Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 78-79 (13.10.1887)
- Date
- 1887-10-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1416 die Hand gibt, ist durchaus unschön und b!!dti für die Christen ganz ebenso einen Grund der Wuth, wie der »jüdische Ncichthum". Lei den (Christen ist die Armenpflege freilich nicht anders und insofern noch schlimmer» als die Bettelnden unter Geschrei und Schimpfen von Haus und Hof gejagt werden, was natürlich ein noch größerer Skandal ist. Dafür sind auch die Christen die »herrschende Nation", die sich alles erlauben darf und der alles gut zu Gesichte steht, während die Israeliten, wo immer sie wohnen, wenigstens die össcullichcn Aergerniffe vermeiden müsicn. Zudem sind die israelitischen Armen, namentlich in der Moldau in der ungeheuren Mehrzahl,, einerseits weil der Haupttheil der israelitischen Bevölkerung in der Moldau wohnt, andrerseits weil in den über N Jahren seiner Regierung Lralianu mindestens CO.OOO Israeliten au den Bettelstab gebracht hat. Bon den -'0,000 Hausirerseelen abgesehen, sind wohl noch Weitere 20,000 allein der Schanker auf Dörfern und Städtchen bezw. Marktflecken zu rechnen, die von ihrem kümmerlichen Brod gebracht, nach den nächsten größeren Städten übersiedeln mußten und da in irgend einer Weise zu leben suchen. Dazu kommen alle Arien. Maller und andere Gewerbe (z. B. Spediteure), die nur ausgeübt werden dürfen, wenn der Inhaber »sich der bürgerlichen und voliliichcn Rechte erfreut" (!), was nur bei «7 reichsten Israeliten der Fall, von denen einige schon — gestorben. Gin rituelles Gemriudcbad har jede Stadt und wenn es verpacktet tft, so bringt es auch feine guten Einnahmen. Bei Zerwürfnissen aber ist cs auch damil so bestellt, wie mit de» anderen Anstalten: cs trägt die Signatur der Unbeständigkeit, Unordmuig und Unbekümmertheit, wie sie sich im ganzen Gemciudcleben manifcstircn. Um ein Beispiel anzusühren, ist das Bad in Pialra, wenn ich mich recht erinnere, im vergangenen Jahr, nachdem kurz vorher eine Reparatur von söoo Franks darauf gelegt worden war, für eine Forderung von 300 Franks, die ein Mitglied der »Gemeinde" daran Hane, an einen Christen verkauft worden, veil die Gemeinde auseinander gegangen war und sich niemand fand, der sich der Sache hätte annehmen solle». .. . * * * Hiermit ist die Exposition der Einzclnheiten, welche die Aschkcnasim bctrrsscn, erschöpft. Ich mache keineswegs Anspruch aus Vollständigkeit und Genauigkeit, denn es ließe sich noch sehr Vieles sagen, was in wenigen Aufsätzen nicht Bla« hat; auch ist eS nicht möglich. daß ein cinzclncr Mann alles übersehe. Gleichwohl ist im AÜgcmciucn alles gesagt. Was an zeitlichen und örtlichen NnZuahmm Vorkommen mag, kan» die Norm nicht ändern. Ein Vergleich mit dem, was ich über die Sephardim gesagt habe, zeigt den ungeheuren Abstand und rechtfertigt die Abgeschlossenheit der Letzteren in Betreff von Allem, was aschkcnasisch — obwohl dies der Grund allerdings nicht ist. Ganz glatt ist es bei den Sephardim nicht überall, sie haben jedoch allerorten in ihrer Mitte. eine» Faktor, der ihnen zum Wohl. bei den .Llschkenassm.zum Verderben der Gemeinden gereicht. Es sind dies die Reichen. Während bei hcn Sephardim» überall wo es noththut, die Neichen nnt ihrer moralischen Autoritär und miNhrer materiellen Zrrast eingreifen, haben die a sch kc na fischen, Reichen bis jetzt lnnd ganz besonders feil!878) durch ihre Unrhätigkcit im Innern und' durch, einzelne Akte im Aeußeren den größten Theil des Unheils mindestens gefördert. Trotz der direkten, sie also in größeren Beträgen, treffenden Einzahlungen sind bei den Sephardim, in erster Reihe ihre'Reichen, welche das Gemeindcwcsen erhalten, welche Institutionen krcircn und fortgesetzt fnbvcutionirm. Bei den Aschkenasim geschieht alles auf Initiative des Mittelstandes mit Hilfe derArmen. Tie Reichen haben für die Funktionirung einer Gemeinde kein Vcrständniß, kümmern sich nicht um die Verwaltung und schaffen auch sonst nichts. Und konrmcu sie ganz zuletzt mit eiuern Almosen angegangen, so verlangen sie alle Ehren und Rechte. Es ist dann den Iuitiativmänneru des Mittelstandes freilich nicht zu verargen, wenn sie die Ehren für sich in Anspruch nehmen und dadurch Mkßhclligkeitcn, Anfeindungen und der Zusammenbruch des kaum Entstandenen eintreten. Ich habe wohl kaum nölhig noch ein Mal hcrvorzuhcdcn, daß der Ministerialbefchluß über »Nichteinmischung" in die Angelegenheiten der israe« limcken Gemeinden wohl die (Grundursache, als beabsichtigte Folge aber und hauptsächlich der Mangel an Einigkeit es ist, welcher die speziellen und die generellen Zustände hervorgerufen hat und unterhält. T'»e Indolenz sowohl, als auch die Intrignen und Streitigkeiten aus Ehrgeiz, Eitelkeit oder Eigennutz, die unter den Aschkcnasim zu allen Zeiten geherrscht haben, diese Zustände haben den rumänischen Regierungsmännern, den Weg, den sie zur Vernichtung der Israeliten ergriffen, schon lange vor 1SC2 und 1866 vorgezeichnet. Tie Wirrsale haben dann der Negierung das Tranchirmeffer in die Hand gedrückt, mit welchem sie fortwährend ' on den Israeliten Stücke abschneidet (»aivickv er iniperL" ist ja schon 1900 Jahre alt), dieselben