Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 96 (12.12.1887)
- Date
- 1887-12-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVm. Jahrgang. KenLrat M> SS. Der Israelit. Ei« Organ für das orthodoxe Iudenlhum. HerarrSgcgcben von Dr. Lehma«« in Mainz. Montag, den 12. Dezember 5648 (1887). Ta mit dem I. Januar ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir UNS, die geehrte» Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post daS Abonnement frnhzcitig erneuert werden muß» damit die Acrseodung keine Unterbrechung erleide. Leitender Artikel. Kine KHattuüaH-Netrachlttng. Dr. H. Sänger. •nrrs nrr c»n irri ara cs r:szs irx ra “V nrji nsn rx ~m zx r,x j—.n nns cii -em „So spricht der Ewige der Hccrschaarcn: Wenn du meine Wege wandelst, und meine Vorschrift beobachtest und dn auch mein Haus verwaltest und auch wahrest meine Höse: so mache ich dich zum Leiter und Führer, zu Wandelnden unter denen, die da stehen." Nach diesem Urtheile Gottes sind wir also, wenn wir Seine Gebote erfüllen. Seine Verbote beobachten nach Innen sowohl wie nach Außen, Fortschreitende unter den Stehenden, sind wir Führer und Leiter. Anders lautet das Unheil der Welt, anders urthcilt die jctztlcdcnde jüdische Welt. Wer heute 4l0ch Gottes Gesetz strenge beobachtet und an ihm festhält, der wird heute von der Welt des Stillstandes geziehcu, des starren Fcstdaltcus in unserer Zeit der ewigen Bewegung, des steten Fonschritts. Lei solchen schroff sich wider-sprechendem Unheil muß natürlich ein Eiwas vorhanden sein, welches bei dem einen Theil, der ein falsches Unheil har, eine ganz andere Meinung hcrvorrnft, einen ganz andern Eindruck macht. Es gibt ja bekanntlich Sinnestäuschungen. Wer in einem Eiscubahnzuge mit rasender Schnelligkeit dahinflicgt und seine Blicke aus außerhalb stehende Dinge richtet, der meint, nicht er bewege sich, sondern die Bäume und Felder, Hügel und Berge. Wer auf einem Schiffe fährt und einem andern in die entgegengesetzte Richtung sich bewegenden begegnet und seine Blicke nach jenem sich entfernenden Schiffe richtet, brr glaubt, das andere fahre mit doppelter Schnelligkeit. Daß diese Täuschung gerade dadurch hervorgernfen wird, daß das eigene Schiff mit gleicher oder größerer Geschwindigkeit sich vom andern entsernt, weiß Zeder. Vielleicht beruht das Unheil unserer Zeit in Betreff deS Stillstandes des alten ZudcnrhnmS auf einer ähnlichen Täuschung. Man hat sich in den Gedanken, oder .in das Vorunheil hincingclebt, das Iudenlhum bestehe aus starren, unbeweglichen Gesetzen und Fonnen, und richtet von diesem Standpunkte aus feine Blicke auf die sich lebhaft bewegende Welt, aut die ewig wechselnden Vcrhältniffe. Sitten, Gewohnheiten und Anschauungen anderer Völker und meint dann das Iudenthum stehe still, bewege sich nicht, nehme keinen Antheil daran, während jene sich rasch vorwärtsbervcgen und eine um so größere Eutfernung zwischen sich und dem Iudcnrhume Hervorrufen. Würde man aber ein klein wenig ans das Judenthum achten, die Täuschung müßte schwinden. Das Iudemhum mit seinem Fortschrciten gleicht der ewige» Bewegung des GefammtwclrkörperS. Alle Körper bewegen sich nach bestimmten Gesetze», in bestimmten Bahnen, dadurch Gesetzmäßigkeit und Ordnung aufrecht erhaltend, dadurch allein sich erhaltend und sonbcstcheud. Die Bahnen bleibe» sich ewig gleich, welche ein jeder einzelne Körper in gcwiffer Zeit zu durchlaufen hat. um dann aufs Acne dieselbe Bahn zu wandeln. Wer wollte nun behaupten, diese sich ewig gleichbleibcude Bewegung, dieses ewige Einerlei, wäre monoton, langweilig, veraltet, hätte sich überlebt, sei gar keine Bewegung, sei Stillstand, weil ohne Veränderung!? Sind wir nicht Alle auf Grund der wissenschaftlichen Ergebnisse der Ansicht, so nur können und müssen sich die vielen Wcltkörper bewegen, um sich gegenseitig zu erhalten:- Sind wir nicht des