Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 96 (12.12.1887)
- Date
- 1887-12-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1709 Zeituvgsuachrichtcn sinb Correspondcuzeu. Oefterr. - Ungar. Monarchie. ' Wien. Der Demokrat nnd Abgeordnete Tr. Lueger hat den Photographen und Abgeordneten Wrabctz seine Zeugen geschickt, um von ihm Genugthuung zu fordern. Die Fehde zwischen Lueger und Wrabctz datirt schon, seit Langem. Am 10. Octobcr hat Tr. Lueger bei einer Wählcrvcrsamnilnng den Abgeordneten Wrabcv direct beschuldigt, daß er von Rothschild bestochen sei und er hat seitdem jeden paffenden oder auch unpaffenden Anlaß benutzt, um -Wrabctz einen „Iudenkuccht" zu nennen, der im Dienste der Allianz steht. In Erwiderung auf diese Liebenswürdigkeit hat nun der Abgeordnete Wrabctz den Tr. Lueger als einen Verleumder erklärt, mit dem er nicht zusammen in einem Locale bleibcn wolle. Ter Herausgcfordcrte hätte sich wohl vermöge seiner Eigenschaft als Photograph mit der Hoffnung schmeicheln können, er werde seinen Gegner leicht treffen, allein er zog es nichts dcstowcnigcc vor, den Dr. Lueger auf den Weg dcS Bezirksgerichtes zu verweisen, der wieder diesem vertrauter sein mußte. Tic Haltung des, Abgeordneten Wrabcy ist mrr zu billigen. Freilich kann keiner cs der ganzen Welt recht ruachen. Das „Vaterland" z. B. mißbilligt das Verhallen des Abgeordneten Wrabctz auf das Schärfste, obwohl cs anderseits zugcben muß. daß schon das Eonzil. von Trient das Duell slrengsreus verboten hat. Das „Vaterland" widerspricht sich da wohl in eitlem Athcm, aber das gcnirt dieses Blatt nicht sonderlich, da cs an den.Stampf gegen Logik und Vernunft schon so gewöhnt ist, als ob auch letztere ganz vcrjudct wären. Ter Gemcinderath Sigmund Mayer hat sich ein entschiedenes Verdienst dadurch erworben, daß er in der vertraulichen Sitzung, die am letzten Donnerstag stansand, an dcn Vice-Bürgcrmcistcr eine Interpellation richtete, welche die „ritterliche" Action eines Mirtclschnl-Lehrers in scharfer und zutreffender Weise behandelte. Der Gymnanal-Proscffor Ficgc! hat sich, nach einer von ihm selbst verönentlichten Erklärung, zum Eartellträger des Dr. Lueger hergcgeben und dem Rcicksrarhs-Abgeordncten Earl Wrabctz eine Heraussordcrung »verbracht. Er hat jid) dadurch über die Gesetze des Reiches, in denen Diensten er stein, dcffen „Rath" er sein soll, hinwcggcsctzl, er hat damit seinen Schülern, „denen er nicht dlos in der Schule, sondcnr auch im Leben als Vorbild zu dienen verpflichtet ist, ein Beispiel von Rohheit nnd sittlicher Verwilderung zu geben gewagt." Gestern schon war der Herr Statthalter, bei feinem regen Rcchtsgefühl, gewiß auch zu eigener angenehmer Genugthnung, in die Lage versetzt, in Folge „Aufträges des llnterrichtsministers" den Bürgermeister zu ersuchen, in dieser Affaire „dcn Sachverhalt festzustcllcn und das Resultat der Erhebungen, sowie die gefaßten Beschlüsse dem Landesschulrathe bekannt zu geben." Wien. Bei den Verhandlungen über den Abschluß eines Handelsvertrages zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn intcrveniren auf beiden Seiten zwei hervorragende Juden. Das Königreich Italien hat bekanntlich den jüdischen Tepmirten Luzzatti, dcn Vorsitzenden des BudgctausschuffcS im italienischen Parlamente, zu dcn Verhandlungen delcgirt. Von seitens der gemeinsamen Regierung von Oesterreich-Ungarn ist der Seidcnwaaren-Fabrilün! Leopold Tredirsch als Sachverständiger zu diesen Verhandlungen dcigczogcn und nach Rom entsendet worden, um mit feinem fachmännischen Rathe unseren Tclegirtcn zu unterstützen. Biftritt in Siebenbürgen , Ende Eheschwa». Am G. November fand dahier die Einweihung einer neucrbanten rcformirtcn Kirche statt. Wenn man bedenkt, daß vor drei Dezennien ein Jude in Bistritz noch nicht übernachten durfte, so wird der merkbare Fortschritt der Toleranz in hiesiger christlicher Bevölkerung nur noch mehr zu bewundern sein. Der seiner großen Gelehrsamkeit wegen weit über die Grenzen unseres Vaterlandes berühmte Bischof Dominik von Spaß vollzog den Einweihungsact, nach welchem er die Deputationen verschiedener Eorporalionen der Stadt und des Eomitatcs empfing. Unter dcn Deputationen war auch die jüdische Gemeinde mit Rabbiner Horowiy an der Spitze, vertreten. Anlchucnd an dcn talmudischen Spruch n*3 nra, daß der Jude beim Anblicke eines nichtjüdischen Weisen verpflichtet ist, Gott zn preisen und ihm zu danken, daß Er von Seiner Weisheit einem Menschen mitgctbcilt hat, begrüßte Herr Rabbiner Horowitz dcn Bischof mit einer gediegenen ungarischen Ansprache. Der Bischof erwiderte in warmen Worten und längerer Rede Folgendes: „Diese Tradition, „von welcher der ehrwürdige Herr Redner gesprochen, „weiß ich voll und ganz zu schätzen: denn es ist „die Tradition einer Religion, aus welcher die „Propheten und andere große Geister hcrvorgegangea ..sind und aus welcher auch unsere reformiere Re- „ligion abgeleitet ist. Und sind wir auch heute in „religiöser Beziehung anderen Sinnes, in gegenteiliger Liebe und Zuvorkommenheit