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Der Israelit · 1887-10-02 · Heft 76-77 (2.10.1887) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 76-77 (2.10.1887)
Date
1887-10-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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I 1400 brr famosen Begründung, da» Pctcnt mit der Aufnahme in's schweizerische Bürgerrecht einzig und allein bezwecke, seine Söhne dem französischen Militärdicnfte zu entziehen (!!) Tiefer Standpunkt wurde von einigen Rednern warm vertheidigl: dieselben wollten überhaupt keine Juden mehr ins Bürgerrecht ausgenommen wissen und betonten, das; „regelmäßig (.«-ie!) nicht Liebe zum schweizerischen Barerlande, sondern höchst materielle Beweggründe es sind, welche die Angehörigen dieser Nation veranlassen, sich in der Schweiz cinzubürgeru." Wie man auf den ersten Blick sieht, hinkt diese pcrside Beweisführung ganz bedenklich. Nauoualrath Roienmund als Redner der Minderheit der Pelitionskommifsio» nrachre hierauf ausmerksam, indem er hervorhob, da» wohl selten ein Ausländer aus reinem Idealismus um das schweizerische Bürgerrecht sich bewerbe, sondern eben in der Regel feinen materiellen Borthcil dabei suche. Wenn die Gemeinde Lifsach, in welcher Perenr seit l4 Jahren ansässig ist, keinen Anstand genommen habe, denselben in ihre» Bürgervcrband auszunchmeu, so sei auch kein Grund vorhanden, ihm das Staarsbürgcrrccht zu verweigern. So wurde denn dem Ausuahmsgcfuche mit großer Mehrheit entsprochen. — Nach einem statistischen Nachweis, welcher die helvetischen Israeliten betrifft, leben in Baden lim Eanlon Aargau) 42 jüdische Familien: in Zürich gibt cs etwa 200 jüdische Familien. In der ganzen Schweiz leben jetzt sooo Juden. Tagen ergab die Bolkszählnng nm!SS<» mir 3146 Juden. Man sieht, sic haben sich in diesen 37 Jahren ganz erheblich vermehrt; Nabbiner gib! cs in der Schweiz nur 4, und zwar in Genf, Bafel, Baden nud St. Gallen. lTcstcrr. Wochcnschr.) Oesterr. - Ungar. Monarchie. 2Üieu, 2«. Sept. Baron Hirsch spendete eine Million Gulden zur Errichtung einer Gewerbeschule für jüdische Waiseukiuder in Galizien. Rumänien. Bukarest, 22. Sept. In der gestrigen Sitzung des Bukarester Kassationshofcs ist eine für die Stellung der rumänischen Iudcnschast zum Staate hochwichtige Entscheidung getroffen worden. Ein aus Rumänien ausgcwicsencr Israelit, Namens Fror, war wieder nach Bolofchan zurückgckehrt, war aber dort festgcnommen und vom dortigen Gericht wegen unerlaubter Rückkehr zu einer Gcfäugnißslrafe von 15 Tagen und zur abermaligen zwangsweisen Abschiebung verunbeUt worden. Tic von Fror beim AppeUhofe zu Jassy eingelegte Berufung blieb er- Mlr/v folgloS, obgleich die Advokaten Fror'S Hervorhobe», daß ihr Klient in Rumänicu geboren und erzogen sei. das; nichr nur er, sondern auch seine Eltern, außer Rumänien kein anderes Barerland befeffen hätten» und daß er demnach nicht auf Grund des blos für Fremde gilrigen Ausweifungsgeftves behandelt werden dürfte. Ter Appcllhof erklärte sich für iucomvekeur, die auf Beschluß des Miuistcrrarhcs erfolgte Ausweisung Fior's zu kririsircu und bestätigte das crstrichtcrliche Unheil. Als nun gestern der in Rede stehende Fall vor dem KanatiouShoft, der höchsten, inapyclladleu Gcrichrsstclle des Landes, verhandelt wurde, wendeten sich die Advokaten Fior's >unter gleichzeitiger Aufrechrhaltnng ihrer schon vor dem Apvellhofe geltend gemachten Bedenken gegen die Rcchrsgiltigkekt des gegen ihren .Klienten erlaffcnen Ausweisungsbefehles gegen die Ansicht des Iassyer Gerichts, nach welchem Beschlüffe des Ministerratbcs keiner richterlichen Kritik unterliegen. Wie die Anwälte hcrvorhoben, würde unter dieser Voraussetzung die Regierung die größten Ungerechtigkeiten begehe» können, ohne daß die Gerichte cinschreiren dürften. Ter Lraffationshof pslichtere dieser Ansicht bei und hob unter Anerkennung der gegen die Berechtigung des AuSwcifnngsdekrcts angrsnhncn Gründe das gegen Fior gefällte und vom Iassyer Appcllhofe bestätigte Urtheil aiff. Damit ist nicht nur allen im Berlaufe der letzten Jahre unter ähnlichen Berhälruiffen wie Fior aiisgewicscucn Juden die Möglichkeit einer Rückkehr crschlonen: cS ist damit auch in unwiderruflicher Weife aucrkanm, daß die in Rumänien geborenen nud zu keiuem anderen Staate iu einem llnterthancuverhältniß stehenden Israeliten das Znständigkeitsrcchr im Lande besitzen und als rumänische Staatsangehörige betrachtet werden müssen. Mit dieser Zuerkcumrng des ZuständigkektsrechteS kommt eine ganze Reihe von Klagen in Wegfall, welche sclrcus rumänischer Juden über das Zweifelhafte ihrer Stellung im Staate erhoben und welche im Laufe der letzten Jahre auch wiederholt in der auswärtigen Presse gerade nichr iu einer für Rumänien schmeichelhaften Weise erörtert worden sind. Rußland. Petersburg, 22. Sept. Wie aus Minsk gemeldet wird, ist ein schauderhafter achtfacher Mord dieser Tage iu einer Kneipe zwischen Neswish und Gorodcja verübt worden. Tie erste stunde davon brachte ein junges Mädchen nach Neftvifh, welches bei dem jüdischen Gastwirrb in Tieust stand. Es war durch einen Zufall den Hände» der Mörder entgangen und halbnackt bis in die Stadt getauft»,.

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