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Der Israelit · 1887-10-02 · Heft 76-77 (2.10.1887) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 76-77 (2.10.1887)
Date
1887-10-02
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1401 r.m die Polizei zu alaroiircn. Begleitet von vielen Männern, die rdeils Mitleid, theils Neugier antricb, eilte die Polizei zur Stelle. Was sie dort vorfand, roar cnrsctzlich. In der Schenke lagen nicht weniger als acht Reichen in ihrem Blute. Die Mörder hatten den Zankel Roscnzwcig, besten Frau, einen >tncckt und fünf itinbcr des Roscnzwcig erschlagen. Die Unmenschen hatten sich bei ihrer blutigen Thal eines stumpfen Werkzeuges bedient und ihre Opfer durch Hiebe auf den ilopf niedcrgcmacht. Allem Anscheine nach ist der Mord in räuberischer Absicht ausgesührt worden. Bis jetzt ist cS der Polizei nicht gelungen, Spuren der Raubmörder zu finden. Leider ist das junge Mädchen, welches die erste Anzeige machte, -ermaßen erschreckt gewesen, das; cS der Polizei gar keine Angaben über das Aussehen der Mörder zu machen im Stande ist. Marokko. Tanger. 22. August. Am 18. d. Mts., dem Gcbunsragc ics Kaisers Franz Josef (m' ') veranstaltete denen hiesiger Bcrtrctcr. der Ministcrpräsident und Gcncral-^onsril, Freiherr v. Rcglia- Ohmuccvics*) ein Festbankett, zu dem auch die Mitglieder der hier cristircuden kleinen österreichischungarischen Kolonie geladen waren. Rn der Spitze dieser Eolonic erschien der frühere österreichische Konsul in unserer Sradt, Tr. Abraham Schmiedel, der jetzt hier von der Ausübung feiner Minifi als Arzt und vom Erträgnisse seiner Ländereien lebt. Ucberhaupt har seit der Ankunft des neuen Bcrrrcters Oestcrreichcklngarns hier, zwischen diesem und dem Er-Eonsul Tr. Schmiedel stets das beste und herzlichste Einvernehmen geherrscht, da Letzterer wohl weist, das; nur wichtige politische und commcrciclle Motive den erlauchten Kaiser von Oesterreich, denen freundliche und wohlwollende Gesinnung für die Juden über jeden Zweifel erhaben ist und der seiner höchst toleranten Gesinnungen halber (leben doch unter seinem Sccpter in den ncucrworbenc» Provinzen Bosnien und der Herzegowina nahezu -400,000 Mohamedaner in den glücklichsten und ruliigstcn Verhältnissen) in der ganzen islamitischen Well bis tief, rief in Afrika hinein und bis an die Grenzen Chinas hochgeachtet und verehrt wird, bewogen haben, ihn feines Eonsulpostcns in lyijrcn zu entheben und am Hofe des Sultans von * i:. RegNo* rSnsucfsics itz tin Zögling brr b<nlbrr.:cn Cricr.lalifdbm Akademie in 25im, in drr tr üch auch das Lrndijche. Pnfr-Le und Lürkülde vollständig anriguc». mcr jnlcjt l'anial in T-sri- Laid, wo rr <?ctrge::Kkir fccrif, H;nc AranJnijjt im Aradiichrn noch;n fnrriirm. Ctitcrrtidfi fmrfia kann daher mit dem £n(tan und btn marokkanischen - Beamten ebne ZuKilsenalime eine» dolmetsch vermehren- Marokko einen wirklichen Ministerpräsidenten und Gcneral-Eonsul zu ernennen. Ein Staat wie Oesterreich-Ungarn, der zu den Großmächten Europas gehört, kann und darf sich nicht damit begnügen, am marokkanischen Kaiscrhofe durch einen simplen Eonsul, der noch dazu Arzt ist, und sich daher auch noch mit etwas Anderem zu beschäftigen hat, vertreten zu sein, während kleinere Staaten, wie Belgien, hier einen Bcrtrctcr von Beruf haben. Uebrlgcns sind die pccuniärcn Verhältnisse des Dr. Schmiedel so glänzende, daß er leicht auf seinen bescheidenen Gehalt als Eonsul verzichten kann, und was seine Stellung in der hiesigen europäischen Eolonie und in der marokkanischen Beamtenwelt anbclangt, so ist dieselbe noch heute eine so geehrte . und geachtete wie zuvor. -. * Was dessen Nachfolger hier anbclangt, so gereicht cs uns zur Freude, bestätigen zu können, dast Her? v. Reglia-Ohmucevics von derselben toleranten Gesinnung gegen die Juden erfüllt ist, wie sein erlauchter Gebieter, und wenn er nur kann, leitet er gerne der hiesigen jüdischen Gemeinde irgend einen Tienft. Ueberhanpt ist der in dem hochgc- , bildeten und hochcnltivirten Staaten Europas so heftig grassircnde Antisemitismus hier nicht einmal dem "Namen nach bekannt, denn die hier lebenden Europäer wissen wohl, wie traurig cS mit ihnen und ihren Landsleuten in den übrigen marokkanischen Häfen aussehen würde, falls auch hier die Klaubensverfolgung in Mode kommen sollte und man die Menschen nicht nach dem, was sie als Menschen und Staatsbürger leisten, sondern nach dem, wie sie ihrem Gotte dienen, bcnrtheilcn würde. Es gibt daher hier in Tanger zahlreiche europäische Familien, die nur deshalb ihr Vaterland verlassen haben, um hier ihr Erspartes in Ruhe und Frieden geniesten zn können, denn hier gibt cs kein politisches und religiöses Kezänk, hier kennt man keine Eonservativcn, keine Radicalcn. keine Republikaner, keine Socialdemokraten, keine Klerikalen, keine Arier, keine Semiten, hier geht Alles seiner Beschäftigung oder den Zerstreuungen, und da das Leben hier in Tanger überhaupt ein recht billiges ist, mit einer jährlichen Rente von nur 3000 Mark kann man hier schon ein recht behagliches Leben führen, und auch unser Klima, das durch die Seelüfte bedeutend abgekühlt wird, ein sehr gesundes ifu so zieht man unsere Stadt vielen europäischen Seestädten vor. Wir haben sogar hier zwei ganz nach europäischem Muster eingerichtete Hotels, „Hotel Royal" und „Hotel Eonnnenral", wo Alles europäisch ist, bis auf die Preise, die noch echt afrikanisch, d. h. billig und mäßig sind. . ----

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