Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 76-77 (2.10.1887)
- Date
- 1887-10-02
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449772--27284-2517134- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1402 Bei drm erwähnten Bankette des österreichischen Ministcrvräsidcutcn erhob derselbe sein Glas, nrn ans das Wohl fernes erhabenen Gebieters nnb Kaiser» zu trinken und theiltc er dabei zugleich mit, daß nun das Handelsmuftum in Wien nächstens hier eine Ausstellung österreichischen Ltunstnnd Fabrikerzeugnisse veraristalten werde. Diese Nachricht wurde von der hiesigen jüdischen Geschäft-?- welk mit Gcuugrhuuug ausgenommen, da es ihr so nröglich sein wird, mir der österreichischen Geschäfts- und Fabrikswelt in nähere Beziehungen zu treten und den österreichischen Fabrikaten neue Märkte im Innern Marokkos zu erschließen. : Feuilleton. Zur Geschichte der Anden in Aachen. M-h. Ten Schicksalen unserer Vorfahren in Deutschland wahrend des Mittelalters hat bekanntlich in neuerer Zeit die Geschichtsforschung ein reges Interesse zngewandt. Juden und Christen wetteifern in gleicher Wcise, durch unparteiische, objectivc Untersuchungen das Tnuktl des Mittelalters mit der Fackel dcr Wahrheit zu erhellen und Jahrhunderte hindurch verbreitete Irrthürucr zu beseitigen. Auch die neueste Monographie,*) welche die Schicksale der Inden in Aachen behandelt, enthält nach dieser Richtung hin Verdienstliches. Zwar ist cS nur eine kleine Skizze, die uns dcr Versau er, ein Ghrist, in seiner historischen Ucbersichr bietet, aber auch so stehen wir nicht an, für das Gegebene dankbar zn sein. Gleich die erste Nachricht liefert einen bisher unbekannten urkundlichen Beweis für die wichtige, immer mehr bestätigte Tbatsachc, daß die Inden in der älteren Zeit des Mittelalters vorzüglich oder fast nur Kaustentc gewesen sind. In dem auf Aachen bezisglicheir Kapitnlar Karls des Großen, erhält ein gewincr GrncrldnS den Auftrag, die Kaufleutc in und bei Aachen. Christen sowohl als Inden, in ihren Häusern zu kontrollircn. Aus derselben Zeit erhallen wir noch eine zweite wichtige Mitthcilung. Hier in Aachen empfing Karl, dcr Große, mit großem Gepränge den Juden Isaac, den er als Gesandten an den Kalifen.Harun al Raschid nach Bagdad geschickt harre. Während des ersten Krcuzzugcs blieben die Juden in dcr königlichen Stadt Aachen — wenn sic damals dort überhaupt ansässig waren — von den Metzeleien, welche die alten •) Dir Iudrn in Aachen. Hinoeischr Uedcrsichl von?i. Cito Trnsuman». Aachen i&tf. M. Zacsdi. Rheinischen Gemeinde« vernichteten, verschont. Sicherlich hätte sonst der Geschichtsschreiber des ersten Kren;zuges. Albert von Aachen, da, wo er von den Judenverfolgungen spricht, auch die in seiner Vaterstadt erwähnt. Dagegen waren im 12. und 13. Jahrhundert die Aachener Juden mehrfachen Verfolgungen ausgcsctzt, in Folge deren viele, um ihr Leben zu retten, die Taufe aunahmen. Im Rekrologinm dcr Aachener Marienkirche finden sich Nanren. wie Jacobus Juden», WillelmuS Judeus, Mcttildis «licta Iudca, GsdcfriduS JudeuS sacenivs u. a.. deren Träger man keineswegs sämmtlich als Girrgeroandertr betrachten könne. Ter Haupterwerd dcr Inden bestand im Verleihen von Geld, worül sie jedoch bald von den italienischen Lombarden verdrängt wurden. In dcr i Zeit des schwarzen Todes scheinen die Aachener Inden dem Verderben entgangen zu sein. Daß Juden dort noch zu wohne» pflegten, ergibt der Brief, den die Brüsseler Bürger im Verwlgnngsjahr nach Aachen schickten, um vor der Brunnenvergiftung durch die Juden zu warnen. Vcrmuthlich ist der Markgraf von Jülich, dem kurz vor 1340 von Karl IV. das Iudcngelekt in Aachen übertragen worden war, ihr Beschützer geworden. Für die folgende Zeit findet >nan die Juden selten erwähnt, mau hört nur stets von Lombarden. Trotzdem nimmt Truscurann neben den Lombarden eine ununterbrochene Fortdauer der Aachener Judenkolome an. (rinen interessanten Ginblick in die Rechtslage der Juden im Anfang des 17. Jahrhunderts ge. währen zwei Aktenstücke, die auch hier inhaltlich mitgetheilt sein mögen. Um 1600 richtet der Jude Alexander zu Aachen ein Gesuch nach Düsseldorf dcS Inhalt»: seine Glreru, Simon und Sochne, und er, ihr Sohn, hätten seit 40 Jahren unter Jülichcr Gelrit in Aachen gewohnt; dcr Barer sei vor 18 Jahren, seine Mutter eben jetzt gestorben. Ta cs aber „jetziger Zeit hockgefährlich, sich mit dem abgestorbenen Leichnam nach Teuren zn begeben*, bittet er um die Grlaubniß, die Leiche auf einem Jülich gehörigen, in Aachen gelegenen Mühlendamme zu bestatten. Gr erklärt für feine Glaubensgenossen, sie feien bereit, fürdie Bestattung jeder felgcudcn Leiche au besagtem Lrte einen Goldgulde» zu bezahle». Dcr Jülichcr Bogt zu Aachen, vsri Tneueri, dem die Petition zur Aeußcruug zugesandt worden, gab darauf am 12. Mai 1600 den fürstlichen Rathen die Grklärung, daß besagter Simon seit 1366 unter Jülichs Geleit in Aachen ansässig gewesen sei, auch dafür die schuldige Gebühr erstattet habe. Tie Juden seien bisher rechtlich den Fremden gleich behandelt worden. Ta