Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 96 (12.12.1887)
- Date
- 1887-12-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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sich öffentlich znm ISlam, so wie sic auch jeden Freitag dem Gottesdienste in der Moschee anwohnen, im Geheimen aber verehren sie auch den Luster des chrisrlichcn Glaubens und ihren Messias Labbatai Zewi. Lie nennen diesen Moschiach Ben David, jenen aber: Mosänach Ben Mirjam. Bor Beginn ihrer Häuslichen Andacht oder wenn sie irgend eine religiöse Zeremonie vollziehen oder Freunde bei sich empfangen, so machen ne immer das Zeichen eines r»jn *rr über ihr Gesicht; ihre Gebetbücher hingegen sind mit Ltcrn und Halbmond, ganz so. wie bei den MoSlims. geschmückt. Ihr Kaftan ist gewöhnlich seinem Längcnschnitte nach roch und grün eingcsänmt und da sic dann auch einen Gürtel um den Leib tragen, so zeigen sie auch an ihren Kleidern, wenn auch ganz unkenntlich. das rr.jr. *rr. Ihre Namen sind die üblichen türkischen und gebrauchen sic fast nie den Namen Labbatai Zewi, thcils um denselben nicht zu profaninren, thcilS auch, damit dieser Name sie nicht vcrrarhe. Als angebliche Mohamcdaner feiern die Maurin! statt des LabbatS selbstverständlich den Freitag als Ruhetag, an welchem Tage sic daun auch die Moschee besuchen. Indes; spielt auch bei ihnen gleichwie einst bei ihren Voreltern. der Freitag Abend eine bedeutende Rolle. da sic an demselben ihren Tisch mit besonderen Gerichten schmücken, unter denen die Fische den erneu Rang cinnchmcn. Tic Fische kaufcu sic gewöhnlich erst am Nachmittage, was von rcligioriSwcgcn auch geftartet ist, da die Mohamcdaner den Freitag mehr als einen Gebets-, als einen Ruhetag betrachten. Biele von ihnen gönnen sich dann auch zu den Fischen heimlich ein Gläschen Wein, den sic als MoslimS nicht berühren dürfen. Am Freitag und Montag Abend finden ihre schon erwähnten geheinren Zusammcn-!futftc (Miad) statt, zu denen kein Andersgläubiger Zutritt erhält. Ich will jedoch hier sogleich bemerken, das;, obwohl ich nicht im lynifcrnrcficn daran denke, mich zum Berihcidiger oder gar Lobrcdncr der Gattin Labbatai 'Zcwi'S. der durch ihre Unzüchtigkeit historisch berühmt gewordenen Frau Lara, anfznwcrfcn, da sic cS doch eigentlich war. welche auf die horrende Idee kanr, die Anhänger ihres Gatten auch für sich zu gewinnen, um sic dann desto fester und enger an diesen selbst knüpfen zu können, wobei ne sich zugleich auf den BibclvcrS: n.—x-2'2 7ra crx berief, so ilmt man ihr doch Unrecht, wenn man meint, sic habe diese Idee auch erfunden. Tic Litten- und Zügellosigkeit hat diese Frau gewiß bei den Trusen im Libanon kennen gelernt und sic dann im Inicrepc ihres Garten anSzubcntcn gesucht. Tie Trusen nämlich, welche sich gleichfalls öffentlich zum Islam bekennen, pflegen noch heute den Astarten-Eultus, so wie sie ihn von ihren zügellosen Voreltern, den Phöniziern, Ammoniten, Moabircn und anderen Völkern LyricnS» von denen sie doch eigentlich abstammcn*), übernommen haben. Bon den Phöniziern ist es doch historisch bekannt, daß ihre Tempel Lrntstättcn des abscheulichsten Lasters waren, und die Frauen, die als Pricsicrinnen in denselben fungirtcn, führten das zügelloseste Leben. Tie Trusen kommen nun gleichfalls Freitag Abends heimlich zusammen, wobei aus das Geschlecht keine Rücksicht genommen wird. Kein Lichtstrahl darf dann den Raum erhellen, in dem diese Zusammenkunsr stattfindct, und jeder Fremde, der dort ciuzndringen versuchen wollte, würde augenblicklich erdolcht werden, ohne daß man wüßte, wer der Thärer war. Dieselbe Rache trifft auch die eigenen Söhne des Truscuvolkcs, falls sic eS wagen sollten, über diese mysteriösen Zusammenkünfte Enthüllungen zu machen. Tic Behörden kennen wohl diese geheimen Zusammenkünfte der Trusen, vielleicht sogar auch den Zweck derselben: sie wagen dennoch nicht dagegen crnzuschrcitcn, weil die Trusen ein kriegcrischcs Volk sind und sich sogleich erheben würden. Achnlich wie die Trusen, sollen cs nun auch die Mamini in Lalonickii treiben, nur mit dem Unterschiede, daß ne. da ihre Ltadt nicht tm Libanon, sondern in Europa liegt und anch ein großes Lee-Emporium ist, in dem die Kanfleuic und Fahrzeuge des ganzen Abendlandes zmammcnströmc». sich ein bischen mehr Reserve auflcgcn und ein wenig vorsichtiger sein müssen. Ihre Znsammenknnsre sindcn daher in den verborgensten Gemächern im Hause eines Mitgliedes statt und wird der Zutritt zu denselben stark überwacht. Achnlich, wie den Freitag, feiern die Mamini anch die übrigen Festtage der MoSlims, dagegen versichert man, das; sie heimlich mit den Juden den BersöhnungSrag und mit den Ehristcn den Geburtstag des Lüfters ihres Glaubens begehen. Ten Geburtstag Labbatai Zcwi'S dagegen (derselbe ward bekanntlich am Tischad-Lcab ici2t; zu Lmyrna geboren), begeben sic öpentlich als eine Art Halbfcsttag, da sic behaupten, derselbe sei ein ausrichliger und übcrzcugungstrcncr Moslrm gewesen, und habe er den Koran als den Abschluß der göttlichen *) Äli «enbftib, brr König von Lnyrien. in Serien ein siel. um üch bir; prooin;;n uulenoerirn. da itüäueren üch zablreichr ocn:i!:tn von fcnx don tebenden L'ötterschafrea in die unzugängUchen und sicheren Lchtuchren des Libanon.