Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 78-79 (13.10.1887)
- Date
- 1887-10-13
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1425 kommen lassen. Auf der einen tzreite hielte« sich ric ausnahmsweise reichen Persönlichkeiten, die Fi- ..anzbarone, auf der anderen standen die armen .\\nmrcr, Lumpensammler, Trödler und wohl auch Tiebshehlcr; dazwischen etliche Eoulissicrs, kleine «'''iU'crbctrcibcndc, auch Künstler. Tiefe durch vcriedenc gesellschaftliche Interessen auseinander gerüttenen Gruppen wurde» nun durch die Wohlthär, '!vit erst zu einer AN Familie zusammcngcschmolzen. Ter erste Versuch hiezu wurde am 24. November!M)ii gemacht mit der (Gründung eiucs ^Eousistorial- Aisschusscs zur Unterstützung und Förderung." Tic •JLVittilicbcr desselben harten die armen kraulen zu r'!eg'tt, in derZahl von .'Zehn die Lcichcnbcgängi rffc zu begleiten, in gleicher Zahl den Morgeni:::s Abendgebeten an.zrrwohncn, die Tobten zu u'üschcn, bei ihnen zu wachen und ihr Grad zu bereite». (ritte Hauptsorgc dieses Ausschusses war darauf s. .::chrct, dem Beuel unter den Juden ein Ende zu machen, der besonders an Festtagen bei den Eine..rngen der Gotteshünscr sehr zudringlich war. Allein dies stieß ans große Lchwicrigkcitcu: und bm:c nach achtzig Jahren ist, trotz aller Bemühuuch'u die Lache noch nicht besser geworden. Erst nrii das Jahr 1*4S wurde die jüdische Wohlrhätig- .'.ii Lu einer cigeiten Änstilurio» concerrrrirr. Ter frühere Eonsistorial-Ausschuß wurde is.v> zum ^Wehlthäügkcits-Ausschuß", welcher planmäßig Auüiilnn iu's Leben rief, um denk Elend aller Art -'.bzichelscit. Gegenüber der stark artgcwachfcnctt .ialU der Juden in Paris genügte die alte Organ!- ie.iro:, nicht mehr; und die großen Vermögen Ein- 'clncr konnten eine ausgiebigere Hilfe gewähren. Vor Allem aber ist hier des Verdienstes eines verständigen, gläubigen und rührigen Mannes zu gedenken, des Preßburgers Albert §lohn. Derselbe lmiic ssch zu Vien dem Ltudium der orientalischen Lvrachcu gewidmet, allerdings nicht in der Crien» lülUrfifji Akademie, von der ihn seit: Bekenntnis; ensschlost, sondern in den arabischeu/syrischcn, pcrwchen und Lanskrttwerken der Ltaarsbivlio'.hck. Hammcr-Purgstall ricth ihm: „Gehen Lic nach Baris, dorr werden ihnen alle Thürcu osscn sein." Fa der That cröffucte sich Albert Lkohu durch seine Empfehlungsbriefe im Jahre l*.;u alsbald die besten Bczichuugcu zu den Pariser Gelehrten Bnrl r-uf. Ouarremstre, Ncinand. A. Tcsgrangcr, Ionannin und er verbrachte, wie er svärer rühmte, »kostlichc Ltundcu" als einziger Hörer der Vorträge des berühmten Lnlvcstre de Lacy übrr das Peru'che. Mcbr noch als seine gelehrten Lrndien. lagen diesem -l'anire sein Glauben und das Wohl seines Volkes am Herzen. Er erschien überall, wo Juden unterdrückt oder verfolgt wurden; biennal reiste er in solcher Mission nach dem Criente, dreimal nach Algerien, Tunis und Marrokko und immer wußte er eine Erleichterung dcS^ Loses seiner Glaubensgenossen durchzusetzen. Lo war die Denkmünze gar wohl verdient, die ihm kurz vor seinem Tode, im Jahre 1*77, die ..Pariser Gesellschaft für Aufmunterung zum Guten" mit der Erklärung widmete: „Herr Albert Kolm ist ein Missionär des Wohlthuns." A. Kohn genoß hiebei des unschätzbaren Bor« rhcils. daß er im Haufe Rothschild geachtet, geliebt und zu Nathc gezogen wurde. Hier erfuhr er als Lchatzmcistcr und als Obmann des WohlthätigkeitS- AusschusseS niemals einen ablehnenden Bescheid seiner Vorschläge oder Bitten. Er war oft verschwctrdcrifch, sagt Maxime Tu Eamp, weil er ermächtig! war. cs zu fein, und ihm niemals eine Bemerkung über die Ausgaben zur Linderung jüdischen Elends gemacht wurde. Er pflegte von den - Arincn, die er besuchte, von den Lkranken, die er pflegen ließ, von den Hungrigen, denen er Nahrung susrheilte, zu sagen; „Das sind nufere Leute." Er benützte jeden günstigen Augenblick, wenn die Herzen durch die Geburt eines Kindes, durch eine glückverheißende Hochzeit, durch einen die menschliche Hinfälligkeit zeigenden Todesfall crgrisscn waren, um eit die Leidenden zu erinnern. Lo wurde. Tank ihm, der Wohlthätigkeils-Ausfchuß immer unrerstützungsfährger: feine Einnahmen wuchsen von 47,0lU) Francs im Jahre 1*41 auf 2l2,Ooi) Francs im Jahre 1-sT 1 und dürsten heute auf das Doppelte gestiegen sein. Insbesondere aber widmete A. Kohn seine Thäligkcil den jüdischen WohlthätigkeitS- Anstalten, die unter dem Namen Nortsschild-Lrimmg durch ein Dekret vom 8. April I*«:6 a's Anstalten von össeutlichcm Nutze», anerkannt sind. Dieselben nmsasscn ein Pstcgchaus für erwachsene Kranke, für kranke minder, ein Verlorgungsbaus für Greise, ein Lpiral für Unheilbare, eine Anstalt für ärztliche Eonsnltalion und rrueutaelrliche Verabreichung von Arzneien und schließlich Versorgung als genesen Eutlasicncr, kurz, „eine ganze Lradt zur Hilfe, von den reichen Juden den armen, kranken und alten eröffnet." Früher batte der Eonsistorial-Ausschuß die K ranken, die in ihrer Wohnung nicht gepflegt werden konnten, Glaubensgenossen zur Ausnahme überlassen. Denn das Lpiral-. wo sonst allerdings lein Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden in der Behandlung gemacht worden wäre , wollten Dicjeuigctt um jeden Preis vermeiden die sich gläubig an die mosaischen Lpctsevorschristcn hielten. Zm Jahr 1*20 endlich erlaubten die vorhandenen Mittel, X