Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 78-79 (13.10.1887)
- Date
- 1887-10-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1410 amüsante Griechcnfigur zu copiren. die unS Barer Homer mit so köstlichen Farben in der IliaS zeichnet. Ich gönne ihm das letzte Wort und bleibe bei meiner Erklärung am Schluffe meiner Schrift „Prof. Paul de Lagarde, nach seiner Natur gezeichnet." S. 2«: stehen, indem ich auö derselben die Worte wiederhole: „Sollte er sich aber noch einmal erheben und im adamilischcn Zustande eines Teutonen aus dem Nnvalde herausdrcchcn, so wird er mich zu einer Antwort nicht mehr hcranssordern. Ich bin mit Herrn Lagarve vollkommen fertig und erkläre jetzt mit diesem Herrn mich abgefunden zu haben." „Was ich heute nur binzuzufngcu habe, in der Ausdruck der große» Befriedigung, welche die von mehreren deutschen Professoren an mich gerichteten Briefe voller Anerkennung über meine Schrift mir gewährten, und die. mich zugleich überzeugten, daß ich das Rechte getroffen habe." Berlin, 7. Qct. Unser. Glaubensgenosse, der preußische ordentliche-Professor in der juristischen Fakultät der Universität Breslan. Tr. Behrend» welcher bekanntlich vor wenigen Jahren zum (Entsetzen aller Indogermancn vom Kultusminister als Rektor der Universitär Greifswald bestätigt wurde, ist zum Reichsgerichtsrath enrannt worden. Kassel. Eine theure Postkarte schrieb der Kaufmann Volke aus Kam! am 13. Mai d. I. an den Kaufmann Plaut in Magdeburg. Volke war von Plaut wegen einer geringen Lumme verklagt worden und aus Tankbarkcit dafür sandte er demselben nach beendigtem Prozeß aus offener Postkarte die geflügelten Worten: „Sie sind -dm echter Jude. Tic Zinsen für Ihre jüdische Handlungsweise werde ich Ihnen bei passender Gelegenheit bezahlen." Adrcssin war die Karle „An den Juden Plaut in Magdeburg." Tic Folge hiervon war, das; Volke von Plant wegen Beleidigung verklagt wurde. Ltatt nun sein Unrecht cinznscbcn und Abbitte zu leinen, verschmähte er cs, sich mir dem Kläger zu einigen. Ja. er verschlimmerte seine Lage noch ganz bedeutend dadurch, daß er in seiner angeblichen Rechtscniguugsschrist hcrvorüob, die Religion mache cs den Juden zur Pflicht, die Ehristen in jeder Weise zu übcrvorthcilcn und dergl. mehr. Ter Gerichtshof erblickte in der fraglichen .Karte eine „wüste Beschimpfung" der Religion, die jedem Menschen heilig sein müsse und war demzufolge der Ansicht, daß dieselbe eine absichtliche, gröbliche Beleidigung enthalte. Mit Rücksicht auf die Erregung, in welcher sich Volke in Folge der gegen ihn angcslreugtcn Klagen beim Schreiben der ominösen Postkarte befunden, nahm der Gerichtshof von einer Freiheitsstrafe Abstand und erkannte auf eine Geldstrafe von lOO ML. eventuell 10 Tage Gefäng» uiß, sowie auf Publikarisas-Besugniß des Klägers. Italien. Livoruo, 30. Sept. 5» rn» tot *pr rm kw. um. Unsere Stadt war noch vor drei Jahrzehnten eine c~,rai c*^-n nr^2 t?, ein Hauplfitz des Thorastudiums und der jüdischen Forschung. Außer einer beträchtlichen Anzahl von berühmten Rabbinern und Ehachamim gab cs hier noch zahlreiche Familienväter, die für einen Thcil des Tages sich ihren weltlichen Beschäftigungen zu entziehen wußten, nm denselben dem Thorästudium und der Forschung im Worte Gorrcs zu widmen. Auch fehlte cs hier nicht an einen schönen Kranz von Bachurim, aus den die Augen der italienischen Inden hoffnungsvoll blickten, da derselbe die Pflanzfchulc für unsere zukünftigen Nabbincr und Ehachamim bildete. In unseren Boche-Midraschim wurde Früh und Abends, hic und da» sogar noch in den späten Nachtstunden der Talmud mit seinen zahlreichen Excgetcn vorgerragcn, und gab es da ein Auditorium, das man nach Düsenden zählen konnte. Durchstreifte man damals um Mitternacht die sin» stcrn Gaffen unseres Ghettos, da grüßten uns zahlreiche Flämmchcn aus allen Stockwerken der Häuser, ein sicheres Anzeichen, daß man dort noch eifrig mir der Erforschung und Ergründung der Tbora beschäftigt war. Hier war es ein hochbetagtcr Rabbiner, der noch seinen Talmud-Folianten vor sich hatte, dort wieder ein junger Kaufmann, der eben über eine schwierige Stelle in der Mischnah grübelte; im ersten Stockwerke saß ein Ehacham und las voller Andacht den Sohar, während im Tachkämmcrchcn über ihm ein armer Dachur beim matten Schein seines Lellämpchens sich wieder für den Schinanr G'x'2, die italienischen Juden sprechen bekanntlich das x wie: ng" auS), den fein Rabbi morgen im Berh-Hamrdrasch Vorträgen werde, vorbereitete. So herrschte ein reges jüdisches Leben in allen unseren Gassen und in allen unseren Häusern. Seit einigen Jahren har sich dieses jedoch bedeutend geändert. Ter unerbittliche Tod hat die Schaar unserer Rabbiner, Ehachamim und gelehrter Privatmänner gelichtet und verringert cr sie «och immer *W2x ’rx Trx: trm r? rr clt, so daß schon beute von allen diesen Geistcsherocn, die dem italienischen Iudcnrhume und unserer Gemeinde zur Zierde gereichten, nur noch wenige Ueberreste vorhanden sind, während wir von ihrem Rachwuchse