Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 96 (12.12.1887)
- Date
- 1887-12-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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auf der Pyrenaen-Halbinsel keinen offenen Anhänger deS jüdischen Glaubens mehr. Gleich Egypten, war sie ihnen erst eine Hcimarh, dann ein Land der Knechtschaft und Tcmüthigung gewesen, und jetzt verließ Israel sie, um in eine Wüste hinauSzuziehcn, in eine Wüste, in der ihnen, wie ihren Vätern, die Wolken» und Fcuersäule voronzog, das Vertrauen auf den Einzig-Eiucn Gott. Plesche«, 7. Dezember. „Der Hingang der Gerechten gleicht dem Brande des Heiligthums.- Wenn dieses Wort unserer Weisen irgendwo seine Berechtigung hat, so trifft es hier zu bei dem tiefschmerzlichen, Ihnen bereits gemeldeten Hintrittc unsere» R. Eliajahu Silbcrberg. Wer den Heimgegangenen gekannt, wird die durch seinen Tod geschaffene Lücke kennen, und dem Fernstehenden den seltenen Mann, der im 49. Lebensjahre einem tückischen Leiden erlag, zeichnen zu wollen, wäre ein vergeblicher Versuch. Am 22. Kislcw 1838 in der ungarischen Stadt Szenitz geboren, besuchte er die Jcschiba des Lbcrraböiner Schreiber i» Prcßburg und die Schule des R. Lffad in Szcrvahcly, wo seine hervorragenden Gcistcsgabcu allgemeine Bewunderung fanden. Nach Vollendung seiner profanen Studien übernahm er das Nabbinat in Güns (Ungarn) und im Fahre 1874 trat er seine zweite und letzte Stellung in Plcfchcn an. Was er hier gewirkt, wie er cs hier verstanden, durch seine Sansimnih, feine Milde, seine Friedensliebe und Wohlthätigkeit die Verehrung seiner Gemeinde im Sturme sich zu erobern, davon wissen auch weitere Kreise zu erzählen. Man erinnert sich noch, wie er einst sich sein Gehalt holte, es unterwegs an Arme vcrthcilte und leer zu der seiner harrenden Gattin hciurkchrte. Wenn es einen Streit in der Gemeinde gab, er schlichtete ihn, die Zwistigkeiten zwischen Privatpersonen auch die finanzieller Natur legte er bei und wurde so im cigentlicheu Sinne ein Führer nud Leiter der ihm anvertrauten Gemeinde. Ter tiefen, bangen Trauer um den Verblichenen entsprach auch die wahrhaft glänzende Bcldciligung an der am Dienstag statigehabten Beerdigung. Tie Traucrfcicr nahm um 10 Uhr Vormittag» im Traucrhause ihren Anfang mit einer ticscrgrcifendcn Ansprache des Vorstehers Herrn M. Geliert, der den tiefen, unersetzlichen Verlust der Gemeinde schilderte. Sodann entwarf Rabbiner Tr. Bloch-Iarotschin in tiefempfundenen Worten cm Bild des Verstorbenen. Zn der Synagoge, wohin setzt die Bahre gebracht worden war, sprach zunächst Rabbiner Tr. F e il ch e nfeld-Posen, indem er anknüpsend an Psalm 85, Vers 11 den von Wahrheit und Gerechtigkeit und Friedensliebe erfüllte» Charakter des Dahingegaugenen zeichnete. Rach diesem Redner prieK Rabbiner Tr. H ild e S h e i m e r-Berlin die Tugenden deS Verblichenen, der gleich Elijah» zur Hlmmelshöhe emporgestiegen, gleich David am Sabbat dahingegangen sci. Hierauf feierte Rabbiner Dr. P l eßner- Lsrrowo die Selbstlosigkeit des Verstorbene» und schloß mit einem hebräischen Gedichte. Nachdem noch Rabbiner Dr. I a k o b f o n-Schrimm gesprochen, setzte sich der Lcichenzug in Bewegung nach dem Bcgräbnißplatze, wo noch die Rabbiner auS Stavisin, aus Kalifch und schließlich Rabbiner Dr. Ba neth» Krotoschin dem allgemeinen Schmerze Ausdruck gaben. Um 4 Uhr war die jsechsstündige Trauerfeicrlichkeit beendet und einen der besten Menschen senkte man in die kühle Erde. Wohl ihm, daß er nach einem Leben der Gerechtigkeit in eine bessere Welt dahmgcwandert, und wehe uns, daß dieser p-nr uns entrisscn worden! Gepriesen sei der Richter der Wahrheit! n-as*». Marokko. Mogador. Tie aus Marseille brieflich hierher gelangte Meldung, daß ein französisches Kanonenboot den Niger abwärts fahrend bis zu der bekannten großen Handelsstadt Timbuktu d. h. eigentlich nur bis zur Hafenstadt derselben, Kabra, vorgcdrungeu fei, denn Tirnbuktu liegt noch drei Stunden von dem Flusse entfernt, und dort nun eine gastfreundliche Aufnahme gefunden, hat nicht verfehlt, unter den Juden im südlichen Marokko eine freudige Stimmung zn erwecken, da dieselben hoffen, sich baldigst in großer Anzahl an dem genannten Flusse nicdcrlassen und von don aus mit dem Sudan, der von circa 30 Mill. Negern bewohnt ist und wo sich noch heute weder ein christliches noch ein jüdisches Geschäftshaus vornndet, in Handelsbeziehungen treten zu können. Bisher wagten es nämlich die marokkanischen Juden nicht, nach Timbuktu auszuwander», weil sic den wilden Fanatismus der dortigen Bevölkerung fürchteten. Zwar hat es in unserer Zett der bekannte Rabbi Mordcchai aus dem östlich von hier gelegenen Städtchen Akka einigt Male unternommen, eine-Geschäftsreise nach Timbuktu zu unternehmen': sich, dauernd dort nicderzulasscn, wagte er.'jedoch nicht. - Auch ein anderer marokkanischer Jude versuchtees bald nachher, in Timbuktu einen Geschästsladeu zu eröffnen: er vermochte jedoch nur, sich einige Monate in dieser Stadt aufzuhalten, wo er fortwährend in Angst und Schrecken'lebte, und schließlich mußte er von dort wieder weg. DieTimbukter waren nämlich biSder schrecklich eifersüchtig auf den heiligen Ruf, dessen sich ihre Stadt er-