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Der Israelit · 1887-10-13 · Heft 78-79 (13.10.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 78-79 (13.10.1887)
Date
1887-10-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nachbarn und Bekannte dahinstcrbcn, aber an sie selbst schien der Tod gänzlich vergessen zu haben. Sie fühlten sich ganz vereinsamt im Leben, daZ ihnen kerne Freude mehr bot. Auch sehnten sie sich schon nach der ewigen Ruhe, nur baldigst an der Seite ihrer Thcueren und Lieben schlafen zu können. Sie stiegen daher nochmals zur Grabkapelle empor und baren hier den Propheten, sie nur recht bald aus diesem Leben abberusen zu lassen, und richtig, schon in der Nacht darauf schieden beide Frauen sanft und ruhig auS dem Leben und wurden sie dann in einem gemeinsamen Grabe am Fuße des Berge» zur ewigen Nuhe gebettet. Die ganze Gegend von Eltschi sammt dem Berge Hör muß jedoch zur Zeit der alten Pharaonen noch zu Egnptcn gehört haben, denn man findet dort noch höchst interessante Baudenkmäler der alten Egyptcr. So findet man südlich von Eltschi in einer finstern Gebirgsschlucht einen ans einem Felsen gemeißelten Tempel, der ein wahres Bijou ist und jedem Museum zur Zierde gereichen würde. Siebt man diesen Tempel, so muß man staunen über die Tüchtigkeit und Geschicklichkeit der alten Egyptcr, andererseits fie herzlich bedauern, daß sie sich so Jahrzehnte laug mit diesen Denkmälern avgeplagt haben, damit diese jept den wilden Thicrcn als Schlupfwinkel dienen. In der Mitte dieses Tempels steht ein ungeheuer großer Sarkophag aus einem besonders harten Gestein, von dem die Araber behaupten, daß er die Schake der Pharaonen in sich berge. Sie nennen daher diesen Tempel: Ehasner Firann (Schatzkammer des Pharao.) Fragt man sic, warum sie nicht den Teckel des Sarkophags heben oder lepteren gänzlich zctrümmcrn, um sich dann der in ihm enthaltenen Scharre bemächtigen zu können, so weisen sic auf ihre primitiven Haudwcrkzcugc hin, die eine solche Arbeit gar nicht gestatten würden. Und in der Thal könnte man nur mit der Anwendung besonderer Hilfsmittel oder Maschinen den etliche hundert Eenlncr schweren Deckel des Sarkophags in die Höhe heben. Wa» mag nun dieser Rmcnsarkovhag enthalten und welcher cgyprysche Körrig mag ihn hier aussrcllcn haben lassend Kein Geschichtswerk vermag uns auf diese Frage eine Aurworl zu crthcilen. Lcstlich von diesen» Tempel befinden sich die wcitläusigcr» Nuincn eines Palastes, welchen die Araber „Kasr Firann (Palast des Pharao)" nennen. Zu »vclchcm Zwecke mögen sich die Pharaonen hier in der Wüste einen solchen herrlichen und kostbaren Palast erbauen haben lauen? Man meint, daß die Pharaonen, auf ihren verschiedenen Feldzügen nach Syrien unp den Euphratläudern hier in diesem Palaste Rast zu halten pflegten. Andererseits glaubt man wieder, Salomo habe eigentlich diese» Palast erbauen lassen, damit seine Gattin, die ja eine egvprische Prinzessin war, die heiße Jahreszeit in demselben verleben konnte und befand sie sich dabei zugleich auch auf heimathlichem Loden. Und in der Wirklichkeit herrschte in diesem Palasre, der in einer liefen Schlucht lag, eine höchst erfrischende und erquickende Luft, die den Aufenthalt i» demselben höchst angenehm gemacht haben muß. In der Umgegend des Palastes findet: man auch zahlreiche Schmelzöfen und andere Änzcichcn, daß die alte» Egyptcr hier den Bergbau auf edle Melalle betrieben haben »nüssen. Lag doch hier die biblische Provinz Midjan (bei den alten Egyptern und Griechen: Madjana.) die ihrer reichhaltigen Erzlager halber bekannt war. Hier hat auch Jethro (nn*), der Schwiegervater des MoscS gelebt und vielleicht har er sogar die unweit gelegene Stadt Medina, welche noch heute von den Arabern für heilig gehalten wird, gegründet. Diese Stadt hieß nänrlich im hohen Altenlünne Aathrib, welcher Name aber später, nachdem Mobamed hier fein Grad gefunden, in Äcdiua (Medinat El-Ncbbi d. h. die Stadt des Propheten) umgcwandclt wurde. Lestlrch von Elrschi liegt da» Dörfchen Maon <pv2), wo einst die »vackere Abigajrl gelebt und gewirkt hat. Fenr I 1 t t o n. Die verschwundene Kröschaft. Eine Erzählung von?. Hanse. X. Therese war zu wunderbarer Schönheit herangeblüht. Tie hervorbrcchcnde Blume hatte sich in »roch viel herrlicherer Pracht entfaltet, als die zarte Knospe schon ahnen ließ. Ihr Körper, ein wenig über Mittelgröße hinauSgehend, zeigte, obleich kräftig gebaut, doch die zartesten Formen in tadelloser Ebenmäßigkeit. Ihr schöner Kopf ruhte auf eurem formvollendeten Halse, und über ihr feines Gesicht roar eine Lieblichkeit auSgegossen, die wahrhaft dezaubernd wirkte, besonder» für den, dem der wunderbare Ausschlag ihrer Augenlider^ einen Blick in den Neichrhum der Scelcnrvelt eröm'cie, die in der Tiefe ihrer Seele zu sch!um»»»ern schien. WaZ aber allem Diesem die Krone anfsrkte. war die fast kirrdliche Unschuld ihres Wesens, die sich in so natürlicher Ungezwungenheit gab, daß der, welcher sie nichr genauer kannre, unmöglich die Eharakterfestigkeit und Berständigkeit zu ahnen vermochte, die ihr innewohnteu.

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