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Der Israelit · 1887-12-15 · Heft 97 (15.12.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 97 (15.12.1887)
Date
1887-12-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1725 . Gotteslchre von Anbeginn seiner Laufbahn an zu sehr auf das reine Denken hin gerichtet, als daß es nicht, da cs doch unter allen bedeutenderen Kulturvölkern der alten wie neuen Welt lebend, hätte Theil nehmen und Interesse haben sollen für die geistige'Bewegung dieser Völker. Näher liegt uns die Zeit der Juden in Spanien, und wir wissen, wie hochgebildet ein großer Theil der spanischen Juden war, wie viele bedeutende jüdische Aerzte, Philosophen, Astronome, Diplomaten, Grammatiker und Dichter cs dort gab, die aber zugleich bedeutende Talmudgclchrtc und streng gcsctzcstrcue Juden waren. Als die griechische Bildung mit dem Eroberungszug Alexanders des Großen in Assen vordrang und es eroberte, so daß die griechische Sprache und Wissenschaft dort heimisch wurden, da kam das jüdische Volk unter griechische Herrschaft. Viele Juden haben sich nicht nur griechisches Wissen angeeignct, sondern sauden noch mehr Gefallen an den griechischen Sitten und am griechischen Leben. Wenn nun die, welche damals sich die „Gebildeten* nannten und das jüdische Gesetz mit Hilfe der Syrer, Griechen ganz und gar ausrottcn wollten, in der Thal fortgeschritten wären; wenn aus ihrer Seite und auf Seite der Griechen der wahre Fortschritt gewesen wäre: so hätten sic, nach ihrer Ansicht, daß das Iudcnthum überlebt und veraltet, sein Gesetz ein unwahres, nicht mit der Wissenschaft zu vereinbarendes sei, obsiegen mutten und nicht erst einer so spaten Zeit, wie der uusrigcn, einem Gcschlcchte, das etwas über zweitausend Jahre später lebt, diese Aufgabe überlassen sollen. Wir sehen aber, wie schwer und unmöglich den Syrern und „gebildeten* Juden cs wurde, das jüdische Gesetz aufzuhcben, das jüdische Volk aus seiner ihm von Gott vorgeschricbencn Lahn zu verdrängen — und heute? Hat man wirklich geglaubt, cs sei so leicht, so einfach, das jüdische Gesetz für abgcrhan zu erklären, die jüdische Wahrheit als einen Wunderglauben hinznsteLcn? Glaubt man, weil die Welt um zweitausend Jahre weiter fortgeschritten, weil inzwischen die Wissenschaft fo große Fortschritte gemacht und imnrer neue Wahrheiten entdeckt, daS Iudcnthum sei wirklich um 2000 Jahre zurückgeblieben und sei nun sicher veraltet und habe sich überlebt, seine Wahrheit könne nicht mehr die Probe bestehen? Es haben sich ja Biele losgesegt von dem jüdischen Gesetze, und nur ein loses Land hält sie noch mit ihrem Volke zusammen. Aber ihr Iudcnthum hat kein. Ziel und keinen Zweck, führt zur Selbstvernichtung. Außerhalb ihrer Bahn stoßen die Thcile, die sich vom Iudcnthume abgesondert und eine neue Dahn gewählt haben, überall mit anderen Körpern zusammen, irren planlos umher, nur vom Augenblick sich bestimmen lassend, bald diese, bald jene .Richtung cinschlagend. Wohin sie gehen? das .können sie selbst nicht sagen; aber sie fühlen, daß sie nicht so recht in's Weltgcfüge hiucinpassen. Darum nenncu sich solche Juden gerne „confessionslos*. dcni Wcltganzen, wie sic vorgebcn, angehörend, aber keinem einzelnen Theil sich anschließend. Näheren sic sich einer anderen Consession, so stößt mau sie zurück, weil sic nicht zu ihr gehören; gesellen sie sich aber irgend einer Confessio», so sind sie nicht mehr confessionslos. Allein können sie nun einmal nicht lange wandern. Tenn die Menschen sind alle in Rassen, in Völker und Confessioncn eingethcitt. Will man ruhig und ungestört mit den Menschen leben, so muß man sich ihren Zielen, ihren Zwecken, ihren Sitten und Gesetzen anpasscn. Ob man dabei dem Fortschritt huldigt, das kann man dadurch erproben, daß man sich nicht blos körperlich, sondern auch geistig erhält, daß man der großen Wahrheit und den daraus sich nothwendig ergebenden Folgen dient und in diesem Sinne weiter schreitet. Eine neue höchste Wahrheit gibt es nicht. Die Wahrheit von dem Schöpfer ist noch nie durch eine neue Wahrheit umgestoßcn worden; sie blieb immer die eine Wahrheit. Und wenn man heute glaubt die Schöpfung, .oder das Bestehende anstatt dcS Schöpfers als neues unumstößliches Resultat der Wissenschaft, als die neue höchste Wahrheit hinstellen zu können, so reicht diese Verwechselung der Wirkung mit derllrsache noch lange nicht heran an die vom Iudcnthum gelehrte und aller Welt überlieferte Wahrheit von Gott, dem Schöpfer. Diese Wahrheit steht heute noch fest und keineswegs erschüttert da, wie man das glauben machen will. Neue Ideen haben immer geblendet und Anhänger gefunden bis — sie sich überlebten. Wie viele derartige neue, kühne Ideen hat das Iudcnthum gleich Kometen an sich vorübcrziehcn.sehen! Sein Stern aber leuchtete und wandelte ruhig weiter. „So spricht der Ewige dcr Hcerschaaren: Wenn Tu meine Wege wandelst und meine Vorschrift beobachtest, und Tu auch mein Haus verwaltest und auch wahrest meine Höfe: so mache ich Dich zum Leiter und Führer, zu Wandelnden unter denen, die da stehen.* Dieses Unheil, dieses Versprechen wird uns lebhaft am Chanukahfesie in Erinnerung gebracht. Als damals die Chaschmouäer das Licht rm heiligen Tempel wieder anzündetcn als Symbol des göttlichen Lichtes und Geistes, welchem unser Volk

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