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Der Israelit · 1887-10-02 · Heft 76-77 (2.10.1887) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 76-77 (2.10.1887)
Date
1887-10-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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' —Tu m ii i 1394 bf»; :r wollte sie in seinem Roman ohne Zweifel auch weder verleben noch verkleinern, oder von dem Ttandpunkre aus. welchen er i:i seinen „Ledalds" vertritt, nach welchem jede posikire Religion nur ein cullnrhistorischcs Ivimiucfclnnö-Kubiuni zur allgemeinen Berunnttreligiou bildet, kann ihm das orthodoxe Irrdcrrlhum nur wie eine verknöcherte Mumie erscheinen, die man allenfalls als eine Merkwürdigkeit noch gelten lassen kann, der aber in unserer modernen Zeit jede Errflcn'chcrechtignrrg fehlt. 2i.'ildelm Jordan kann von der Tendenz seiner „Tebalds" ans kein Verständnis; von der nn»?-rgänglichcn Lebenskraft des Irrdenthnms haben, und darum sind der Jude und die Jüdin seines R omanS, die übrigens, in der ganzen Anlage dessen Herr, nur gewaltsam hincirrgezwängt sind nn) mm Vorthcil des Buches besser wcggcbUebcn wären, jeder inneren Wahrheit bar, und sie können unser Ökfiiljl nur unangenehm berühren. (Man;, anders in „Michael Eibnla." Tie Inder: sind hier nickt mit Gewalt in die Erzählung crnacfüat, sondern sic bilden gewissermaßen die Hauptpersonen, um die sich der Gang der Handlung dreht. Tic Inden dieser Erzählung haben auch uickrs Unnatürliches und nichts der Wahrheit Widersprechendes: cs sind leine Earricatnren, sondern im Groben und Ganzen spmpalh-.sche, lebenSfrischc und markige Gestalten. Tas Motiv der ganzer! Erzählung ist der Hast, wie ihn zu Zeiten rurö au manchen Trrcr: die Christen gegen die Juden hegten, jener Hast, der den Errristcn des Mittelalters wie ein Gi.f.b, wie eine Naluruorhwcl'.digkcit geworden war. 2k vererben ihren Hast den Krudern: in ihren .Kindern wird ihr Hast von Neuem geboren: ihre .minder werden die unseligen immer wieder von N'enerr: steinigen. 2o lebt der Jylndj fort von (Mcfdilcdit .zu (Mcfdiledit, er leb! in Ewigkeit. — Aber nidu beschönigt , nicht irgendwie als berechtigt hinacstellt wird in dem Vnchc dieser Hast, sondern mit ergreifenden Farben, mir erschütternder Wahrheit werden die Folgen desselben geschildert und die Verwickclurigcn, die ans ihm entstehen, da, wo ein Gefühl für lllecht vorharrden ist und sowie das Recht sich nicht beugt vor der Gewalt, so wird der Hast gegen den Tramm Israel verschwinden, das ist die herrliche Tendenz dieser Erzählung. „Es werden kommen Gc'chlcdllcr der Christen, welchen der Hast gegen unser Voll nichtig sein wird, gleich dem WoNe. das geschrieben steht im Tande des Meeres, darüber eine mächtige Wasscistuth hinwcggchr." Piatra war ein Bauerndorf, das einsam, von aller Welt abgeschieden, mitten in einem finstern Walde der Karpathen gelegen war. Tic Bauern von Piatra wnstten wenig oder gar nichts von der übrigen Welt, sie liebten ihr Hcimatsdorf üdcr Alles und in ihm concentrine sich für sic die ganze Welt. Tic erkannten keiuenttönig nnd keinen Herrn über sich an und waren stolz auf ihre Freiheit und ihre Siechte, die sie schabten, wie die Berge ihres Waldes nnd" wie dessen tausendjährige Eichen und Buchen. Tie fürchteten Gott und liebten Niemand, aber die Juden hastten sie. Tiefe aber erschienen in dem 'Torfe .in jedem Jahre einmal, wenn ans den hohen Bergen und in den finsteren Wäldern der Lchnec schmolz und groste Aufregung bemächtigte sich der Einwohner des Torfes schon bei ihrer Anuähcrm'.g: man freute sich über die köstlichen Waarcn, die sie zum Kaufe und zum Tausche brachten und man fürchtete sich; weil man die Juden hasttc. Ehe aber der Tag zu Ende ging, mußtcn die Inden das Torf schon wieder verlassen haben und noch niemals hatte ein Jude in Piatra übernachtet. Einmal kam zu einer außergewöhnlichen Zeit die Kunde ins Torf, dast die Inden kämm und »iuii die Männer allein waren cs diesmal, wie gewöhnlich, sondern alle kamen, Männer, Weiber und Kinder. Tic waren nämlich vertrieben worden aus ihren Wohnstätten und bei den Bewohnern von Piatra fndjtcn sic jetzt TLütz. Aber alle Bitten der Juden, sic ciuznlagcn. waren vergeblich: nur eine Nackt wollte man ihnen gestatten, draußen vor dem Torfe zu lagern. Milten im Tchnce schlugen sic ihre Zclrc auf und als der andere Tag hrrankam und sie abzichcn sollten, baten sie wieder und wieder. Tozaua, der Priester, schlug seiner Gcrncinde vor, man solle den Juden gestatten, bis zum Frühjahr in ihren Zelten zrr bleiben, wenn sie sich vcrpflichtcren, Tteine für den Ban einer neuen .Kirche zu graben und die Bauern gingen auf den Vorschlag ihres Priesters rin, der ihnen vorstcllte, wie sic Verzeihung ihrer Tündcn erlangten, wenn sic die Juden erniedrigten. Tiefe llagten und weinten über die harte Bedingung, aber, um ihr Lkcbcn zu erhalrcrr, blieben sic. Einen im Torfe schmerzte es tief, dast die Juden bleiben durften; das war Eibnla, der die Inden mehr als alle anderen im Tor fe bastle, der von einem wilden, dämonischen Hasse gegen sie erfüllt war. Er haßte sic nickt allein, weil er ein Ehrist war und sie Hallen mnstte. sondern «och mehr deshalb, weil seine einzige Tchwcster einst eine Jüdin geworden und einen Jude» gedeirarbet bar. Mit Eibnlas Widerwillen gegen die Inden mischte sich auch dessen Hast gegen den Priester Tozona. Tiefer hatte einst Ioscpha. die Gattin (5ibnlaS, geliebt, und als Eibnla sic, die doch ein Priester nicht zum Weibe rr

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