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Der Israelit · 1887-10-13 · Heft 78-79 (13.10.1887) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 78-79 (13.10.1887)
Date
1887-10-13
Page
– (sequence 18)
Language
German
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{*5“? M 1424 denen kaum erst versichert werden muß, daß sie allseits die verdiente enthusiastische Aufnahme fanden, und von denen man nur wünschen kann, daß sie von allen Jenen, welchen sie galten, auch dauernd beherzigt werden mögen. Zllauscnbnrg, 23. September. Beim heutigen Empfang erwiderte der Ltaiscr der Deputation der israelitischen (Gemeinde: „Tic Bezeugung treuer Anhänglichkeit von Seite aller Meiner' Unterrhaneu ohne Unterschied der Religion ist Mir angenehm, und darum empfange Ich gerne Ihre Huldigung, indem Ich überzeugt bin, -das; Ihre Glaubeusgcnoffcn durch Treue, Patriotismus und gesellschaftliche Tugenden die Achtüng Ihrer Mitbürger anderer Eonsessionen und den königlichen Schutz sich auch ferner sichern werden." - England. London. Ta die Einführung der neuen Sheriss in ihr Amt dieses Jahr auf den 28. September. also auf den VcrsöhnungSlag fiel, wohnten die abgeherrde« Sheriss. Sir H. A. Ifaacs und Mr. Algcrnon E. Sydney, welche Israeliten sind, des hohen Feiertags halber der Ecrcmonie nicht bei, sondern ließen sich durch ihre Vorgänger vertrete». Feuilleton. Jüdische WoKklKäligKeit in ^aris. Das zweite Augustheft der ,lievue de deux im»iidrs“ veröffentlicht unter der Ucberschrifr Ja liienfai.'uiice israelite ä Inaris“, eint Tarstcllniig über die wohllhärigeu Insrirutione» der jüdischen o-cmcindc zu Paris. Ter Verfasser dieser mit vieler Wärme geschriebenen Abhandlung, Herr Maxime Tu Eamp. Mitglied der Akademie, führt in derselben der Mitwelt ein Bild der jüdischen Liebe vor die Augen, über welche er sich folgendermaßen ausdrückt. „Ich glaube nicht, das; das 2L'ort rchariuv* in dem genauen Sinuc, den wir ihm heute beilegen, in der hebräischen Sprache vorhanden ist. — Ist daraus zu schließen, daß den alten Juden das Bewußtsein und die Ucbung der vor ihrer Zerstreuung nach der Eroberung Jerusalems durch Tirus mangelte '< ^keineswegs. Sic bedienten sich dafür des Wortes Zedaka, welches, gleichzeitig Gerechtigkeit und Wohlrhärrgkeit bedeutet. Ihnen galt nämlich die Hebung der Liebe nicht als der eigenen Bestimmung anhcimgcgeden, vielmehr war sie ihnen als eine ebenso strenge Pflicht geboren wie die Gerechtigkeit: sich ihr entziehen, hieß das Gesetz verletzen.-Der Israelit war nur daun „zaddik", d. h. gerecht, wenn er wohlthätig war. Ter die Vorschriften seiner Religion befolgende Jude vcrrhcilt in hilfreichen Gaden den zehnten Theil — Maüßcr — seines Verdienstes oder Einkommens: tvcnn er hcirarhet. erdalren die Armen den zehnten Theil der Mitgift. Tiefe ietztere Hebung scheint leider außer Gebrauch zu kommen, wie die Ächtung vor den Ncbcrlicscrunge» überhaupt in dem Eontacr rnit einer zu oft übermäßig rassinirten Bildung sich abschleifr. Vor fünfzig Jahren aber hätte Niemand gewagt, diese Ucbung zu unterlassen." Bis zur Revolution standen die französischen Inden unter denselben AuSnahmsgesetzen, wie andcrrvärrs, und so ist es auch »ich: zu verwundern, daß die Zahl der in Paris geduldeten Juden damals nicht achthundert überschritt. Eine königliche Verordnung vom 14. August 1774 schloß 'sie von den Genossenschaften der Kunst und des Gewerbes aus: eine andere vom 25. Juli 1775 untersagte ihnen den Handel mit Tuch- und Kramwaarcn. „Jede Regierung", meint Herr Tu Eamp, „schien es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, gegen sic den alten legendenhaften Fluch zu erneuern, welchen die dem Indcnrhume entstammenden Bekenntnisse ihnen auscrlcgtcrr. Eingepfercht, verdächtigt, verachtet, ansgcsogcn, dcS >kindcSmords beschuldigt, Gegenstand aller Wcibcr-Äärchcn, Ammcn-Schreckbild, Schimpf und Schande ansgcscm, führten sie ein düsteres, niedriges, scheues Dasein, und waren zur Frittung desselben aus die niedrigsten ErrverbSzweige angewiesen. welche sonst Niemand betreiben mochte." Tie Revolution von 17s9 machte auch sie durch die Proclamatiou der Gleichheit der Menschen frei. TaS Gesetz vom 28. Januar 1790 gestand den portugiesischen, jenes vom 27. September 1701 den deutschen Juden das Bürgerrecht zu. Tie neue Freiheit zog aber rasch jüdische Einwanderer an, die sich so geräuschlos als möglich unter der hauptstädtischen Menge verloren. Im Jahre 1806 zählte man schon ihrer 2700, zumeist dcrrrschc Juden; besonders stark war die Einwanderung unter '.Napoleon HI., in Folge der Vermehrung der Eisenbahnen: im Jahre 1872 zählte man 28.434 Inden und heute kommen auf diedritthald Millionen Pariser 45.000 Juden, so ziemlich an zwei Drittel der in Frankreich überhaupt wohnenden Juden. Inzwischen organisirte sich die jüdische Gemeinde in Paris unnallcnd langsamcs war, als ob die E rinnerung an die früheren Verfolgungen kein rechtes Vertrauen zu den neuen Freihciteu hätte auf-

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