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Der Israelit · 1887-10-13 · Heft 78-79 (13.10.1887) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 78-79 (13.10.1887)
Date
1887-10-13
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1426 eigene Krankenwärter eufzustellen: aber erst 1841 gelang cs. oljnc Zweifel durch die Bemühungen Alben Kohn'», ein Krankenhaus mit zwölf Venen zu micthcn, in welche» man übrigens nur .Kranke mit acuten Krankheiten ausnehmen konnte. Ta erflärtc, im Jahre 1846. James von Rothschild, scinc^lbsicht, ein eigenes Spital für feine Glaubensgenossen zu gründen. Dies spornte die übrigen reichen Juden an, hiezu bciznstcuern. Und reiche Juden gab cs fest m Folge der Ausdehnung des Eisenbahn- und Fibrilwefens nnverhälmissmässig mehr als etwa im Jahre 1828, wo James von Rothschild noch bezeichnet wurde als ein „achtbarer Bankier und empschlcnswenher Jude". - IamcS von Rothschild kaufte in der Strasse Picvus ein Grundstück von l Metern Oberfläche. liest darauf ein Spital bauen, das er am 7. April 18.12 dem (Konsistorium schenkte, mrtcr der Bedingung, dast dasselbe den jüdischen. Kranken und Kreisen gewidmet bleibe. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, der -Leine-Präfekt, der Direktor für nichtkaibolische Kulte, gaben durch ihr Crrfuiciiun der Einweihung desselben einen amtliche» Charakter. Dasselbe erweiterte sich alsbald in den grösttcn Berhältniffc» und untfastte schon im 3cptembrr 185:: 1«: Betten für erwachsene.Kranke. 24 Betten für (Greife. Heute zählt man in dcrnsclbcn l"4 Betten in drei vrrschicdcucn Abthrilungen für Männer, Kranen und Kinder. Zu diesem Spital wird eben jetzt ein neues, für Kinder, gefügt, das AlfonS von rlkotbfchild nebenan erworben hat und das seinen Namen trägt. Hier können die Kinder im Schatten eines uralten Parkes spielen, der einst dem Fräulein Elairou, von Boltairc wegen ihrer Schönheit und ihres Verstandes gepriesen, gehört halte. Die scroplmlösc» .Kinder werden in dem Scchisspiz zu Bcrck verpflegt, das Eduard und Arthur von Rothschild zum Gcdächtniss ihres Vaters Nathanicl genistet haben und unterhalten. Dieses indische Spiral har seit 18.52 bis 1887 nicht weniger als 21,»56 Kranke beherbergt, llebrigcns sind auch Nichljndcn zur ärztlichen Eonsultarioncn zugelassen, sowie zum unentgeltlichen Empfange von Arzneien: eine Erlaubnis;, von der. die Bewohner jenes Stadtviertels reichlichen Gebrauch machen. Und überhaupt findet hier Jeder ohne limeriüjieb des Bekenntnisses, dem ein Unfall ans der Strasse zustöstt, die licbrciLste Ausnahme: ja cS werden im Nothfalle für Solche auch ans der Spualskaffe die Kosten für das Leichenbegängnis; bestritten. Mir diesem Spital steht, durch den Garten, in Verbindung, das Spital für Unheilbare, eine Stiftung der Frau James von Rothschild, die auch für jedes Bett eine Iahrcsrcntc von 800 Franc» gewidmet hat. Sicdcnzig Unglückliche, davon 33 Männer und 37 Frauen, leben vier wohl verpflegt von 16 Krankcnwärtcrinncn und Krankenwärtern, bei gutem Wetter im Garten, bei schlechtem in lichten Gängen; dabei befindet sich eine mit allem Röthigen ausgcftanete Halle zum Baden; die Schlafräumc sind gross und das Ganze wird mir einer fast koketten Reinlichkeit unterhalten. Maxime Du Eamp, ohne Zweifel der berufenste Kenner der öffentlichen Anstalten von Pari», ucnm das Veriorgungshans für Greife cm Muster in feiner Art. Taffelbe diente, gleich »ach ferner Vollendung, zunächst als Ambulanz während der Belagerung von 187» und verpflegte auf seine Kosten während der Eommune 4*4 Kranke und Verwundete. Heute, da c» 88 Betten zählt, kann cs nicht mehr ganz den Bcdürfninen der jüdischen Bevölkerung dienen. In einer bedeckte» Spazicrhalle finden sich hier greise Juden und Jüdinnen, um mitcinandee zu plaudern; in den Sälen wird gespielt — das Kartenspiel ist allerdings verbsten — und geraucht; Jeder darf den Tag über ansgchen und »ach Belieben, dem gemeinschaftlichen Gottesdienst anwohncn. Der Tisch ist mir gutem Geschirre besetzt; vor jedem Platze steht eine Flasche Wein, ein Jeder har sein eigene» Zimmer für fich. niil Bett, Tisch. Lehnstuhl und Schemel versehen, und wohl erwärmt und erleuchtet; 40 Bette» für die Männer, 40 für die Frauen, 6 für Ehepaare. Eine besondere Srisrimg besteht noch zu dem Zwecke, für arme Juden, die ausserhalb wohnen, den Mrclhzius zu zahlen. Mehr als 6» Familien werden ans solche Weise versorgt. Eine andere Stiftung fichert deur ar.'nrn Juden die Abhaltung der vom Gesetze vorgcfchriebenen Todrengeberc. einen Sarg und einen eigene» Blas auf dem Friedhöfe. Es ist gewiss herzcrhcbcnd, zu sehen, was die jüdische Gemeinde von Paris auf solche Weise für ihre Kranken, Schwachen, Kreise nrrd Todte leistet, und die jüdische Wc-hlthärigkcir in Paris verdient gewiss als ein Muster für alle Welt geschildert zu werden. Maxime du Eamp aber, der uns schon so Lehrreiche» über den „Magen von Paris" berichte! hatte, ist aller Anerkennung würdig, dass er un» durch das Kapitel über diese jüdische Wohlldätigkeil nun auch ein Stück und sicher nicht das schlechteste vom Pariser Herzen enthüllt har. (Ocft. Wochenschr.)

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