Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 96 (12.12.1887)
- Date
- 1887-12-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Glaubens, daß jede Veränderung eine Stönmg der WeUordnung hcrbcisührcn und das ganze System gefährden würdet AnziehungS- und Abstoßungskrafl erhalten die Welrkörper in ihren Bahnen, sind die Gesetze ihrer Bewegung. Toch auch am Himmclsraume treten zuweilen neue Erscheinungen aus: noch nie dagcwescne, noch nie gesehene Gäste, glanzvolle Sterne — Kometen nennt man sie — kommen plötzlich mit großer Schnelligkeit in unseren Gesichtskreis, in unsere Nähe, funkelnd und strahlend, mit eineol herrlichen schweife, ganz anders, wie all jene bekannten Sterne unseres Sonnensystems — scheinbar frei und ungehindert ihre Bahn cinhcrwandclud, ohne Rücksicht aus die schon längst daseicnden festen Sterne. Tie ganze Welt richtet staunend und aufmerksam ihre Blicke aus diese fremden, glanzvollen Gäste und man glaubt, daß sie in ihrem kühnen Laufe bald da, bald dort auf einen Weltkörver stoßen und ihn zertrümmern. Toch nichts von all Tcm geschieht. Ter srenrde Gast entfernt sich wieder, wie er gekommen, sein Glanz entschwindet und er scheidet vielleicht auf Rimmerwiedersehen, scheinbar ohne Wirkung, ohne Acndcrurtg und ohne Störung in der bestehenden Wcltvrdnung hcrvorgerusen zu haben. GS war eine vorübergehende Erscheinung; wir wissen nicht, von wannen sic gekommen, wohin sie gegangen: kennen nicht ihren Weg. wissen nicht, waS sie bezweckt, und bald wird sic wieder vergessen. Tic Welt geht ruhig ihren Weg weiter. Unser Bolk mit seinem festen Goucsgesctzc, das in feinem Wesen keiner Veränderung unterworfen, ist ei» zum Weltganzcn gehörender Körper, der mitbeiträgt zur Erhaltung des Ganzen. Rach ewigen Gesetzen ist seine Bewegung geregelt, die es nicht ohne die größte Gefahr für sich und Andere verlassen darf, lind so bewegt cs sich gleichmäßig unter den andern Völkern seit uralter Zeit, seitdem cs ein Bolk, einen Theil des Weltganzcn bildet. In seinem Gesetze blieb cs unveränderlich, aber den Wcltlauf hat cs mitgemacht, war dauernder und beständiger, als alle anderen. Unter den Völkern traten zuweilen glanzvolle, strahlende Erscheinungen aus. die alle übrigen überstrahlten und zu zertrümmern drohten, die sich nickt um alte, bestehende Gesetze zu kümmern schienen und willkürlich sich ihre Bahn wählrcir. Anfangs staunte man sie an, doch sie verschwanden. Und so zeigten sich im Einzcllcden des Volkes Erscheinungen, die alle bestehenden Bolkscinrichiungen auszulösen und umzustürzrn drohten. Reue Gedanken tauchten aus, schön und blendend. Alles begeisterte sich für dieselben, staumc sie an und bewunderte sic. Man betrachtete, ihnen gegenüber, alles Bisherige als veraltet. Mit diesen neuen Ideen wähnte man die alte Welt aus ihren Angeln heben und eine ganz neue, ungeahnte, nach neuen Gesetzen sich aufbaucudc und entwickelnde Welt schaffen zu können. Tie neuen Ideen erwiesen sich aber bald als unvereinbar mit den Wertgesetzen; ihre Schattenseiten zeigten sich nur zu bald, ihre zerstörende und sich selbstaustöscndc Wirkung machte sich fühlbarer, und imnrcr dauerte cs nnr kurze Zeit, daun war ihr Glanz vorüber, die Verwunderung verwandelte sich in Enttäuschung. Es zeigt sich im Weltganzen, wie im Bölkerleben, so auch im Leben des Einzelvolkes, daß nur das von Bestand und Tauer ist, was auf festen, wahren Gesetzen beruht, sich nach festen, unverrückbaren Gesetzen bewegt. Tic Erhaltung des Weltsystems durch die gleichmäßige und gesetzmäßige Bewegung ist sein Fortschritt und ist auch der einzig wahre Fortschritt im Völkericöcn, wie auch!m Leben des Einzelnen. Und die Erhaltung und der Bestand des Iudcuthnms durch fein Gesetz und durch die Bewegung nach demselben und innerhalb desselben ist demnach auch für dasselbe der einzig wahre und richtige Fortschritt. Dadurch ist auch das Iudeuthum von jeher ein fortschreitendes Bolk gewesen und geblieben. Ter Fortschritt aber, der nicht erhält, nicht nach Gesetzen, sondern nach Laune und Willkür sich richtet, ist eine einfache Entfernung in'S Unendliche. Seicht umsonst lassen unsere Weisen den Bestand der Welt von dem Bestände des jüdischen Volkes abhängcn. Tenn sollte dieses mit seinen ewigen, erhaltenden Gesetzen, die ihm, ähnlich dcuHimmclSkörvcrn, eine feste, gleichmäßige Bahn vorschrciben, zerstört und vernichtet werden können durch eine neue, diesen Gesetzen widersprechende Idee oder deren Repräsentanten; so müßten auch die Himmelskörper durch erneu neu austauchenden Körper, dcr sich nicht in die allgeurcine Gesetze und Bahnen fügt, ans ihren Bahnen gedrängt und zerstört werden können. TaS Eine ist nicht wohl anzunehmen und — wie die tausendjährige Erfahrung lehrt — auch das Andere nicht. Wohl ist das jüdische Bolk zerstreut worden; aber jeder einzelne Theil desselben zieht dieselben Bahnen, lebt nachdem demGcsammtvolke gegebenen Gesetze, besteht und erhalt so das Iudcmhum und ist in jedeur Momente geeignet, als Bolk wieder inmittcn dcr Völker cinhcrzuwandeln. Tiefe ewige Befähigung, seine ihm von Gort vorgczeichncte Bahn zu wandeln, ist wieder ein sicherer unumstößlicher Bewci , daß cs nicht zurückichrciret, daß es mit- und vorwärtsschrcitct umer den Völkern, I (Schluß folgt.)