Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 78-79 (13.10.1887)
- Date
- 1887-10-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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SXVffl. Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 78 & 79 ües Israelit. Lettevder Artikel. Das israelitische HemeindekeSen in Hrumänien. Ursache und Wirkungen (S.) Ton Or. Elyse« X. Cormaa. (Schluß.) Eine israelitische Neligionsstunde für Kinder dieses Glaubens gibt es in den christlichen Schulen nicht; dagegen war bis 1869 üblich, daß der Staat Mn den mosaischen Schülern ein Zeugniß forderte über außerhalb der christlichen Schule gcnoffencn Religionsunterricht, was dann bei der allgemeinen Iahresceusur mitzählte; das Zeugniß aus Gefälligkeit oder klingenden Gründen gegeben, war werthlos und ist seitdem bis vor Kurzem nicht verlangt worden. Wie ich feiner Leit berichtete, sind solche Autorisationen .zu Zeugnißerthcilungen für einige Städte wieder gegeben worden und es ist mir auch schon bekannt, daß solche mit 6 Frcs. pro Stück bezahlt wurden. Von 1869 an aber war eS ein gewisser Zwang, daß die Schüler s. L. iu der vierten Gymnasiaklasse (Sekunda) christlichen Rcligionsunterricht Mitnahmen; denn bei Unterlassung drohten ihnen Disziplinarstrafen und schlechte Ecnsuren sowohl in der „Aufführung" als auch im Allgemeinen beim Jahrescxameu *). Ter Vortragsgegenstaud enthielt allerdings keine christlichen Dogmen und ist auch kein Katechismus; cs ist jedoch eine sogenannte Aoralü crestinL (christliche Moral), die, wenngleich sie religionsphilosophische undnioralische Lehrsätze enthalt, für Kinder fremden Glaubens allenfalls und im „liberalen" Rumänen einen doppelten Gewissenszwang bildet. Schon allein der Umstand, daß c? christliche Neligionsstunde ist, welche die israelitischen Schüler aus moralischem Zwang besuchen mußten, war auf die Gemüthcr derselben von schlimmer Beeinflussung. Ter Bortrag durch einen Geistlichen in seiner in Rumänien auch als gewöhnliche Stadtklcidung üblichen Talartracht gab dem Gegenstand sein äußeres Gepräge und die 14—15jährigen Knaben erfuhren dabei nur von einer christlichen Moral, während sie von einer is- ") Las Torlujchaa wird wir bekannt, daß je yt etwa 3^-*00 israetiiische Kinder auS diesen runden den chrisilichrn KairchiLrauS lernen — ein Zeichen deS LenbrS dw miniftcnellea .Autonjaliovea.E raelitischen oder mosaischen Moral nie was zu hören bekamen. Schließlich ist mit Rücksicht auf sei» ncn Zweck bei einem solchen Buche die Exemplifikation, Romcnklatur und Berufung auf den christlichen Rcligionssriftcr, dessen Jünger und die zahllosen griechisch-orientalischen Heiligen, Märtyrer n. s. f. unvermeidlich. Das Resultat der schulprogrammmäßigeu Bestllnnlung seit 1869 ist denn auch nicht ausge» blieben: in Rumänien gibt cseine erkleckliche Anzahl mosaischer Antisemiten! Für Mädchen haben die Scphardim (so viel mir bekannt, nur in Bukarest) eine Schule, die Aschkenasim nur in Jassy erst seit dem vergangenen Jahre. Tie bukarestcr Israeliten occidcntalischcn Ritus haben vor einigen Jahren daran gedacht, im Wege des Vereins eine Mädchenschule in's Leben zu rufen, cs blieb aber bei der Anregung. Für Mädchen gibt cs rrur Ehcdarrm, dicPrivatlchrer, die öffentlichen christlichen Schulen und Pensionate, je nach Vermögen der Eltern. Es wächst jedoch aus lcyterm Grunde eine Anzahl auf, denen selbst das Hcbräischlescn nicht gelehrt wird; einige Hausgebcte, („Maudch am") iMorgengebetj, „Bcmschcn" jTischgebetj, „K'rkes Sch'mah lernen" jRachtgebetj, Keouschah u. dcrgl.), werden ihnen dann im Wege dcS Trichters bcigebracht (oder auch nicht!) Von den übrigen zum israelitischen Gemeindelcben gehörigen Einrichtungen, wie Gcmcindebad. Wlttwcn- und Waiscnvcrsorgung, sowie Armenpflege ist wenig zu sagen. Daß man Hinterbliebene nicht versorgen kann, versteht sich nach dem über die allgemeinen Zustände Gesagten ganz von selbst. Es wird auch hier der privaten Vercinsinitialive überlassen, von Zeit zu Zeit Gaben zu reichen. Tie eigentlichen Armen aber gehen an zwei Tagen der Wochen, Montag und Tonnerstag, regelmäßig von Haus zu HauS, um einzeln oder zu Zweien ihren geringen Bedarf in kleinen Münzen cinzusammeln. Manche von ihnen gehen auch SamstagS oder Freitag Abend, um speziell für sie gebackene Brode oder „Kolatschen" {.-.rn)*) cinzubolen. Tiefe Art .der Armenunterstüyung, wobei an den bestimmten Tagen auf den Straßen ganze Züge elender Gestalten sich bewegen, von welchen eine der anderen die Thürklinke in •) Ja der Moldau dackr jeder Hautzhalt seinen Brvdbrdars für dir ganze Loch« selbst. -.»■JV X