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Der Israelit · 1887-10-02 · Heft 76-77 (2.10.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 76-77 (2.10.1887)
Date
1887-10-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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dicnste und ermahnt« ebenso wie fein Eollcge Trachmann zur Belehrung der Zugend. Leider crisnrt unter manchen Gemeinden ein Wettstreit bcrr. Schönheit der Synagoge, Ehasan n.s. w. wenn die« der Beweggrund zum Ban schöner Gotteshäuser sein soll, dann unterbleibe es besser, betonte Tr. Trachmann; solch* ein Eoncurrcnzkampf richtet mehr llnhcil als Gutes an. Hoffen wir un't dem Redner Tr. Neumark, dass dies nicht der Fall ist; den Männern, die an der Spike stehen, liegen derartige Gedanken fern. Nachdem noch der allzeit feine Glaubensgenossen wann vertretende Eoroncr Leon einige passende Worte gesprochen, hielt Herr Zarmulowsky die Schlussrede. Herr Z. bat nicht nur in der Jugend bei grosse Lehrern des Zudcnthums seine Studien genossen, er hat auch, obwohl er durch sein weitverzweigtes Geschäft viel in Anspruch genommen ist, bis zum heutigen Tage nicht aufgchört, immer mehr in den heiligen Schriften zu forschen. Seine Rede bat gezeigt, dass die Zahl der spcz. jüdisch gelehrten Männer, deren Profession nicht das Studium der Lehre ist, noch nicht erloschen ist, selbst nicht in Amerika. Herr Z., der überall, wo cs gilt, Intercncn der Wohllhätigkeit zu fördern, die Lage der Glaubensgenossen moralisch zu verbessern, am Platze ist, gehört sicher zu denjenigen , die, wenn sic ausharrcn und sich durch die vielen Unannehmlichkeiten, mir denen sie zu kämpscn haben, nicht bccinflupcn lapcn, auch hier noch viel teures leisten können. Es würde mich zu weit führen, wollte ich die Schlussrede des Herrn Z, die gewürzt von rr'is und andern Zitaten war, wicdcrgcben. Es legte den. Leuten die Wichtigkeit des "'2772 dar, die Pflichten die sie gegen das Land, das ne gastfreundlich aufuahm, gegen ihre Familie und gegen Mitmenschen haben. Seine Worte, die er „als gesprochen vom Bruder zum Herzen der Brüder nur für Brüder" bezcichnctc, trafen honcntlich die richtige Stelle und werden sicher ihre Früchte tragen. Nun ein Won Zbrcs Eorrespondemen. Man bat hier prächtige Gotteshäuser, grossarrigc Sänger als Lorbetcr, eine grosse Talmudthoraschulr (wo 40t> ttinder dem Lernen unsrer heiligen Schriften obliegen), man gehr damit um, einen Oderrabdincr zu nehmen — all dies ist sehr schön, allein cs bedeutet nichts, w lange man sich nicht fügt, so lauge man nicht zeigt, dass man eine Autorität anerkennt und den Sinn für Ordnung auch bctbärigl. Tie Vorbereitungen, die kluge und edle Männer zur Befestigung und Hebung des Glaubens bisher gc:han. müneu mil Tdaren unterstützt werden. Man kann ein sehr braver Zude sein und doch den Forderungen der heutigen Welt gerecht werden. Gottgefälliger Lebenswandel ln Verbindung mit veltgefälligem Auftreten muß allenthalben das Losungswort sein und dann werden sich die Anhänger deS am» fcrvativem Zudembums, die im Osten Europas unter dem Truck der Verhältnisse zurückgeblieben sind, bald von der inncgehabten Stufe zu einer solchen erheben, die ihnen die Achtung der Mitwelt abringt. New-Zork, 16. Scpt. Tie in meinem jüngsten Bericht ausgesprochene Hoffnung hat sich erfüllt: die Gemeinde der 72. Strasse hat sich bereit erklärt und die bindendste Versicherung gegeben, die gemischten Synagogcnsitzc abzuschaffen, und Herr Tr. Drachmaiin wird nun seine Funktionen als Rabbiner der Gemeinde wieder aufnchmen. A. Feuilleton. „Michael ßiimta." Ein Roman von Richard Voss. Frankfurt a. M., km September. „Michael Eibula" ist keine jüdische Erzählung, im Gcgcntheil, cs ist sehr viel pccifisch EhristlicheS darin enthalten und doch besitzt dieses Buch eine rühmeaswcrthe Eigenschaft, durch die eS sich von vielen anderen dieser Gattung rühmcnSwerlh anszcichnct und wegen deren cs auch für die Leser deS „Israelit" von besonderem Jntcrrcsse sein dürste; das ist seine Zndcnfrcndlichkcit. Zn vielen neueren Romanen und anderen Unterhaltungsschriftcn, in welchen die Juden erwähnt werden, geschieht dies in wegwerfender geringschätziger Weise, oder es werden-gar Juden als lächerliche oder hässliche Gestalten vorgcsührt. Zn einer ganzen Reihe von anderen Romanen, deren Verfasser uns nicht gerade übel gesinnt sind, bildet ebenfalls ein Jude oder eine Züdin eine stehende Figur, aber daS Zudcnthum dieser gewöhnlich nur so nebenbei cingcschobcncn Juden erkennt man eigentlich nur an ihren Namen; daS, was sie vom wirklichen Zudcnthum haben, soll in der Regel nur dazu dienen, um darznthun, wie die Assimilirung der jüdischen Religion mit ^incr anderen sich vollziehe, einen Halt oder eine Festigten in ihrem Glauben habe» diese Romangcstalten nicht, und sie können uns als Juden nicht sympathisch sein, sind auch im Roman meist ganz überflüssige Personen und könnten ebensogut gestrichen werden, ohne das Gefüge der ganzen Handlung zu stören. Ein solches Beispiel baden wir an Wilhelm Jorl, a n' S „Sebald s? Wilhelm Jordan hat, soviel ich weiß, kein besonderes Vorurthcll gegen die Zu-

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