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Der Israelit · 1887-12-12 · Heft 96 (12.12.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 96 (12.12.1887)
Date
1887-12-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1711 Kavaliere Franchetti unseren Tempel besucht und für die jüdischen Armen 1000 Lire gespendet, welche auf besonderen Wunsch der Königin sofort zur Vcrrheilung gelangten. Florenz, 24. November. Diese Woche verschied hier der bekannte Orientalist und Bibelforscher B c n j a m i n <5 o n f o l o in einem vorgerücktem Alter. Er hat die mytt (Klagelieder des Jeremias) und das im -£D (Buch Job) ins Italienische übertragen. Auch hat er sonst noch verschiedene wissenschaftliche Arbeiten der Oeffentlichkeit übergeben. Wenn ich nicht irre, lebt noch ein Bruder des Bcrstorbencn in Nom, der gleichfalls ein bekannter Oriema'.rsl und Bibelforscher ist und wurde er vor einigen Jahren vom jetzigen Papste LcoXlll. in Privataudienz empfangen, der sich mit ihm dann eine längere Zeit über die hebräische Sprache unterhielt. Siena, «r. November. Dem hiesigen Erzbischof ist cs vor einigen Tagen gelungen, einen jüdischen Familienvater mit seiner Gattin und seinen fünf Kindern zum Abfalle vom Glauben der Bätcr zu bewegen und sie für seine Kirche zu gewinnen. Es war dies nämlich der Optiker Pafsigli, der in der letzten Zeit mit Noth zu kämpfen haue. Als der Erzbischof von der vcr-weifelten Lage dieser Familie Höne, bot er ihr seine Hilfe an; aber unter der Bedingung, daß sic dafür zur katholischen Kirche übertretet Frankreich. Paris. Baronin Salomo» v. Rothschild hat dem isr. Znflnchtshausc für Kinder in Ncnilly 30,000 Frs., dem Verein für arme Wöchnerinnen 10,000 Fis. geschenkt. Rußland. Petersburg. Dem „Grashdamn" zufolge ist die Frage, ob de« Juden der Aufenthalt in Rostow am Don gestaltet werden soll, dahin entschiede» worden, daß diejenigen Juden, welche dort ein unbewegliches Eigcnrhum besitzen, noch während dreier Jahre in Rostow verbleiben dürfen, während die, welche ein solches Eigcnlhum nicht haben, die Stadt binnen sechs Monaten verlassen müssen. Türkei. Konstantinopel, 24. November. Bor wenigen Tagen bauen wir das zweifelhafte Vergnügen, zwei seltene Gäste in den Mauern unserer Stadt zu beherbergen. Es waren dies zwei Mamini (Anhänger des bekannten falschen Messias Sabdatai Zcwi), die eigen? von ihrer Gemeinde in Salonichi hieher geschickt wurden, um unter den Juden hier Proselyten zu machen nnd zugleich auch unter ihren hier lebenden Gesinnungsgenossen eine Geldcollecte für ihre Eultusangclegenheiten zu veranstalten. Salonichi ist nämlich die einzige Stadt im türkischen Reiche, zweifelsohne aber auch die einzige der Erdennmde. in der sich noch heute Anhänger dieses falschen Messias in beträchtlicher Anzahl vorfinden und sogar auch eine kleine Gemeinde dort mit eigenen Institutionen bilden. Hier in Konstantinopel leben nur wenige Mamini. die alle aus Salonichi hieher eingewanden sind und bilden sie hier keine Gemeinde, ebenso wenig wie sie ein Bcrcinslokal hier besitzen. Rach anrtlichcn Quellen soll deren Anzahl in Salonichi an 3000 betragen; wie mir jedoch dortige Juden versicherten, belaufe sich deren Anzahl auf mehr als 6000, da sie ganze Quartiere in dieser Stadt innehabcn. Eine genaue Zählung derselben konnte bisher schon dcßhalb nicht vorgenommen werden, weil sie sich öffentlich für Mohamedaner ausgcbcn und sich auch gänzlich türkisch kleiden. Auch die zwei Mamini, die hier weilten, trugen die übliche türkische Tracht: Fez, Turban, Kaftan, blaue Pluderhosen und gelblcdcrne Schuhe und fehlte auch der .Rosenkranz*) nicht in ihrer Hand, den sic fortwährend durch ihre Finger gleiten ließen. Ihrer Beschäftigung nach sind sic gewöhnlich Handwerter oder Feldbaucr, doch finden sich auch viele angesehene Kaufleute, dann Stadt- und Staatsbeamte unter denselben. Ihre Kinder schicken sie in die össcmlichcn mohamcdanischcn Schulen, da dieselben cm nach znrückgclegtcm dreizehnten Lebensjahre in die Mysterien ihres Glaubens cingeweiht und erst nach zunickgelegtem. scchszehnten in die Gemeinde ausgenommen und dann zu den nächtlicheu Zusammenkünften derselben, über die ich später ausführlicher sprechen werde, zugelasscn werden. Jndcß hängt ihre Znlasiung zu diesen nächtlichen Zusammenkünften immer von der Zustimmung ihrer Eltern oder ihres Vornnmdes ab. Als Abkömmlinge von Juden-bedienen sie sich noch heute im Gespräche vieler hebräischer Worte, so: Nuach Hakodcsch . Äoschiach, Tischa-Bcab ic. Tic Gelehrten unter ihnen, besonders ihreEhodschas (Lehren und Jmamc (Prediger), besitzen zuweilen auch schöne Kenntnisse im Hebräischen und der heiligen Schrift; der Talmud ist ihnen nur vom Hörensagen bekannt. Wie schon erwähnt, bekennen sic *) Be!annr!ich btbifr.cn »ich auch die Mohamedaner bei iS«r ÄndaLr eines Rosenkranzes, brr immer aus SS Kugel» deneht. au dev» fie dann dir SS Öigenschastt» Volkes hersagen.

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