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Der Israelit · 1887-12-15 · Heft 97 (15.12.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 97 (15.12.1887)
Date
1887-12-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1724 die räumlich von einander Entfernten sich. gegenseitig nahe zu bringen, dem Guten, wo auch immer cS geschieht, die volle Anerkennung zu verschaffen, das Löse und Schlimme hingegen, mag cs von innen oder von außen stammen, mit aller Macht zu bekämpfen, die Feststehenden im Aus- Harren zu ermuntern, die Wankenden zu stützen und den Gefallenen wieder auszuhelfcn — das Alles auch nur anzustrcbcn, ist eine hohe, erhabene Aufgabe. der größten Anstrengung werth. Auch die Erzählungen, die in gefälliger Form die Wahrheit zu Herzen führen, sind von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Einen Markt gleichsam für alles jüdische Leben bilden die Anzeigen. Als wir vor fast drei Jahrzehnten an die Lcffenllichkcit traten, da waren lediglich die inneren Feinde zu bckäinpfcn, während in den äußeren Bcrhältninen unsrer Glaubensgenossen, bis auf ganz wenige Ausnahmsfälle, nur Liebes und Gutes, nur Fortschritt in der Gleichstellung mit unsren nichtjndischcn Mitbürgern, nur ehrende Anerkennung zu berichten war. Seitdem haben sich auch diese Vcrhättniye vielfach geändert. Tie Judenfeinde erhoben wieder ihre Häupter und suchten uns die schwer errungene Gleichstellung wieder zu rauben. Auch in dieser Beziehung waren wir stets bemüht, unsre Pflicht zu thun. zu ringen und zu kämpfen sh 'tui, damit Israel lebe und nicht sterbe. Hoch über den vielen mißlichen Zustände der Gegenwart ragt Israels Fahne empor. Sie trägt die Hoff«ung als Inschrift, die Hoffnung auf eine erhabene Zukunft. Diese Fahne hoch zu halten, sic zu vcrthcidigcn, für sie Ehre und Anerkennung zu erringen, ist stets unser heißestes Bemühen. So werden wir denn unter göttlichem Beistände demnächst den 29. Jahrgang dieser Zeitschrift beginnen. Möge der allgütige Gott uns auch ferner Gunst finden lassen in Seinen Augen und in den Augen der Menschen; mögen die alten Freunde und Mitstreiter uns auch ferner treu und hilfreich zur Seite stehn; möge die heilige Sache, für die cinzutrctcn wir das Glück haben, stets neue Freunde gewinnen, möge der „Israelit" an Wirksamkeit und Verbreitung stets zunehmen! Und Ihr, Ihr edlen Freunde und Gesinnungsgenossen unsrer Zeitschrift, wir bitten Euch inständrgst, in den weitesten Kreisen für dieselbe thätig zu sein. Machet darauf aufmerksam, wie anregend und wohlthättg der „Israelit" nach allen Seiten hin seine Dhätigkcit entfaltet, Belehrung nnd Unterhaltung in Fülle bietet, vor dem Schlechten warnt und zu allem Gutem ermuntert, auf daß auch das Heranwachsende Geschlecht in Treue und Liebe verharre bei dem Gotte unsrer Väter und Seiner heiligen Lehre. — Kirre Kßanukaß-HZelrachtung. . Loa Dr. H. Säuger. (Schluß.) So zeigt Israels große Geschichte es stets unter den bedeutenden Böllern lebend, oft zwar im Üampfe mit denselben, oft auch unterdrückt, aber doch bestehend in alter Weise, in gleicher Weife seinen Weg sorrsetzcnd und so sich erhaltend. Feiern wir ja jetzt wieder wie alljährlich das Wiederbelebungsfest unseres Volles, die Wiederaufnahme seiner alten Bahn, in der es eine kurze Zeit gestört und aufgehaltcn wurde. Ter Syrerkönig wollte das Gesetz unseres Volkes abschanen, seine Ausübung unmöglich machen, das Judenthum vernichten, den Stern Israels verlöschen. Doch sein Reich ging in Trümmer, während das jüdische Volk heute noch seine feste, gesetzmäßige Bahn wandert. Auch in unserem Jahrhundert hat Israel tiefe Erschütterungen verspürt. Ein neuer Gedanke erstand. Alles Bestehende sollte umgewandelt werden, besonders die Gottesanschauung sollte eine andere Form erhalten. Auch das Judcnthum wurde von dieser Bewegung ergriffen, sollte umgeformt werden, sollte sein altes, mehrtausendjähriges Gesetz anfgebcn, sich der neuen Jdee unterordncn. Neue Ideen und neue Gesetze können aber das Weltsystem nicht ändern und auch das Judenthum nicht. Es hat noch inuner diese Ideen in ihren unwahren Theileu überlebt und wandelt seine Bahn weiter; es wandelt seine Bahn fast unbemcrkbbar, aber stetig und ruhig, und bleibt unserem Gesichtskreise nahe; während die neuen Ideen bald von anderen verdrängt werden. Fortschritt kann, wie schon gesagt, eine Sinnestäuschung sein, kann falsch aufgefaßt werden. Und wenn nran in unserem Jahrhundert immer behauptete, das Judenthum verschließe sich allen neueren Wahrheiten. allen Fortschritten der Winenschaft, sei Feind der Bildung und Aufklärung, so ist das einfach eine Unwahrheit oder eine Unkenntnis von dessen Geschichte. Wo man den Juden nicht mit Gewalt zurückdrängte, da hat er sich niemals der Wissenschaft und Bildung verschlossen. Ter Geist des jüdischen > Volkes ist viel zu lebhaft und die Erhabenheit seiner

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