Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 76-77 (2.10.1887)
- Date
- 1887-10-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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1395 nehmen durste, hcimgeführt, drohte Tozana darüber das Herz zu brechen. Und während nun Tozana Fibula haßte, weil dieser sie sein eigen nennen durste, die daS LebenZglück Tozanas hätte werden können, sah dieser wiederum seinen Todfeind in Tozana, weil er glaubte, daß dieser noch immer das Herz Iofephas besitze. Well aber Fibula die Juden haßte, deshalb nahm nun der Priester sie in Schutz und als der Winter zu Ende ging, wurde den Juden abermals das Derweilen für ein Jahr gestattet, unter der Bedingung daß sie die Kirche auch bauen sollten. Und als das dritte Jahr kam, da wurde ihnen der Berg Kryvan neben dem Torfe Piatra verkauft und ihnen erlaubt, sich da Häuser zu errichten und daS Land umher anzubauen, dafür gaben sic viel Geld her, mit dem die Bauern die «irckc wunderbar schmückten. — Tic fleißigen Hände der Jude schufen aus einer Wildniß eine fruchttragende herrliche Gegend und ein blühendes Torf, aber wie sich bei ihnen der Segen mehrte, nahm in Piarra da- Unheil zu. Ter Bischof hatte von dem Vertrage mit den Inden gehört und kam selbst nach Piatra, wo er vor der versammelten Gemeinde die Vertreibung der Juden verlangte. Tozana. in welchem der Bauernsohn über den Priester siegte, b-erief sich auf daS der; Juden gegebene Wort und mehr auf die RcÄte und Freiheit der Bürger von Piatra. die auch kein Bischof antasten könne, worauf der Bischof den versammelten Bauer» entgegendonucrtc, daß ihre Rechte null und nichtig seien. Schon war die Gemeinde im Begriff, ihren Prrster zu verlassen, da geschah etwas Wunderbares uud dies ist von dem Lichter besonders psychologisch durchdacht und mit ergreifender Schönheit geschildert: in Eibnla, dem Todfeinde Tozanas, kümpfre der doppelte Haß gegen die Juden mit dem Gefühle für Recht uud die Liede für die alte Freiheit feiner Hcimath; letztere siegte: er trat auf die Seite Tozanas, uud der Bischof unterlag. Tiefer ging, aber sein finsterer. feindseliger ('»eilt war geblieben. Gleich einer schwarzen gespenstischen Gewitterwolke lag über Piatra der Kirchenbann und die Trauer der Einwohner stieg auf's Höchste, lieber Fibula und Tozana wurde der große und schwere Baun verhängt: aber nichts vermochte ihre uud der Bauern Standhaftigkeit zu erschüttern. Eibnla erkannte, daß cs für die Bauern von Piatra nur einen Ausweg aus ihrer bedrängten Lage gebe, wenn sie das geächtete Piatra verließen und ein neues bauten. Mir blutendem j Herzen riß er sich los von der Hcimath, wo seit I undenklichen Zeiten die Eibnla gewohnt und über alle Bauern geherrscht batten und fern km Walde, j jedoch in einer paradiesisch schönen Gegend, siedelte' er sich auf's Neue au. Gin Jahr verlebte er dort, das ihm ein Jahr des seligsten Friedens hätte fein können, wenn ihm nicht der Friede mit der Kirche gefehlt härte, da starb fein treues Weib Josephs, und ihr Tod föhnte auch Eibnla und Tozana, die beiden Todfeinde, mit einander aus. Beide sannen jetzt gemeinschaftlich nach, wie sie die Bauern von Piatra bestimmen könnten, ihr Torf zu verlassen und in Eibnla's Nachbarschaft zu ziehen und da entschloß sich Fibula endlich zu einer verzweifelten Handlung. Schon hatte er im Stillen alle Vorbereitungen getroffen für die Ansiedelung der Bewohner Piatra'S in der Nähe seiner neuen Waldwohnnng, da kehrte er in einer finsteren Nacht nach Piarra zurück und zündete heimlich die neue Kirche an, daß die Flammen diese, die der Stein des Anstoßes gewesen war, und das ganze Torf zerstörten. Eibula selbst fand den Tod, als er eine unglückliche Frau aus den Flammen rettete. Schon wollten die Bauern auf das Judcndorf losstürzen und die Juden erschlagen, die gewiß, wie sic meinten, das Feuer angczündct hatten, da erklärte ihnen dcr sterbende Fibula, waS er gcthan: die Bauern begriffen nun seine-That und priesen ihn und nun starb er, gleich einem dcr Helden des AltcrthumS, den Lpfcrrod für seine Gemeinde, er. dcr gewaltig war im Haffe und gewaltig st: dcr Treue. — DieS ist in kurzen Ilmrincn dcr Inhalt dcr in dem Buche erzählten Begebenheit, aus. dcr der Dichter ein herrliches Lebensbild voll kräftiger, farbenprächtiger Züge geschaffen hat. Tic einzelnen Charaktere, namentlich dcr dcr Joseph« und der der Tozia, der Tochter jener Maria, die zu den Juden übcrgcgangcn war, sind mit psychologischer Feinheit und mit künstlerischer Mcistcrschast gezeichnet. Mit den Worten des Dichters schließen wir den Bericht über die intcrenamc Erzählung: „Viele Wellen werden darüber hinwcggchcn, bis sic daS Wort des Haffes anslöschen: .zu tief steht er cingcgradcn, nicht in Sand, sondern in Fels. Es wurde auch nicht mit einem Stift geschrieben, sondern, mit dem Schwerte cingchauen. Und so ries drang derSchwcrtfchlag, daß ans dem Felsen eine Quelle hervorbrach. Man kann hingchcn und schöpfen aus dem Wort . . . . Es wird auSgclöfchr werden und verwehe» Alles, denn das ist‘ Nichts, was besteht, außer, was Gottes ist. ES werden auch vergehen die Spuren des Blutes, welches gcfl offen ans den Wunden unseres Volkes, denn da wird kommen ein gewaltiger Sturm, der fährt vom Himmel nieder zur Erde, hin über die Länder und wieder 511,11 Himmel empor. Deshalb sollen wir nicht trauern, sondern hoffen."' _