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Der Israelit · 1887-12-12 · Heft 96 (12.12.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 96 (12.12.1887)
Date
1887-12-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1716 heute solche Giftsaaten des Hasses und der Der» blendung unter die Menschen streuen. Und in wunderbarem innerem Widerspruch hierzu versuchte man aus demselben Talmud auch die Wahrheit des Christcnthums zu deducircn, natürlich,, indem man Stellen auf die willkürlichste Weise deutete, und die Juden sollten in öffentlichen Rtligionsgesprächcn hierüber Rede stehe». Es war ein Turnier, wie eS das Mittelalter liebte, nur mit den Waffen des Geistes; aber allzu ungleich waren hier den Kämpen Kampfplatz und Kampfweise zugemcssen. Die Vertreter des Christcnthums traten auf im Vollbesitze der Macht, durch die Gunst ihrer Könige geschützt: ja einmal präsidirte, in der Disputation zu Torlosa, 1414, ein Papst Benedikt XIII. Tie Juden hingegen mußten jede» scharfe Wort der Eutgegnung vermeiden, daS ihnen als ein Angriff aufs Christenthum gedeutet, und für das nicht jallein der kühne Redner, sondern auch die Gesammrhcit verantwortlich gemacht werden konnte. Diese religiösen Gespräche brachten indeß wohl ebenso wenig, wie die Bckchrungspredigten, zu deren Anhörung die Juden gezwungen wurden, Jemand zum Abfall, wirksamer waren die Waffen der Gewalt. Viele blutige Verfolgungen brachen über die Juden Spaniens herein, die schrecklichste im Jahre 1361, bei welcher die Gemeinden des.südlichen Spaniens zum Opfer fielen. Cs ist unmöglich, die Zahl der Niedergemeyelten anzugeben. Manche waren so glücklich, fich durch die Flucht nach Rordafrika zu retten; viele aber erkauften ihr Leben, indem fie zum Schein das Christenthum annahmen. Für das schwere Vergehen haben sie schwer gebüßt; für den einmaligen Tod, dem sic entgangen waren, tauschten sie ein Leben ein, das entsetzlicher war als der qualvollste Tod. In dem Bestreben, den väterlichen Glauben soviel wie möglich zu bewahren, und ans ihre Kinder das Bewußtsein ihrer Angehörigkeit zum Judenthum zu vererben', wurden sie und wurden später ihre Nachkommen von den Argusauge» der Kirche überwacht. Besonders wurde die Lage dieser Maranncn oder Scheinchristen, seitdem am Cndc des fünfzehnten Jahrhunderts jenes furchtbare Tribunal der Inquisition zu neuen Leben erwachte, welches in Spanien zugleich ein Werkzeug in der Hand des politischen Despotismus und des religiösen Fanatismus war. Ter Großinquisitor Torqucmado, der selbst von jüdischer Adstanimung war, organisirte einen Vcrnichtungskampf gegen die Maranncn, und jede Leidenschaft des Mcnschcnherzens wurde in den Dienst der Inquisition genommen; die Habsucht, indem dem Angeber ein bedeutender Anrheil am Vermögen des Verurtheilten in Aussicht gestellt wurde; die Furcht, indem die Unterlassung der Angabe als todeswürdiges Verbrechen gestraft wurde. Ter Bosheit und dem persönlichen Haffe wurde Gewißheit gewährt, daß der Angeklagte nie den Namen seiner Ankläger oder der Zeugen zu erfahren brauchte. In die Häuser der Verdächtigen wurden Dienstboten gesandt, die alle Handlungen überwachen und auch die geringste Zuneigung zu jüdischen Gebräuchen zur Anzeige bringen mußten. So flammten in ganz Spanien die Scheiterhaufen, und kein religiöses Fest wurde seitdem gefeiert, das nicht durch ein Autodafe verherrlicht wurde. Aber Torqucmado konnte sich nicht darüber täuschen, daß alle diese Maßregeln das Judemhum nicht aus dem Herzen der Maranncn verdrängen konnten, und da faßte er denn den Gedanken, die Juden aus Spanien zu vertreiben, damit die Scheinchristcn an ihnen keinen Rückhalt tnehr hatten. Seine Versuche bei Ferdinand und Jsabclla hatten erst günstigen Erfolg, als die letzte Besitzung der Mauren aus der Pyrenäen-Halbinsel, Granada erobert war. Da Unterzeichneten Ferdinand und Jsabclla das Dekret, das alle Juden ans Spanien verbannte. Ton Jfak Abarbanel, ein hochgeblldeter und dabei für feine Religion begeisterter Jude, der am Hofe des Königs von Portugal eine hervorragende Stellung bekleidet, dann, von dessen Nachfolger bedroht, sich nach Spanien geflüchtet hatte und hier wegen seiner außerordentlichen staalsmännischen Tüchtigkeit bei Ferdinand und Jsabclla zu hohen Ehren gelangt war, suchte das Unheil von seinen Glaubensbrüdcrn abzuwcndcn, aber Torqucmado vereitelte seine Bemühungen. So blieb denn den Juden nichts anderes übrig, als die Auswanderung. Man hatte ihnen zwar gestattet, ihre Besitzungen zu verkaufen, aber diese Vergünstigung fast illusorisch geuiacht, indem man ihnen verbot, edle Metalle oder Edelsteine mitzunrhmen. Am neunten Ab wanderten sie fort. Tie glücklichsten waren die, welche den Weg nach den mohamcdanifchen Ländern einschlugen, wo sie einer gewissen Duldung begegneten. Tie sich nach Navarra geflüchtet, wurden auf Betrieb des spanischen Königspaares bald auSgcwiesen, und auch aus Portugal, wo schon vorher manches Leid die Flüchtigen getroffen, wurden alle Juden verjagt, als der König Ton Manuel sich mit einer spanischen Prinzessin vermählte; ja hier wurden den Juden auch die unmündigen Kinder geraubt und getauft, so daß manche, die nicht geschwankt hätten, wenn's nur ihrem Leben gegolten hätte, zurückbliebev, in der Hoffnung, das Herz ihrer Kinder dem Judenthum zu erhalten und vielleicht später mit ihnen nach einem Lande zu entfliehen, wo sie sich frei zum Väterglauben bekennen dürften. So gab es denn

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