtigung zu einer mit solcher Sicherheit ausgestellten Behauptung nimmt, ist räthselhaft, denn schwerlich ist er in der Lage gewesen, kritische Umschau unter den Talmudiftcn der vergangenen Jahrzehnte zu halten; sonst müßte ihm bekannt sein, daß, wo noch irgend in unserer Gegend ein tüchrigcr Talmudist vorhanden war und zum Theil noch ist, dies ein Schüler des R. A. E. war. Nennen wir nur die verewigten nyzzjr&b reo r»r? von hier, njr::*eyrr rs*n 'n aus Inowrazlaw, 0072 prs , Rabbiner zu Pleschcn, roirr '*5 aus Kolo in Polen. Doch wer könnte unter den Tausenden, die unter R. A. E. ihre talrnudische Ausbildung erlangt haben und über Deutschland und Polen zerstreut wurden, nach einem Zeitraum von .',0 Zähren noch Einzelne in größerer Anzahl bezeichnend Ueberhaupt ist es, wie jeder Unbefangene .zugeben wird, eine Folge der gewaltigen Aendcrung der Verhältnisse und der Zcitströmung, daß Talmudgelehrte gar keinen Anlaß haben, sich in weiteren Kreisen bemerkbar zu machen. Zn früheren Zeiten konnte ein hervorragender Talmudist sich entweder durch Veröffentlichung eines ralmudischcn Werkes oder durch Bildung eines *r;rr= Kreises bekannt machen; cs sammelte sich sofort um ihn eine Schaar lernbegieriger Schüler, die alsdann seinen Nus wcilhr'u verbreiteten und begründeten.

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